• The Wall Street Journal

Triumph für US-Airways-Chef Parker

    Von SUSAN CAREY, MIKE SPECTOR und DOUG CAMERON

Der Zusammenschluss der American-Airlines-Mutter AMR und US Airways ist der letzte Schritt im großen Umbau der amerikanischen Luftfahrtbranche. Schon seit Jahren hat der US-Airways-Chef Doug Parker vergeblich versucht, seine mittelgroße Fluglinie mit einer größeren zu vermählen. Jetzt hat er es endlich geschafft.

Reuters

Die American-Airline-Mutter AMR und US Airways fusionieren zur größten Fluggesellschaft der Welt.

In einem Interview haben die CEOs der beiden Unternehmen am Donnerstag die Fusion offiziell verkündet. Sie erwarten, dass alles gut läuft – blicken sie doch auf eine 25-jährige Freundschaft zurück, sagten sie. Wenn die Kartellbehörden und der Richter, der das Insolvenzverfahren gegen American Airlines leitet, ebenfalls ihre Zustimmung geben, entsteht die größte Fluggesellschaft der Welt nach Verkehrsaufkommen.

Die Aufsichtsräte beider Airline hatten am Mittwoch unabhängig voneinander ihre Zustimmung zu dem Zusammenschluss gegeben. Dabei erhalten die Gläubiger von AMR 72 Prozent des neu vereinten Unternehmens, die Anteilseigner von US Airways erhalten den Rest. Unter dem Strich soll das Unternehmen elf Milliarden US-Dollar wert sein. Bis 2015 wollen die beiden Fluggesellschaften durch die Fusion eine Milliarde Dollar einsparen.

Über ein Jahr lang machte Parker American Airlines den Hof, doch lange stellte sich AMR-Chef Tom Horton quer. Am Ende konnte Parker aber die Gläubiger der insolventen Airline überzeugen, dass durch eine Fusion ein stärkeres Unternehmen entstehen und für sie selbst mehr übrig bleiben würde, als AMR alleine im Insolvenzverfahren für sie herausschlagen könnte.

Parker wird Chef des neuen Unternehmens werden, während Horton seinen Vorstandsposten räumen muss und bis zum Frühjahr 2014 in den Verwaltungsrat zieht. Beide Männer sind heute 51 Jahre alt und begannen ihre Karrieren in der Luftfahrtbranche Mitte der Achtziger in der Finanzabteilung von American Airlines.

Horton verbrachte beinahe seine gesamte Karriere bei American und wurde erst am Tag der Insolvenzerklärung Ende 2011 zum Konzernchef. Seitdem hat er die Fluglinie neu geordnet, die Kosten gesenkt und seine Produkte verbessert. Ende Januar hat das Unternehmen außerdem eine Imagekampagne gestartet. Doch jetzt verliert er die Macht über die Zukunft seiner Airline.

In einem Interview vom vergangenen Sommer sagte Parker, der Kampf um American Airlines sei nicht gegen Horton persönlich gerichtet. „Es geht vielmehr um unterschiedliche Vorstellungen vom idealen Geschäftsmodell für American", sagte er.

Getty Images

Die CEOs von US Airways und AMR Doug Parker (links) und Thomas Horton gaben die Fusion am Donnerstag offiziell bekannt.

Im Unternehmen ist Parker als entspannter Manager bekannt, der bei den Halloween-Partys der Fluggesellschaft oft seine Possen treibt. Doch enge Vertraute beschreiben ihn als logischen Denker, der sich nicht vor Risiken fürchtet. 2005 hatte er bereits die Fusion von America West Airlines und US Airways eingefädelt, als letztere gerade ihr zweites Insolvenzverfahren abschloss. Es folgte eine Welle der Konsolidierung, bei der auch drei andere wichtige Fluglinien neue Partner fanden.

Unterschiedliche Kultur

Doch eine Fusion von American Airlines und US Airways ist weit schwieriger durchzuführen. American ist nach Verkehrsaufkommen fast doppelt so groß wie US Airways, soll jedoch dem Management der kleineren Fluglinie unterstellt werden. US Airways soll dazu in die Zentrale von AMR in Fort Worth (Texas) einziehen.

Die Kultur bei den beiden Airlines ist grundverschieden. US Airways, deren Zentrale bisher in Tempe (Arizona) lag, hat sich seit ihrer letzten Fusion von den finanziellen Problemen erholt. American Airlines, eine Fluglinie, die Jahrzehnte lang König der Lüfte war, ist schon seit Jahren in einer Abwärtsspirale gefangen und hatte 2001 zu einem ungünstigen Zeitpunkt Trans World Airlines übernommen.

