• The Wall Street Journal

Bei der Commerzbank brennt es an allen Ecken

    Von MADELEINE NISSEN
dapd

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt.

Commerzbank -Chef Martin Blessing stimmt nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr auf weiterhin schwierige Zeiten ein. "Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang", sagte Blessing, der wegen der schwachen Zahlen auf seine Boni für 2012 verzichtet. Damit reagiert er auch auf den politischen Druck, der seit der Ankündigung der Bank, 6.000 Stellen zu streichen, massiv zugenommen hat.

Auch die Aktionäre müssen weiter Verzicht üben: Für 2012 gibt es weiterhin keine Dividende. Die Aktie ist nach wie vor nur noch einen Bruchteil dessen wert, was sie vor der Finanzkrise kostete.

Und Besserung scheint nicht in Sicht: Nachdem der Gewinn im vergangenen Jahr wegen Umbaukosten und Steuer-Abschreibungen eingebrochen war, rechnet die Bank auch für 2013 mit großen Belastungen. Allein für den Abbau von bis zu 6.000 Stellen erwartet das Institut im ersten Quartal Kosten in Höhe von einer halben Milliarde Euro. Entsprechend trübe schätzen Analysten die Gewinnaussichten für das laufende Jahr ein.

Wie schlecht die Commerzbank da steht, zeigt ein Blick in den Jahresabschluss. Operativ hat sich das Ergebnis in nahezu allen Sparten halbiert. Nur im Mittelstandsgeschäft und bei der polnischen Tochter läuft es noch rund.

Wegen außerordentlicher Belastungen von fast einer Milliarde Euro blieben 2012 nur sechs Millionen Euro Gewinn übrig geblieben - im Vergleich zu 638 Millionen Euro im Vorjahr. Trotz des Gewinneinbruchs kann der Steuerzahler erstmals seit der Dresdner-Übernahme mit einer Zinszahlung für das geliehene Kapital rechnen, da die Bank auch nach HGB einen Gewinn erzielt.

Der nur kleine Jahresgewinn ist das Resultat eines schwachen Schlussquartals. Die Commerzbank hatte bereits Anfang Februar mitgeteilt, im vierten Quartal mit rund 720 Millionen Euro überraschend tief in die Verlustzone geraten zu sein. Millionenabschreibungen auf die ukrainische Tochter Bank Forum, die die Commerzbank mit einem Verlust verkauft hatte, sowie Verlustvorträge verhagelten der Bank den Jahresschluss.

Das Institut kann nicht mehr davon ausgehen, die gemachten Verluste mit zukünftigen Gewinnen zu verrechnen. Aus einem einfachen Grund: Es fällt viel weniger Gewinn ab als ursprünglich geplant, da die Commerzbank viele Geschäftsfelder nicht mehr betreibt. Die Einnahmen der ukrainischen Tochter etwa fallen ebenso weg wie die aus der Schiffsfinanzierung, die die Commerzbank eingestellt hat. Auch das Geschäft mit der Staatsfinanzierung wickelt die Bank ab. Entsprechend stieg die Risikovorsorge auf knapp 1,7 Milliarden Euro im Vergleich zu 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Auch 2013 wird die Risikovorsorge weiter steigen, wenn auch nur leicht.

Rote Zahlen in der Retailbank erwartet

Zudem wirft auch das laufende Geschäft nicht mehr so viel ab wie erhofft. Selbst das traditionell gut laufende Geschäft mit dem Mittelstand wird sich wegen der Konjunkturabschwächung voraussichtlich verlangsamen. Die Retailbank wird im Zuge des Umbaus 2013 voraussichtlich rote Zahlen schreiben.

Auch die Online-Tochter kann den Abwärtstrend nicht stoppen. Das Online-Geschäft läuft zwar gut, ist aber zu klein, um den Negativtrend umzukehren: Das Segment Privatkunden verzeichnete 2012 sinkende Zins- und Provisionserträge aufgrund des niedrigeren Zinsniveaus und verringerter Kundenaktivitäten, vor allem im Wertpapiergeschäft. Das Operative Ergebnis halbierte sich gegenüber dem Vorjahr.

Nun läuft die Genesungskur der Commerzbank unter dem Motto: Abspecken, wo es nur geht. Frei machen will sich die teilverstaatlichte Bank auch von fremder Hilfe. Die Langfristkredite der Europäischen Zentralbank in Höhe von rund sechs Milliarden Euro will sie zum frühestmöglichen Zeitpunkt Ende Februar zurückzahlen. Zehn Milliarden Euro hat die Bank bereits im Januar zurückgezahlt. Unter Hochdruck baut sie auch ihre Risiken ab. Im vierten Quartal verringerte sie das Abbau-Portfolio um 9 Milliarden Euro auf 151 Milliarden Euro.

Kapitaldecke bleibt dünn

Die Kapitaldecke der Commerzbank ist nach wie vor dünn. Die Kernkapitalquote (Common-Equity-Tier-1) liegt bei voller Anwendung der verschärften Vorschriften nach Basel III per Ende Dezember bei 7,6 Prozent. Im Vergleich zu anderen Banken ist das unterdurchschnittlich.

Die Bank befindet sich seit der Übernahme der Dresdner Bank in einer Schieflage. Sie musste teilverstaatlicht werden und Tausende Stellen streichen. Auch die langfristig gemachten Prognosen konnte Vorstandschef Martin Blessing nicht erfüllen.

Blessing versucht nun, durch die Schließung von Filialen, die sich nicht mehr rechnen, das Ruder umzudrehen. Seine Strategie lautet: Mehr Online, weniger Präsenz. Damit reagiert er auf die Technisierung der Welt, in der auch Bankkunden lieber Online Geschäfte abwickeln als in eine Filiale zu gehen.

Mitarbeit: Ulrike Dauer

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

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