• The Wall Street Journal

Der Mann, der für Soros die Milliarden scheffelt

    Von GREGORY ZUCKERMAN

24 Milliarden US-Dollar von George Soros richtig anzulegen ist keine leichte Aufgabe. Aber bisher hat es Scott Bessent ganz gut geschafft, seinen Chef glücklich zu machen. Der 50-Jährige ist seit Oktober 2011 Investmentchef von Soros Fund Management. Soros hatte damals das Geld der externen Investoren zurückgegeben und seinen Hedgefonds in ein Familiengeschäft umgewandelt.

Die Rendite, die Bessent erwirtschaftet hat, ist zwar nicht überragend, kann sich aber durchaus sehen lassen. Im vergangenen Jahr waren es knapp 10 Prozent, was mehr ist als die meisten anderen Hedgefonds erzielt haben. Aber der Aktienmarkt ist besser gelaufen. In diesem Jahr liegt der Fonds laut Insidern rund 5 Prozent im Plus. Mit seiner extrem erfolgreichen Wette in Japan, mit der er einen Gewinn von mehr als 1,2 Milliarden Dollar eingefahren hat, hat Bessent enorm an Renommee gewonnen.

Patrick McMullan

Der Investment-Chef von Soros Fund Management, Scott Bessent.

Seine Wette gegen den Yen hat ihm in den vergangenen drei Monaten fast eine Milliarde Dollar eingebracht, sagen damit vertraute Personen. Weitere 200 Millionen Dollar machte der Fonds von Soros mit japanischen Aktien, die rund 10 Prozent des insgesamt 17 Milliarden Dollar großen internen Portfolios ausmachen, sagen der Firma nahestehende Personen. Der Rest des Geldes wird extern verwaltet. Wenn sich der Yen weiter abschwächt, dürften auch die Gewinne noch steigen. Aber natürlich gehen sie auch zurück, wenn der Yen wieder anziehen sollte.

Der Erfolg von Bessent kommt nach jahrelangen personellen Wechselbädern in der Firma. Einige seiner Vorgänger hatten erhebliche Schwierigkeiten, mit dem hohen Druck umzugehen, den die Arbeit für einen solch profilierten Investor erzeugt. Bessent ist bereits der fünfte Investment-Chef seit Mitte 2000.

„Scott hat definitiv keine Angst vor George."

„Es dauert eine Weile, bis George jemandem vertraut, und die meisten haben Angst vor ihm", sagt Buzz Burlock, der früher für Soros gearbeitet und später den Hedgefonds Origin Capital gegründet hat. „Scott hat definitiv keine Angst vor George."

Es gibt zwar viele Investoren, die die Herausforderung – und den Gehaltsscheck – lieben, die mit dem Management von zig Milliarden Dollar einhergeht. Aber nur wenige Top-Leute haben sich für den Chef-Posten bei Soros beworben, als Bessent übernahm. Denn die Erwartungen sind riesig, die Renditen beizubehalten, die früher Soros selbst über die Jahre erzielt hat. Es ist sehr schwer, mit so viel Geld außergewöhnliche Gewinne zu erwirtschaften – vor allem, wenn an der Wall Street jeder Schritt des profilierten Fonds genau verfolgt wird.

Während Soros für gewöhnlich um die Welt fliegt, um seinen wohltätigen und politischen Interessen nachzugehen, wendet er sich auch oft den Märkten zu und zeigt eine aufdringliche Präsenz in der Firma, sagen Leute, die mit ihm gearbeitet haben.

Bessent scheint in vielerlei Hinsicht besser als andere für diesen Job geeignet zu sein. Und er steht Soros' Sohn Robert sehr nahe, der als President ebenfalls in der Firma arbeitet. Bessent gilt als jemand, der auch dann an Investmentideen festhält, wenn sie denen von George Soros widersprechen.

Bessent auch bei Pfund-Wette in den 90ern involviert

Aufgewachsen im ländlichen South Carolina begann Bessent als Absolvent der Universität Yale zunächst als Wertpapier-Analyst und Optionshändler für eine saudische Familie. Später war er Praktikant bei Soros' Partner Jim Rogers und arbeitete als Händler für James Chanos, bevor er 1991 bei Soros Fund Management einstieg.

Reuters

Investorenlegende George Soros.

Acht Jahre lang leitete er das Büro in London und spielte mit seinem Mentor, dem damaligen Soros-Investment-Chef Stanley Druckenmiller, eine Schlüsselrolle bei der berühmten Riesen-Wette gegen das britische Pfund. Diese trieb damals Großbritannien aus dem Europäischen Währungssystem und brachte dem Fonds einen Gewinn von einer Milliarde Dollar ein. Von 1997 bis 2000 leitete Bessent das globale Research des Fonds und war Co-Chef bei der Auswahl externer Manager.

Nachdem er Soros verlassen hatte, war Bessent Seniorpartner bei Protege Partners und gründete später seine eigene Firma. Mit dieser sammelte er zwar eine Milliarde Dollar ein, aber anfängliche Verluste veranlassten ihn, das Geld wieder an die Anleger zurückzugeben – einer der wenigen Rückschläge in seiner Karriere.

Leute die Bessent kennen, beschreiben ihn als umsichtig, analytisch und „professoral". Er trägt lieber Sweatshirts und Khakihosen statt Anzügen und empfiehlt Kollegen gerne mal ein Buch, das er mag. Zudem lehrte er in Yale als Assistenzprofessor Geschichte des Finanzwesens.

Bessent liebt die großen Wetten, statt viele kleine

Als Investor neigt Bessent dazu, auf gute Gelegenheiten zu warten und eher große Wetten einzugehen, statt häufig zu handeln, sagen mit seinen Strategien vertrauten Personen. Auch bei Soros wollte er diese Strategie einführen, sagen ihm Nahestehende. Seinen Mitarbeitern sagte er, dass die Firma bereit sei, Verluste und Schwankungen auszuhalten, wenn es letztlich zu größeren Gewinnen führt.

Bessent, der in New York mit seinem Mann, einem früheren Bronx-Bezirksstaatsanwalt, und seinem Sohn lebt, ist aber der entscheidende Mann hinter dem Japan-Geschäft. Wie viele andere Investoren hat er lange versucht herauszubekommen, ab wann die japanische Währung abwerten würde. Dies schien unausweichlich zu sein, weil das Land von einem Leistungsbilanzüberschuss in ein Defizit hineinlief. Tatsächlich habe er schon seit einem Jahr erwogen, auf einen fallenden Yen zu setzen, sagen eingeweihte Personen.

Davon überzeugt, dass man hier Geld verdienen könnte, flog er Ende Oktober nach Japan. Dort fing Bessent Spekulationen auf, dass eine Neuwahl Politiker an die Macht bringen könnte, die die eigene Währung schwächen wollten, und er begann seine Wette aufzubauen. In den folgenden Wochen war er sich immer sicherer, dass die künftige japanische Regierung den Yen unter Druck setzen werde, um die jahrelange Deflation zu besiegen, und baute mit seinem Team die Short-Positionen auf den Yen immer weiter aus.

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