Der erfahrene Restrukturierer Robert Miller, derzeit CEO des kriselnden Flugzeugbauers Hawker Beechcraft, glaubt, dass Parker in der Lage ist, die Hürden zu nehmen, „auch wenn die Leute in Texas und die in Arizona unterschiedlich ticken". Parker gehe so etwas nicht zum ersten Mal an und er sei eine innovative Führungskraft, sagt Miller.

Doch Fusionen können chaotisch sein, wie Parker nur zu gut weiß. 2006 erlebte US Airways einen Service-GAU, als die Buchungssysteme der beiden fusionierten Fluglinien zusammengelegt werden sollten.

Seit 2008 hat US Airways seinen Betrieb wieder auf Vordermann gebracht; seit drei Jahren ist die Airline profitabel. Allein 2012 sind die Aktien von US Airways um 166 Prozent gestiegen, so stark wie sonst keine 500 umsatzstärksten US-Unternehmen. „Ich bin sehr zufrieden mit unserer Leistung bei US Airways", sagte Parker vergangenes Jahr in einem Interview. „Wir hatten anfangs nicht die besten Karten auf der Hand."

Erst hatte AMR kein Interesse

Trotzdem wollte Parker einen neuen Partner finden, um ein solideres Unternehmen zu schaffen. Als Delta Air Lines 2006 in einem Insolvenzverfahren steckte, versuchte Parker vergeblich eine feindliche Übernahme des Konkurrenten. Zweimal bot sich Parker auch der Fluggesellschaft United an, die 2010 lieber zu Continental ging, um die United Continental Holdings zu gründen. Als diese Fusion verkündet wurde, sagte Continental-Chef Jeff Smisek, dass sich United „die hübsche Airline" ausgesucht habe, anstatt zu US Airways, „dem hässlichen Entlein", zu gehen.

Als AMR Insolvenz erklärte, erkannte Parker seine letzte Chance, um einen Deal abzuschließen, bevor US Airways womöglich ins Abseits gedrängt worden wäre. Im Januar 2012 hatte US Airways sein Interesse an American verkündet, Investmentbanker und Rechtsberater eingestellt und warb an der Wall Street für seinen Plan.

Erst hatte AMR kein Interesse. Bei einem Interview im März 2012 sagte Horton, er wolle lieber nach dem Verfahren einen Partner suchen. „Während einer Restrukturierung auch noch eine Fusion in Betracht zu ziehen, das wäre so, als liefe man einen Marathon mit einem Rucksack auf dem Rücken. So etwas macht man nicht", sagte er.

Doch Parker hatte die Rückendeckung der Gläubiger, die sich durch eine Fusion einen besseren Ausgang erhofften.

Gewerkschaften waren für eine Fusion

Auch die Gewerkschaften, die die Angestellten von American vertreten, waren für eine Fusion. Jahrelang mussten sie Tarifverhandlungen aufschieben und sogar hohe Gehaltskürzungen hinnehmen. Nun hoffen sie, dass sich unter dem neuen Management daran etwas ändert. Schon im vergangenen Frühjahr hatte US Airways Gespräche mit den drei wichtigsten Gewerkschaften angestoßen, um darüber zu verhandeln, wie es nach einer Fusion mit ihnen weitergehen würde. Im April sprachen die drei Gewerkschaften Parker ihre Unterstützung aus.

Im Mai gab American dem Druck der Gläubiger nach und begann, mit US Airways zu verhandeln. Im Juli erklärte Horton den Gläubigern, dass die Geschäftszahlen von American eine Fusion nahelegten.

Horton habe sich schließlich im Spätsommer überzeugen lassen, nachdem er den Plan von US Airways genau geprüft hatte, sagt Thomas Roberts, Partner im Bereich Fusionen und Übernahmen bei Weil, Gotshal & Manges, der Firma, die das Insolvenzverfahren von AMR verwaltet.

Im September gingen die Verhandlungen zwischen den beiden Fluglinien schon genauer ins Detail. Im November machte US Airways das zweite Angebot: Die Gläubiger von American sollten 70 Prozent des Unternehmens erhalten, die Anteilseigner von US Airways 30 Prozent, wenn Parker dafür Vorsitzender und Vorstandschef des Unternehmens würde.

„Meine ganze Karriere hat mich auf diesen Moment vorbereitet", sagte Parker dem Gläubigerkomitee.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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