• The Wall Street Journal

Commerzbank-Finanzvorstand dämpft Hoffnung auf Gewinn 2013

    Von MADELEINE NISSEN

Die Commerzbank steht vor einem weiteren schwierigen Jahr. Nach einem verhaltenen Start dämpfte Finanzvorstand Stephan Engels im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland die Erwartungen für 2013. Belasten würden neben der leicht steigenden Risikovorsorge auch die Kosten für den Stellenabbau in Höhe von 500 Millionen Euro. Nachdem es im Vorjahr einen Mini-Gewinn gab, schließt Engels jetzt auch Verluste nicht aus.

Herr Engels, die Commerzbank ist 2012 nur hauchdünn an einem Verlust vorbeigeschrammt. Rechnen sie in diesem Jahr mit einem Gewinn?

Wir können zum jetzigen Zeitpunkt und wollen zum jetzigen Zeitpunkt keine Prognose für das Gesamtjahr geben. Wir gehen davon aus, dass aufgrund des niedrigen Zinsumfelds aber auch des Abbaus unseres Portfolios in NCA (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist das Abbausegment ‚Non Core Assets'), die Zinserträge weiter unter Druck bleiben werden. Wir gehen - vor allen Dingen deshalb, weil wir keine Risikoauflösungen mehr sehen werden – vermutlich von einer leicht höheren Risikovorsorge aus. Dazu kommt, dass wir dieses Jahr auch den Restrukturierungsaufwand von 500 Millionen [Euro] im ersten Quartal buchen werden. Da müssen wir nun gegen anarbeiten.

Reuters

Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels: Das Jahr ist "ok" losgegangen.

Was muss in diesem Jahr passieren, damit die Commerzbank schwarze Zahlen schreibt?

Dieses Jahr wird ganz klar unter dem Thema Umsetzung unserer Ziele für 2016 stehen. Da haben wir uns für 2013 insbesondere vorgenommen, die ersten Investitionen anlaufen zu lassen, sowohl im Privatkundengeschäft als auch in den anderen Segmenten. Wenn wir vom Markt die entsprechende Resonanz haben, dann haben wir hier die guten Voraussetzungen.

Sie fahren in sehr vielen Bereichen das Geschäft zurück. Wie wollen Sie da noch Geld verdienen?

Wir fahren das Geschäft vor allen Dingen im Bereich NCA zurück. Sonst sind wir, wie sich auch an den eindrucksvollen Neukundenzahlen im Bereich Privatkunden ablesen lässt, klar unterwegs, unsere Marktanteile wieder auszubauen.

Wie ist das Geschäft im Januar und Februar bislang gelaufen?

Nun, die Frage nach dem Januar ist ja immer etwas schwierig, weil Wetter und andere Dinge eine gewisse Rolle spielen. Insoweit ist fraglich, ob der Januar als Indikator wirklich dient. Aber wenn Sie mich schon fragen, würde ich sagen, es ist ganz ok losgegangen.

Die Commerzbank zahlt in diesem Jahr erstmals Zinsen an den Großaktionär Bund. Rechnen Sie auch für das nächste Jahr mit einer Überweisung nach Berlin?

Was die Bedienung des SoFFin angeht, so ist es in der Tat so, dass wir die Verzinsung des SoFFin für 2012 aus dem HGB-Ergebnis vornehmen können. Was das Jahr 2013 angeht, so haben wir uns ganz klar die Verzinsung der Stillen Einlage des Bundes ganz oben auf die Agenda geschrieben.

Wie lange wird die Commerzbank Ihrer Einschätzung nach teilverstaatlicht sein?

Das ist mehr im Bereich der Spekulationen und letztlich auch nicht meine Entscheidung. Teilverstaatlicht ist nicht ganz der richtige Begriff. Zum anderen ist es Sache der Shareholder über ihre Vermögenswerte zu entscheiden.

Haben Sie da schon Signale bekommen?

Nein.

Interview mit Stephan Engels - Finanzvorstand der Commerzbank.

Viele europäische Banken müssen derzeit hohe Summen für ihre Verwicklung in Manipulationen von Libor und Euribor zahlen. Können Sie für Ihr Haus Zinsmanipulationen weiterhin ausschließen?

Wir haben nach wie vor beim Thema Libor, wo wir ja ohnehin nicht dabei sind, gar keine Manipulationen. Beim Thema Euribor haben wir nach wie vor keine Beweise, dass an irgendeiner Stelle manipuliert worden wäre.

Wollen Sie trotz der Skandale weiterhin im Euribor-Panel bleiben?

Die Frage ist ja hier (...), ob wir beim Euribor bis jetzt überhaupt Manipulationen gesehen haben. Insoweit, glaube ich, ist das Wort Skandale für den Moment eher am Thema Libor festzumachen. Wir haben uns das sicherlich angeguckt. Wir haben auch alle Prozesse nochmal kritisch überprüft. Was den Euribor angeht, so sind wir für den Moment der Auffassung, dass wir dort drin bleiben.

Herr Engels, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Hippe Box aus Licht und Glas in Venice Beach

    Ein Haus aus Licht und Glas, nur einen Steinwurf von dem bunten Treiben auf der Promenade von Venice Beach entfernt, ist unser Haus der Woche. Von der Couch aus blickt man hier direkt in den blauen Himmel über dem Strand bei Los Angeles.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 10. April

    Eine Ostereier-Färbe-Maschine in Nordrhein-Westfalen, frisch gezimmerte Särge in Wien, gewalttätige Polizisten in den USA und Papp-Wahlkandidaten in Indien. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

  • [image]

    Die besten deutschen Aktien –
    und die größten Verlierer

    Die große Rally scheint es in diesem Jahr an den Aktienmärkten nicht zu geben. Der Dax etwa notiert nach den ersten drei Monaten 2014 nur wenig verändert. Umso wichtiger ist es deshalb, die richtigen Aktien herauszupicken. Wir zeigen die größten Gewinner und Verlierer aus Deutschland.

Erwähnte Unternehmen