• The Wall Street Journal

Asien-Anleger fürchten den Währungs-GAU

    Von PRABHA NATARAJAN

Ein schwächerer Yen wird die anderen asiatischen Währungen mit sich reißen, fürchten die Anleger. Sie bauen ihre Positionen in asiatische Währungen ab, unter anderem verkaufen sie den südkoreanischen Won und den taiwanesischen Dollar.

Die Anleger befürchten, dass die Zentralbanken der Region auf Japans geldpolitische Kampfansage reagieren, und ihre Währungen zu schwächen versuchen. Der Yen hat gegen den Dollar seit November rund 15 Prozent nachgegeben, Hauptgrund dafür ist der anhaltende Druck der japanischen Regierung unter Shinzo Abe auf die Notenbank. Sie soll mit aggressiven geldpolitischen Lockerungen helfen, das von Abe angestrebte Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen.

In ganz Asien liefern sich die Elektronik- und Automobilproduzenten ein Kopf-an-Kopf Rennen mit Japan. Der Export spielt eine große Rolle – um ihre Wirtschaft konkurrenzfähig zu halten, haben manche der asiatischen Länder bereits erste Maßnahmen ergriffen, um ihre Währungen vor einem Anstieg zu schützen.

Agence France-Presse/Getty Images

Investoren fürchten, dass Asiens Zentralbanken ihre Währungen schwächen - und ziehen Geld ab.

Eine schwächere Währung bedeutet, dass in dem Land produzierte Waren für Käufer in anderen Ländern billiger werden. Immer mehr Zentralbanken drückten ihre Sorge aus, um wie viel ihre Währung zum Yen aufgewertet hätten, sagt Tim Dingemans, Portfolio-Manager bei Adelante Asset Management. „Wir schätzen die Rhetorik als eine der ersten Maßnahmen der Zentralbanken ein."

Asiens Währungen auf Talfahrt

Dingemans hat seit Beginn des Jahres seine Won-Positionen abgebaut und deckt die südkoreanische Währung derzeit gar nicht mehr in seinem Portfolio ab. Durch Trader wie ihn hat die Stimmung am Markt seit Beginn des Jahres gedreht. Damals wetteten viele Fondsmanager, dass die Währungen der aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften anziehen dürften. Die Marktteilnehmer gingen davon aus, dass eine Erholung der chinesischen Wirtschaft Won, Yen und Co. stützen dürfte.

Und in der Tat haben viele dieser Währungen zu Beginn des Jahres zugelegt. Doch seitdem ging es abwärts. Seit Januar hat der Won ebenso wie der Taiwan-Dollar um 2 Prozent, der Singapur-Dollar um 1,1 Prozent gegen den Dollar abgewertet. Und die Talfahrt geht weiter: Der Dollar kostete am Donnerstag 1.085,52 Won, am Freitag notierte er bei 1.085,52 Won. Gegen den Yen haben diese Währungen seit Jahresbeginn jedoch alle 3 bis 6 Prozent aufgewertet – der Won seit 2012 sogar um mehr als 20 Prozent.

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Einige Investoren bewerten den Ausverkauf der asiatischen Währungen jedoch auch als billige Einkaufsmöglichkeit. Chinas Wirtschaft dürfte dieses Jahr schneller wachsen als im vergangene, sagt Alexander Nagel, Senior Fondsmanager bei Global Evolution.

Japans Bedeutung für die globale Exportwirtschaft habe abgenommen, und „Chinas Markt ist viel wichtiger", sagt er. Eine steigende Nachfrage der Chinesen nutze allen Exportnationen. Er hat in den vergangenen Wochen Won und indonesische Rupien gekauft.

Auch Aktien werden verkauft

Dennoch schränken die Investoren ihr Engagement in bestimmte asiatische Devisen ein, indem sie Aktien und Bonds in der jeweiligen Landeswährung verkaufen. Im Januar haben ausländische Anleger 1,9 Billionen Won (rund 1,3 Milliarden Euro) aus Südkoreas Aktienmarkt, sowie 900 Milliarden Won aus Won-Anleihen abgezogen. Laut der südkoreanischen Finanzaufsicht ist dies der größte gemeinsame Mittelabfluss seit Dezember 2011. Zum Vergleich: Im Dezember hatten Anleger noch 3,9 Billionen Won in Aktien und 1,95 Billionen Won in Anleihen angelegt. Seit Beginn dieses Jahres ist der südkoreanische Leitindex Kospi um 0,9 Prozent gefallen, während der japanische Nikkei um 8,8 Prozent zugelegt hat.

Südkoreas Exporteure haben bei einem schwachen japanischen Yen potenziell am meisten zu verlieren. Mehr als die Hälfte der Ausfuhren des Landes stehen in direkter Konkurrenz zu in Japan hergestellten Produkten – laut Internationalem Währungsfonds mehr als bei jeder anderen Nation.

So manche Händler gehen auch davon aus, dass die südkoreanische Währung dort bleiben wird, wo sie ist. Der Kurs bleibe flach, sagt Minsub Kim, Trader bei der Standard Chartered Bank, da Südkorea wahrscheinlich versuchen werde, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Deshalb habe er vor kurzem seine Einschätzung zum Won geändert. Zuvor ging er noch davon aus, dass der Won bis Mitte 2013 auf 1,015 klettern würde. Am 25. Januar hat Kim begonnen, die südkoreanische Währung zu verkaufen. An diesem Tag gab der Yen zum Dollar so viel nach wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Als dann Ende Januar der taiwanesische Dollar dem Kurs des Won folgte, sprach Kim seinen Kunden eine klare Empfehlung aus. Sie sollten sich bei weiteren Wetten auf diese Währungen derzeit besser zurückhalten.

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