• The Wall Street Journal

Unternehmen handeln immer billigere Kredite aus

    Von KATY BURNE

Es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt für Unternehmen, um sich Geld zu leihen. Anleger suchen verstärkt nach renditestarken Anleihen – für Unternehmen bedeutet das extrem niedrige Zinsen.

Am Leveraged-Loan-Markt, wo sich Unternehmen mit Ramschstatus bei Gruppen von Banken und anderen Kreditgebern Geld leihen, machen sich Firmen die niedrigen Renditen zunutze, um ihre Zinslast zu reduzieren. Allein in diesem Jahr haben 80 Firmen mit schlechter Bonität, darunter auch die Neiman Marcus Group und Weather Channel, erfolgreich ihre Zinssätze für Kredite über insgesamt 75,3 Milliarden US-Dollar neu verhandelt, berichtet S&P Capital IQ Leveraged Commentary & Data.

Unternehmen wie der amerikanische Kosmetikhersteller Revlon (mitte) verhandeln über günstigere Zinssätze für Kredite.

„Diese Welle an Preiskorrekturen am Kreditmarkt ist beispiellos", sagt Trey Parker, ein Portfoliomanager, der bei Highland Capital Management 13 Milliarden Dollar an Leveraged-Loan-Papieren verwaltet.

Die Zinsen neu zu verhandeln ist der schnellste Weg für Unternehmen, von Marktveränderungen zu profitieren. Investoren können in dem Fall den neuen Zinssatz akzeptieren, oder sie werden von anderen Geldgebern ersetzt, die sich auf weniger vorteilhafte Zinsen einlassen.

Die Zinsen neu zu verhandeln ist billiger und schneller, als einen Kredit zurückzuzahlen und einen neuen Kredit zu anderen Bedingungen abzuschließen. Der Schuldner hat jederzeit das Recht dazu, einen anderen Zinssatz zu fordern, und da so viele Investoren ihr Kapital anbieten, haben die Kreditnehmer bisher dabei kein Problem gehabt. Doch das ändert sich gerade.

Einige Firmen stoßen auf Widerstand

Kürzlich sind einige Unternehmen auf Widerstand gestoßen, als sie die Bedingungen ihrer Kredite ändern wollten. Analysten und Investoren halten das für ein Anzeichen dafür, dass der Trend der Zinsneuverhandlungen seinem Ende naht.

Die Firma DuPont Performance Coatings, die am 1. Februar von der Carlyle Group aufgekauft wurde, blieb diese Woche erfolglos, als sie die Zinsen auf einen 2,3 Milliarden Dollar großen Kredit neu verhandeln wollte. Ein Grund: Die Investoren hatten gerade erst vor einem Monat den ursprünglichen Vertrag abgeschlossen, berichten Anleger, die mit dem Vorgehen vertraut sind.

Der Vitaminhersteller NBTY sagte am Montag seine Pläne ab, die Zinsen auf einen 1,5 Milliarden Dollar hohen Kredit neu zu verhandeln. Michael Collins, Finanzchef bei NBTY, sagt, es sei kein ausreichend attraktiver Zinssatz in Sicht gewesen.

Einige Investoren haben sich auch geweigert, die aggressiven Neuverhandlungen zu akzeptieren. „Es hat höchste Priorität für uns, die Welle der Zinsverhandlungen aufzuhalten. Die Investoren haben diese zumindest etwas abgeschwächt", sagt Jeff Bakalar, der für ING Investment Management zehn Milliarden Dollar an Leveraged Loans verwaltet.

Einsparungen in Millionenhöhe

Doch vielen Investoren blieb keine Wahl, da die Konkurrenz, die die weniger vorteilhaften Konditionen sofort angenommen hätte, zu groß war. Verglichen mit anderen Arten von Anleihen wie Treasurys und Unternehmensanleihen bieten diese Papiere attraktive Renditen. Renditen auf Ramschanleihen fielen jüngst unter sechs Prozent – das niedrigste Niveau aller Zeiten.

1,2 Milliarden Dollar flossen in der Woche bis zum 6. Februar in Anlage- und Indexfonds, die in Leveraged Loans investieren. Laut dem Fondsanalysedienst Lipper ist das der größte Zufluss seit 1992, als die Firma anfing, diese Daten zu sammeln.

Die amerikanische Kaufhauskette Neiman Marcus verhandelte am 8. Februar erfolgreich den Zins für einen Kredit über 2,56 Milliarden Dollar neu. Dadurch spare das Unternehmen jährlich 19 Millionen Dollar, sagt Eric Artho, Vizefinanzchef des Unternehmens. „Ich glaube, wir sind noch zum optimalen Zeitpunkt eingestiegen", sagt er.

Sage Products, ein Hersteller medizinischer Produkte, hofft auf Einsparungen von 3,8 Millionen Dollar pro Jahr durch einen 0,75 Prozentpunkte niedrigeren Zinssatz auf einen Kredit von 380 Millionen Dollar. Durchschnittlich konnten Unternehmen in den vergangenen Wochen ihre Zinssätze um 1,13 Prozentpunkte senken. Auch Revlon und MGM Resorts International verhandeln derzeit über eine Zinssenkung von 0,5 Prozentpunkten.

Die meisten Unternehmen, die niedrigere Kreditkosten aushandeln konnten, konnten starke Geschäftszahlen vorweisen, seit sie ihre Kredite aufgenommen hatten, sagt Jason Rosiak, Leiter des Portfoliomanagements bei Pacific Asset Management, einer Tochtergesellschaft der Pacific Life Insurance. Rosiak verwaltet 3,2 Milliarden Dollar an festverzinslichen Anlagen.

Rosiak sagt, es sei ein ermutigendes Zeichen für Anleger, dass andere Unternehmen mit weniger soliden Geschäftszahlen keine Zinssenkungen aushandeln könnten. „Es ist befriedigend, dass gelassene Entscheidungen getroffen werden", sagt er.

—Mitarbeit: Matt Wirz

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 30. Juli

    Viel Wasser in Los Angeles, viel Sonne über Hongkong, bunte Hindu-Pilger in Indien, eine zerstörte Schule im Gazastreifen und Männerbeine in Glasgow: Das und noch mehr steckt heute in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städte die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.

Erwähnte Unternehmen