• The Wall Street Journal

Politische Börsen haben weiter Hochkonjunktur

    Von MANUEL PRIEGO-THIMMEL

Die Angst vor einem Währungskrieg macht die Runde. Die starke Abwertung des Yen in den vergangenen Monaten wird eines der Hauptthemen auf dem G-20-Gipfel am Wochenende in Moskau sein. Die Sorgen vor einem Abwertungswettlauf an den Devisenmärkten zur Verbesserung der eigenen Exportchancen dürften zwar überzogen sein. Aber die Debatte zeigt, dass die Politiker in einem Umfeld schwachen Wirtschaftswachstums mit Argusaugen darauf achten, dass sich kein Land unfaire Wettbewerbsvorteile zu sichern versucht. Die Anleger werden weiter vorsichtig agieren, auch mit Blick auf die anstehenden italienischen Parlamentswahlen sowie die drohenden Ausgabenkürzungen in den USA.

Bereits seit Tagen wiegeln die Verantwortlichen ab. Die G-7 hat im Vorfeld des G-20-Treffens klargestellt, dass sie am Prinzip der marktbasierten Wechselkursfindung festhalten wird. Zugleich haben die USA Verständnis für die aggressive Notenbankpolitik der neuen japanischen Regierung signalisiert, um das Land endlich aus den Fängen der Deflation zu befreien.

Konjunkturdaten und Debatte um Währungsmanipulation im Blick der Anleger.

Nach einem Währungskrieg wie in den 30er-Jahren klingt das nicht. Im September 1931 verließ Großbritannien den Goldstandard, was eine starke Abwertung des Pfund zur Folge hatte und einen Aufschwung der Industrieproduktion auslöste. Andere Länder sahen sich gezwungen, dem Beispiel der Briten zu folgen - bis 1936 hatten alle dem Gold abgeschworen.

Aber auch ohne Währungskrieg bleibt die Stimmung angespannt. Denn die extrem lockere Geldpolitik der US-Notenbank und nun auch der Bank of Japan hat unweigerlich eine Verwässerung und damit Abwertung der jeweiligen Währungen zur Folge. Bislang macht die EZB hier nicht mit, was den Euro zum unfreiwilligen Gewinner in diesem Spiel macht.

Potenziell steigender Euro hält den Deckel auf den Börsen

Das sind keine guten Nachrichten für die europäische Wirtschaft, die im vierten Quartal unerwartet wieder tiefer in die Rezession abgerutscht ist. Die meisten Analysten gehen zwar davon aus, dass sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten erholen wird. Ein weiter anziehender Euro könnte hier aber einen Strich durch die Rechnung machen.

Nicht auszuschließen, dass sich die EZB genötigt sieht, schon bald die Leitzinsen zu senken. Auf den wachsenden politischen Druck hat ihr Präsident Mario Draghi bislang nur mit verbalen Interventionen reagiert. Erfahrungsgemäß währt ein solcher Effekt aber nicht lange. Der Euro könnte die Aufwärtsbewegung gegen Yen und Dollar deshalb schon bald wieder aufnehmen.

Das deckelt das Aufwärtspotenzial an den europäischen Börsenplätze. Für Zurückhaltung unter Börsianern sorgen aber nicht nur die Unsicherheiten an den Devisenmärkten, sondern auch die italienischen Parlamentswahlen am 24. und 25. Februar sowie die drohenden Ausgabenkürzungen mit einem Volumen von 1,2 Billionen Dollar in den USA Anfang März.

In Italien fürchten die Anleger vor allem ein starkes Ergebnis der populistischen Kräfte - sei es nun die Wiederkehr von Silvio Berlusconi auf dem rechten Flügel oder den Eintritt in die Politik des Schauspielers Beppe Grillo am linken Ende des Spektrums. Eine Abkehr von der unter Übergangspremier Mario Monti eingeleiteten Reformpolitik käme an den Finanzmärkten ganz schlecht an.

Drohende Ausgabenkürzungen in den USA

Italien leidet seit Jahren unter steigenden Lohnstückkosten, was die Wettbewerbsfähigkeit des Landes belastet. Neue Verwerfungen an den italienischen Anleihemärkten wären zu erwarten und würden die Börsen unter Druck setzen - zumindest solange, bis sich die EZB zu massiven Interventionen gezwungen sähe.

Bislang wenig Beachtung bei den Anlegern finden die drohenden Ausgabenkürzungen in den USA. Noch zeichnet sich keine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern ab. Die Börsianer hoffen auf eine Einigung in letzter Minute, wie das auch bei der Umschiffung der Fiskalklippe zum Jahreswechsel der Fall gewesen ist. Die Societe Generale glaubt nicht mehr daran und geht davon aus, dass die Kürzungen im vollem Umfang in Kraft treten werden.

In seiner Rede an die Nation vor wenigen Tagen hatte Präsident Obama die Republikaner erneut aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Die Ironie liegt darin, dass die von beiden Parteien vereinbarten Kürzungen auf eine Initiative des Präsidenten während der Verhandlungen über die Anhebung der Schuldenobergrenze 2011 zurückzuführen sind", führen die Analysten aus. Die Mehrheit der Republikaner bestehe darauf, dass die ausgehandelten Ausgabenkürzungen nur durch Einsparungen an anderer Stelle ersetzt werden könnten. Den Aktienmärkten stehen ereignisreiche Wochen bevor.

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@dowjones.com

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