• The Wall Street Journal

Huaweis stiller Aufstieg zur Smartphone-Macht

    Von ARCHIBALD PREUSCHAT
dapd

Huawei-Stand in Hannover auf der CeBIT. Die Chinesen wollen in Deutschland mehr Marktanteile - auch mit Smartphones im höheren Preissegment.

Kunden, die bei einem der vier Mobilfunkbetreiber in Deutschland nach einem Handy von Huawei fragen, ernten vermutlich ein Achselzucken. Nicht nur, weil der Unternehmensname für Nicht-Chinesen fast unaussprechlich ist. Ein einziges Huawei-Smartphone hat beispielsweise Vodafone derzeit im Portfolio, sagte ein Sprecher des in Düsseldorf ansässigen Mobilfunkers. Dabei handelt es sich um ein preiswertes Einsteigermodell für etwas mehr als 100 Euro. Das dürfte sich bald ändern. In diesem Jahr strebt Huawei eine größere Präsenz bei den Mobilfunknetzbetreibern an, auch und gerade mit Geräten im höheren Preissegment.

LTE-Netz öffnet Markt für höherwertige Huawei-Smartphones

Preiswerte Handys sind der Grund, warum sich Huawei im vergangenen Quartal laut Daten des Marktforschers Canalys zum ersten Mal unter drei größten Smartphoneherstellern der Welt wieder fand. Nicht nur in ihrem Heimatmarkt verzeichne Huawei einen hohen Absatz. Auch in den USA sei das Unternehmen mit preiswerten Geräten erfolgreich, die bereits in den neuen, schnellen LTE-Netzen funken. Weltweit verkaufte Huawei in den drei Monaten von Oktober bis Dezember 11,5 Millionen Smartphones, was einem Marktanteil von 5,3 Prozent entspricht. Der Abstand zu Marktführer Samsung mit 29 Prozent sowie zu Apple mit seinen 22,1 Prozent Marktanteil ist freilich immer noch gewaltig.

Aber die Chinesen, die im vergangenen Jahr den Mobile World Congress in Barcelona, einen der wichtigsten Branchentreffs der Welt, mit ihrer Werbung dominierten, wollen mehr und holen auf. Mit dem Billigsegment allein will sich Huawei nicht mehr zufrieden geben.

Die Auswahl an Smartphones, die auch in den neuen, schnellen Netzen funken, ist noch sehr übersichtlich. Das eröffnet dem chinesischen Unternehmen die Chance, nun auch seine höherwertigen Smartphones bei den europäischen Mobilfunkunternehmen zu platzieren. In Großbritannien brachte die Ausbreitung des LTE den Zugang zum Sortiment von Everything Everywhere, dem Joint Venture von Deutscher Telekom und France Telecom . In den Niederlanden hat Anbieter KPN, der vor kurzem mit dem Aufbau eines LTE-Netzes begonnen hat, ein Huawei-Handy im Angebot.

Im Vergleich mit ihren nach Verkaufszahlen übermächtigen Wettbewerbern von Samsung und Apple brauchen sich die Geräte nicht zu verstecken. Gerade bei der Akku-Lebensdauer schlagen sie den Wettbewerb um Längen. Bei durchschnittlichem Gebrauch muss ein Huawei-Smartphone erst nach zwei Tagen Betrieb an die Steckdose. So manchem iPhone oder Galaxy von Samsung geht bereits nach einem Tag die Puste aus. Die Chinesen entwickeln mit hohem Aufwand – fast die Hälfte der knapp 150.000 Mitarbeiter arbeiten in Forschung und Entwicklung – Schlüsselbauelemente wie Chips selbst. Beim Energiemanagement hängen sie die Konkurrenz ab. Hinzu kommt, dass Huawei stärkere Akkus in ihren Smartphones verbaut, auch wenn sie dadurch etwas dicker und schwerer werden als bei der Konkurrenz.

Huawei strebt Verdopplung des Marktanteils in Deutschland an

„Unserer Anspruch ist es, in jedem Preispunkt, das beste Handy anzubieten, ähnlich wie es VW bei Autos macht," sagt Lars-Christian Weisswange dem Wall Street Journal Deutschland. Der 38-Jährige ist für die Etablierung der Marke in Westeuropa verantwortlich.

Dabei kann Huawei bereits erste Erfolge aufweisen. Huawei-Smartphones hätten sich im vergangenen Jahr durchaus gut verkauft, etwa in den Filialen von Media Markt oder Saturn, bei Online-Händlern wie Amazon und beim Discounter Lidl, sagt Weisswange dem Wall Street Journal Deutschland. Lidl verkaufte ein Einsteiger-Smartphone für unter 100 Euro. Huaweis Marktanteil in Deutschland lag laut den Canalys-Daten im vierten Quartal bei 2,3 Prozent: Das entspricht etwa 133.160 Smartphones. Insgesamt gingen in Deutschland im Schlussquartal rund 5,8 Millionen Smartphones an die Händler.

Will Huawei aber auch teure Geräte an den Kunden bringen, braucht das Unternehmen die Mobilfunknetzbetreiber, die die Smartphones subventionieren oder per Ratenzahlung finanzieren. Weisswange gibt sich zuversichtlich: Mobilfunknetzbetreiber benötigten "eine gewisse Anlaufzeit", bis sich ein Hersteller im Portfolio behaupten könne. „Auf Dauer werden die Mobilfunknetzbetreiber an Huawei Smartphones nicht herum kommen."

Wenn Huawei in diesem Jahr zwei der vier in Deutschland tätigen Mobilnetzbetreiber gewinnen könnte, wäre das schon ein Erfolg, sagt Weisswange. Am liebsten wäre ihm ein großer, wie die Telekom und Vodafone, und ein kleiner, wie E-Plus oder O2. Eine Verdopplung des Marktanteils in Deutschland im laufenden Jahr auf 4 Prozent hält er „durchaus für möglich".

Immerhin, so erläutert der Huawei-Manager, der zuvor für den taiwanesischen Wettbewerber HTC gearbeitet hat, habe man in der Zusammenarbeit mit der zur Freenet AG gehörenden Marke mobilcom-debitel bereits erste Erfolge vorzuweisen. Dort wurde im vergangenen Sommer das Ascend P1 von Huawei ohne Vertragsbindung für 400 Euro angeboten. Im teuersten Vertrag ging es bereits ab 9,95 Euro über den Ladentisch. Genaue Verkaufszahlen mag freenet-Vorstandsvorsitzender Christoph Vilanek dem Wall Street Journal Deutschland nicht nennen, sagt aber, dass sie so erfolgreich waren, dass Deutschlands größter netzunabhängiger Anbieter von Mobilfunkdienstleistungen mit derzeit über 14 Millionen Kunden mittlerweile sieben verschiedene Smartphones von Huawei im Angebot hat. „Und es werden noch weitere dazu kommen," sagt Vilanek.

Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com

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