• The Wall Street Journal

Sinkende Exporte belasten deutsche Wirtschaft

    Von HANS BENTZIEN

Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal 2012 erstmals seit Ende 2011 wieder geschrumpft, was vor allem an schwachen Exporten und rückläufigen Investitionen lag. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts sank das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal preis- und saisonbereinigt um 0,6 Prozent und lag um 0,4 Prozent über dem Niveau des vierten Quartals 2011.

Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen Rückgang von 0,5 Prozent auf Quartalssicht und einen Anstieg von 0,5 Prozent im Jahresabstand prognostiziert. Die Nachricht vom stärksten Quartalsrückgang der Wirtschaftsleistung seit dem ersten Quartal 2009 fällt in eine Phase steigender Zuversicht, dass das Wachstum demnächst wieder anspringen wird.

dapd

Container im Hafen von Hamburg: Die deutschen Ausfuhren sind im Schlussquartal 2012 gesunken.

Ausschlaggebend für den BIP-Rückgang am Jahresende war nach Angaben der Statistiker, dass die Warenausfuhren stärker sanken als die -einfuhren. Zwar hat Deutschland auch Ende 2012 einen Handelsbilanzüberschuss erzielt, doch war dieser deutlich kleiner als in den Vorquartalen. Das schlägt bei der Berechnung der Wirtschaftsleistung negativ zu Buche.

Außerdem investierten die Unternehmen wegen der Unsicherheit über Euro-Krise und Weltwirtschaft erneut deutlich weniger in Maschinen und Ausrüstungen. Für Bauten wurde dagegen nur geringfügig weniger ausgegeben. Privater und staatlicher Konsum legten leicht zu.

Schwache Exporte und rückläufige Investitionen haben die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2012 kräftig ausgebremst. Dadurch schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt erstmals seit Ende 2011 wieder.

Während das Schlussquartal 2012 also noch etwas schwächer als befürchtet ausgefallen ist, hoffen Volkswirte nach dem Anstieg wichtiger Frühindikatoren, wie des Ifo-Index und der Auftragseingänge, schon auf eine Rückkehr des Wirtschaftswachstums in den ersten drei Monaten.

„Dieser neue Optimismus ist kein reines Wunschdenken. Das Sicherheitsnetz aus zunehmenden Auftragsbeständen und niedrigeren Lagerbeständen hat sich verstärkt, und das dürfte sich positiv auf die Industrieproduktion der kommenden Monate auswirken", sagte ING-Volkswirt Carsten Brzeski. Wegen der niedrigen Leitzinsen rechnet Brzeski damit, dass die Unternehmen demnächst auch wieder stärker investieren werden.

Auch Simon Junker, Deutschland-Experte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, glaubt an mehr Investitionen im laufenden Jahr. „Anhaltend positive Impulse aus dem Ausland, vor allem aus den Schwellenländern, dürften im späteren Verlauf die Unternehmen veranlassen, die günstigen Finanzierungsbedingungen zu nutzen und dann auch wieder kräftig in Ausrüstungen zu investieren", kalkulierte er.

Nach Aussage von Commerzbank -Chefvolkswirt Jörg Krämer signalisiert das Ifo-Geschäftsklima, dass die Wirtschaft im ersten Quartal um 0,4 Prozent wachsen wird.

Nachdem sowohl die deutsche als auch die französische Wirtschaft im vierten Quartal 2012 etwas stärker als erwartet geschrumpft sind, könnte das auch in der gesamten Eurozone der Fall gewesen sein. Evelyn Hamann von BNP Paribas sieht ein gewisses Risiko, dass der BIP-Rückgang deutlicher als die derzeit erwarteten 0,4 Prozent gewesen ist. Die Daten werden um 11 Uhr veröffentlicht.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

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