• The Wall Street Journal

Notenbanken bewegen Wechselkurse vor G-20 heftig

    Von HANS BENTZIEN

Man weiß nicht mit letzter Sicherheit, warum sie es tun. Auf jeden Fall tun sie es am Mittwoch besonders entschlossen: Einen Tag nach dem Bekenntnis der G-7 zu marktbasierten Wechselkursen und kurz vor dem G-20-Treffen bewegen Europas Zentralbanken ihre Währungen kräftig: Die Bank of England und die Schweizerische Nationalbank nach unten, die Schwedische Riksbank nach oben. Im Ergebnis legt auch der Euro deutlich zu.

Reuters

Die Notenbanken haben am Mittwoch für Dynamik an den Devisenmärkten gesorgt.

Erst am Dienstag haben sich Vertreter der sieben wichtigsten Industrieländer zu marktbasierten Wechselkursen bekannt und nebenbei vor den Folgen starker Wechselkursschwankungen gewarnt. Einen Tag später ist an Volatilität kein Mangel.

Um im Norden zu beginnen: Die Schwedische Riksbank hat ihre Leitzinsen unverändert gelassen und die Krone damit auf ein Viermonatshoch getrieben. Acht der 15 von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten im Vorfeld eine Senkung des Leitzinses erwartet. Als diese ausblieb, wertet die Krone stark auf. Am Mittag mussten für einen US-Dollar nur noch 6,29 Kronen gezahlt werden. Vor der Zinsentscheidung waren es noch 6,36 Kronen gewesen. Auch gegenüber dem Euro wertete die Krone deutlich auf.

Die Riksbank rechnet damit, dass der Leitzins in diesem Jahr auf dem aktuellen Niveau von 1 Prozent bleiben wird. „Wenn die Zentralbanker nicht die Geldpolitik ändern, laden sie die Händler damit weiterhin dazu ein, Kronen zu kaufen"", sagte SEB-Analyst Carl Hammer.

Jordan hält Franken immer noch für überbewertet

In Gegenrichtung ging es für den Schweizer Franken. Für einen Euro mussten am Mittag 1,2385 Franken bezahlt werden, am Morgen waren es 1,2340 gewesen. Damit wertete der Franken weiter ab. Es ist zu vermuten, dass auch diese Bewegung mit einer Zentralbankentscheidung in Zusammenhang stand: Die Schweizerische Nationalbank teilte um 11 Uhr mit, dass sie den Nationalrat aufgefordert hat, einen antizyklischen Kapitalpuffer für Hypothekenkredite in Kraft zu setzen, was dieser auch umgehend tat. Allerdings hatte der Franken bereits einige Zeit vorher einen deutlichen Sprung nach unten gemacht.

Er bewegte sich damit weiter in das von der SNB gewollte Territorium. Nach Aussage ihres Gouverneurs Thomas Jordan hält die Zentralbank den Franken immer noch für eine überbewertete Währung, obwohl er inzwischen spürbar oberhalb des Mindestkurses von 1,20 Franken je Euro notiert, den die SNB festgelegt hat. Mit dem Zinsaufschlag auf Immobilienkredite sichert sich die SNB gegen eine Überhitzung am Immobilienmarkt ab, die sich als Nebenwirkung der ultralockeren Geldpolitik der SNB einstellen könnte.

Auch die Bank of England schaffte es, ihre Währung in die erwünschte Richtung zu bewegen: In ihrem aktuellen Inflationsbericht versprach sie, von einer Straffung ihrer Geldpolitik abzusehen, auch wenn die Inflation oberhalb des Zielwerts bleiben und sogar weiter steigen sollte.

BoE-Gouverneur Mervyn King stellte klar, dass die Notenbank niemals im Alleingang an den Devisenmärkten intervenieren würde. Allerdings, so fügte er hinzu, beeinflussten fiskal- und geldpolitische Entscheidungen natürlich die Wechselkurse. Im Falle des Pfund gab es eine kräftige Abwärtsbewegung: Für einen Euro mussten gegen Mittag 0,8865 Pfund gezahlt werden, vor dem Inflationsbericht waren es 0,8601 gewesen.

An Alleingänge am Devisenmarkt sind die Japaner längst gewöhnt, und auch ihre Währung schwächte sich am Mittwoch ab. Ein Dollar kostete am Mittag 93,64 Yen gegenüber 92,85 am frühen Morgen. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern hat das Statement der G-7 die Möglichkeit der Japaner, den Yen zu schwächen, nur leicht beschnitten.

Bliebe als Tagessieger noch der Euro zu erwähnen: Die europäische Einheitswährung zog von 1,3440 auf 1,3490 US-Dollar an.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

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