• The Wall Street Journal

Japan rüstet sich für G-20-Schelte

    Von TAKASHI NAKAMICHI

Am Freitag und Samstag treffen sich die G-20 in Moskau. Und Japan ist schon auf Angriffe gegen seine Währungspolitik vorbereitet.

Am vergangenen Donnerstag hatte sich Japan noch von seinen Partnern der G-7 überzeugen lassen, eine gemeinsame Erklärung zu veröffentlichen, nach der die sieben Industriestaaten mit ihrer Politik lediglich die einheimische Wirtschaft stimulieren, aber nicht die Wechselkurse manipulieren wollen. Japan habe diese Erklärung nicht gerade vorangetrieben, sagte Finanzminister Taro Aso im Anschluss ziemlich unumwunden – andere Länder hätten danach verlangt.

In den Monaten vor der Erklärung hatte Japans Premier Shinzo Abe mehrfach angedeutet, dass das Land die eigene Währung schwächen will, um seinen Exporten auf die Sprünge zu helfen. Und auch nach der Erklärung betonte Japans Finanzministerium, dass die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Deflation nach G-7-Maßstäben keine Beeinflussung des Wechselkurses seien. Die Erklärung der G-7 lässt Japan Deutungsspielraum – denn der Yen wird in ihr nicht explizit erwähnt.

Agence France-Presse/Getty Images

Yen über Yen - die Staatengemeinschaft fürchtet einen allzu starken Abfall von Japans Währung. Die Tokioter Regierung aber interpretiert Warnungen nur allzugerne in Beifall um.

Am Mittwoch erklärte ein Vertreter der G-7 die Absicht hinter der Erklärung: Es sei nicht darum gegangen, Sorge um das aktuelle Wechselkursniveau des Yen zu äußern. Der Staatengemeinschaft ging es eher darum, eine zu starke Abwertung der japanischen Währung in der Zukunft zu verhindern. Vor allem „die Geschwindigkeit der Abschwächung und die dadurch entstehende Volatilität" auf dem Währungsmarkt würden bei den sieben Industriestaaten Besorgnis hervorrufen. Der Vertreter der Staatengrupe bekräftigte gleichzeitig: Auch wenn die Erklärung nicht explizit den Yen erwähnt, war Japans Währungspolitik doch der Grund dafür, dass sie aufgesetzt wurde. Deshalb habe Tokio auch zunächst mit der Unterschrift gezögert, sagte der G-7-Vertreter weiter.

In den Stunden nach Veröffentlichung der Erklärung schwankte der Yen – zunächst fiel er, dann gewann er. Analysten und Händler waren sich nicht sicher, ob die Erklärung eine Billigung oder eine Kritik der japanischen Währungspolitik war.

Klar ist, dass die Staatengemeinschaft besorgt ist, wie Japan den Yen drückt. „Es gab Diskussionen beim Treffen der G-7 darüber, und es wird sicher auch Diskussionen an diesem Woche bei den G-20 geben", sagt etwa Mark Carney, Gouverneur der kanadischen Notenbank. Zu den 20 Industrie- und Schwellenländern in der Gruppe gehören auch Länder wie Korea und China, die Japans Wirtschaftspolitik besonders skeptisch gegenüberstehen.

Dass über Japans Währungspolitik debattiert wird, ist nichts Neues. Schon in den 80ern und frühen 90ern haben Japans G-7-Partner das Land regelmäßig aufgefordert, den Yen zu stärken und so seinen Handelsüberschuss zu begrenzen. Als Japan den Yen dann aufwertete, hatte das fatale Folgen: Bis in die Mitte der 90er fürchteten die Staaten einen finanziellen Kollaps Japans, der den Rest der Welt in den Abgrund gerissen hätte.

Zuletzt hatte sich Japan in den Jahren 2006 und 2007 in einer derartigen Lage befunden. Vertreter europäischer Staaten wie Frankreich hatten sich laut über die anhaltendende Abwertung des Yen zum Euro beschwert. Bei einem Treffen der Finanzminister der G-7 in Singapur im Herbst 2006 gab der Inselstaat dem Druck Europas nach und räumte öffentlich ein, dass der Absturz des Yen zum Euro „etwas volatil" gewesen sei. Bei einem Treffen in Deutschland im Folgejahr griffen die Finanzminister der G-7 und Zentralbankchefs erneut den schwachen Yen an, den das Land durch niedrige Zinsen am Boden hielt.

Japan versucht regelmäßig, die Erklärungen der G-7 als Zustimmungen zu ihren Maßnahmen zur Stärkung des Yen zu erklären. Wenn zum Beispiel andere Staaten nicht direkt der japanischen Währungspolitik widersprechen, stellen die Politiker in Tokio das als Zustimmung der internationalen Gemeinschaft hin.

Das Treffen der G-20 im November 2011 im französischen Cannes etwa fand wenige Monate nach einer einseitigen Markt-Intervention der japanischen Notenbank statt, mit der das Land den Anstieg der Währung begrenzte. Auch danach wurde noch versteckt interveniert.

Während des Treffens erklärte Japans damaliger Premier Yoshihiko Noda die Gründe für die Interventionen Japans. Anschließend sagte er, dass es „keine Kommentare" von anderen Staaten gegeben habe. So haben viele Händler den Eindruck bekommen, dass die USA die Intervention gestützt hätten. Aber einen Monat später kritisierte das US-Finanzministerium diese heftig.

—Mitarbeit: Laurence Norman

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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