• The Wall Street Journal

Buffetts Elefantenjagd ist noch nicht vorbei

    Von ERIK HOLM
Agence France-Presse/Getty Images

Milliardär Warren Buffett hat sich am Donnerstag den Ketchup-Hersteller Heinz geschnappt.

Warren Buffett ist für seine lockere Leine berühmt, mit denen er die täglichen Geschäfte der Unternehmen in seinem Konglomerat Berkshire Hathaway führt. Dieses Prinzip wendet der legendäre Investor jetzt auch bei der Übernahme des Ketchup-Herstellers Heinz an. Die eigentliche Arbeit erledigt hier die brasilianische Private-Equity-Firma 3G Capital.

Das 23 Milliarden US-Dollar schwere Geschäft ist für Buffett in gewisser Hinsicht Neuland: In der Vergangenheit hat er sich bekannte Marken gesichert, ohne weitere Partner ins Boot zu holen. Mit seinen Barreserven von fast 50 Milliarden Dollar hätte Berkshire auch Heinz locker alleine übernehmen können, wie es bei anderen Akquisitionen wie dem Versicherer Geico, der Modemarke Fruit of the Loom oder den Dairy-Queen-Restaurants der Fall war.

Ein Blick in die Küche von Warren Buffett

Agence France-Presse/Getty Images

Stattdessen steuert die Investmentgesellschaft über 12 Milliarden Dollar in bar bei und erhält dafür die Hälfte der Aktien. Die Geschäfte soll aber 3G Capital führen. Buffett gibt also den Banker: Er stellt die Finanzierung bereit, wenn ein Unternehmen schnelles Geld benötigt.

Laut den bei den Aufsehern eingereichten Dokumenten erhält Berkshire 8 Milliarden Dollar in Vorzugsaktien, die 9 Prozent Zinsen abwerfen. Ähnlich lief das schon bei Goldman Sachs, General Electric, Bank of America und Harley-Davidson, die Buffett nach der Finanzkrise über Wasser hielt. „Berkshire finanziert eher die Übernahme durch 3G anstatt selbst die Kontrolle zu übernehmen", sagt Meyer Shields, Analyst bei Stifel Nicolaus.

„Eigentlich würde er lieber ein Unternehmen kaufen und es in Ruhe lassen", sagt Jeff Matthews. Der Berkshire-Aktionär hat mehrere Bücher über Buffett verfasst. 3G müsse irgendetwas Spezielles eingebracht haben: „In diesem Fall hat er eindeutig erkannt, dass Eins plus Eins manchmal mehr als nur Zwei sein kann", sagt Matthews.

3G, das unter anderem von dem Brasilianer Jorge Paulo Lemann gegründet wurde, ist mit Eisenbahnen, Banken, Brauereien und Fastfood-Restaurants zum Erfolg gekommen. Buffett und Lemann saßen früher einmal gemeinsam im Aufsichtsrat von Gillette. Geschäftspartner waren sie aber noch nie. Buffett „hätte diesen Deal nicht mit einem typischen Buyout-Unternehmen durchgeführt", sagt Hedgefonds-Manager Whitney Tilson von Kase Capital. „Die Manager, die er unterstützt, sind die besten operativen Manager der Welt, ohne Ausnahme."

Abgesehen von dem finanziellen Arrangement ist Heinz aber doch eine der Investitionen, die ganz nach dem Geschmack von Berkshire und Buffett sind. Buffett schätzt starke Marken und einfach zu verstehende Geschäftsmodelle. Heinz beherrscht laut Euromonitor International etwa 60 Prozent des amerikanischen Ketchupmarkts und 26 Prozent des Weltmarkts. „ Es ist eine tolle Marke und ergibt für Berkshire viel Sinn", sagt Berkshire-Aktionär und Vermögensverwalter Paul Lountzis. „Es ist berechenbar. Man kann 10 oder 20 Jahre vorausblicken und weiß genau, wie das Unternehmen dann aussieht. Ketchup bleibt Ketchup. Da wird sich nichts ändern."

Lountzis weist aber darauf hin, dass Berkshire nach dem Heinz-Deal immer noch viel Geld bleibt. Buffett halte also offenbar nach neuen Zielen Ausschau. Der 82-Jährige selbst nutzt gerne das Bild vom „Elefantengewehr", mit dem er in der Unternehmenswelt auf Jagd gehe. Und ihn „jucke der Finger am Abzug". Für Berkshire-Aktionär Lountzis ist der Fall klar: „Ich bin mir sicher, dass er immer noch nach dem Elefanten Ausschau hält."

—Mitarbeit: Serena Ng

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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