• The Wall Street Journal

Ein Porsche zum Mieten

    Von SCOTT MCCARTNEY

Erste-Klasse-Flüge und Luxushotels sind Schnee von gestern – wer wirklich mit Stil reisen will, sollte einen Ferrari oder einen Bentley mieten.

Mietwagen der Oberklasse werden immer beliebter. Der größte amerikanische Autovermieter Enterprise, der sich bisher vor allem auf günstige Modelle konzentriert hat, hat gerade seine „Exotic Car Collection" auf insgesamt 13 Städte ausgeweitet. Der zweitgrößte Autovermieter Hertz berichtet, dass sein Umsatz mit gemieteten Luxusautos zwischen 2011 und 2012 um 15 Prozent gewachsen ist.

Michal Czerwonka for The Wall Street Journal

Mietwagen der Oberklasse gibt es in den USA in immer mehr Städten.

Vergangenen Monat hat eine Start-up-Firma namens Silvercar angefangen, am texanischen Flughafen Dallas Fort Worth ausschließlich silberne Audi A4 zu vermieten, und das schon ab 55 US-Dollar pro Tag.

Der Marketing-Manager Travis Scoggin aus Austin (Texas) hat Silvercar Mitte Januar zum ersten Mal ausprobiert, als er für eine Geschäftsreise nach Dallas flog. Es habe Spaß gemacht, den Luxus-Audi zu fahren, und es sei einfach gewesen, sein iPhone mit dem Auto zu verbinden. Dadurch konnte er im Auto seine eigene Musik hören und über die Lautsprecher Navigationshilfe vom digitalen iPhone-Assistenten Siri erhalten.

„Wenn man sich auf ein wichtiges Meeting vorbereitet, will man gut aussehen und sich gut fühlen. Das Auto hat dabei geholfen", sagt Scoggin.

Laut Steve Short von Enterprise locken exotische Autos ganz unterschiedliche Kunden an. Zu den Mietern gehören Versicherungsfirmen und Autohändler, die ihren Kunden einen Übergangswagen bereitstellen wollen, sowie Filmstudios, die für einen Dreh ein besonderes Auto suchen. Einige Reisende nutzen die Autovermietung, um eine Probefahrt in einem Wagen zu machen, den sie womöglich kaufen wollen. Und wieder andere wollen einfach auch auf Reisen den Wagen fahren, den sie von zu Hause kennen.

Selbst Kunden, die sonst das günstigste Modell mieten, geben für einen Geburtstag auch mal mehr aus. Andere wollen einen Kunden, eine Freundin oder alte Mitschüler beim Klassentreffen beeindrucken.

In einigen Städten bietet Hertz seinen Kunden jetzt auch den Porsche Panamera an. „Wir haben einige Oberklasse-Mercedes und Panameras ins Programm geholt und gemerkt, dass diese sehr beliebt sind", sagt Sprecher Richard Broome. Bei Hertz können Kunden spezielle Premium-Modelle reservieren, anstatt den Wagen zu erhalten, der in einer Preiskategorie noch verfügbar ist.

Luxusautos kosten am Tag meist zwischen 100 und 1000 Dollar. Ein Mercedes GL450, ein SUV mit Platz für bis zu sieben Personen, kostet bei Hertz durchschnittlich 170 Dollar am Tag. Für den Porsche Panamera werden etwa 340 Dollar fällig.

Da exklusive Autos nicht so oft gemietet werden wie Mittelklassewagen können Reisende oft Rabattangebote im Internet finden. Sixt bietet zum Beispiel am Flughafen von Seattle eine Mercedes C-Klasse für 50 Dollar am Tag an.

Enterprise bietet seit einem Jahr auch am Flughafen von Los Angeles exotische Autos an. Alle Kunden, die aus dem Shuttle-Bus aussteigen, kommen an den großen Türen zum Ausstellungsraum vorbei. Einige schauen sich dort um und entscheiden sich für ein Upgrade. „Ich glaube, vielen Leuten ist nicht klar, dass man solche Autos mieten kann", sagt Adam Belsky, Sales- und Marketing-Manager bei Enterprise.

Der teuerste Wagen ist ein Bentley GTC

Der teuerste Wagen dort ist ein 250.000 Dollar teurer Bentley GTC, der für 800 bis 900 Dollar am Tag vermietet wird. Das beliebteste Modell ist jedoch ein Range Rover Sport, der beim Autohändler ab 61.500 Dollar und bei Enterprise für 250 bis 300 Dollar am Tag zu haben ist.

Belsky sucht die Luxusautos für die Regionen Südkalifornien und Las Vegas selbst aus. Seine Anforderungen: Es muss immer ein Automatikgetriebe sein, außerdem sind dunkle Farben wichtig und auch besondere Reifen und Technologien sind ein Plus. Nach zwölf bis 18 Monaten oder wenn ein Wagen gut 40.000 Kilometer gelaufen ist, wird er wieder verkauft.

Ein Luxusauto zu mieten ist oft schwieriger, als an einen einfachen Mittelklassewagen zu kommen. Enterprise fragt bei Versicherungsfirmen an, ob die Autoversicherung des Kunden auf den Mietwagen übertragbar ist. Außerdem müssen Kunden oft ein Pfand von 1000 bis 2000 Dollar hinterlegen. Das Pfand für das Bentley-Kabrio beträgt sogar 10.000 Dollar.

Silvercar fand, dass viele Kunden bei einer Autovermietung nicht das Modell finden können, das sie selbst zu Hause in ihrer Garage haben. Der Audi A4 spreche luxusbewusste Kunden eher an. „Geschäftsreisende, die zu Hause ein teures Auto haben und über 100.000 Dollar im Jahr verdienen, wollen auch auf Reisen ein schönes Auto fahren", sagt der Vorsitzende Bill Diffenderffer.

Er glaubt, dass der Markt für Luxusmietautos sich an anderen Teilen der Reisebranche orientieren sollte. „Bei Hotels haben sich verschiedene Segmente gebildet, bei Airlines auch. Nur bei Autovermietungen tut sich noch nichts", sagt Diffenderffer.

Einstellungen sollen für die nächste Fahrt gespeichert werden

Der Audi A4 wurde unter anderem gewählt, weil er kompatibel ist mit der speziell für Silvercar entwickelten Software. Mit einer Silvercar-App für Smartphones kann ein Kunde auf dem Parkplatz einfach den QR-Code eines Autos scannen, das er mieten will. Wenn die Reservierung bestätigt wird, entsperrt sich das Auto von alleine. Die Schlüssel stecken schon – der Kunde kann einfach losfahren, ohne sich noch einmal in der Autovermietung anzustellen.

Wenn das Auto bei Silvercar wieder eintrifft, übermittelt es automatisch die Uhrzeit und die Distanz, die der Mieter gefahren ist, den Benzinverbrauch sowie die Mautgebühren, die der Fahrer unterwegs zahlen musste. Wenige Minuten später erhält der Kunde per E-Mail eine Quittung. Die Idee war, mit dieser Technologie Wartezeiten zu vermeiden und dem Kunden zu ermöglichen, einfach einzusteigen und loszufahren, sagt Silvercar-Chef Luke Schneider.

„In Zukunft sollen auch die Sitzposition, die Musikeinstellungen und die Temperatur im Wagen in einem persönlichen Kundenprofil gespeichert werden und dann immer wieder in dem Auto übernommen werden, das ein Kunde mietet", sagt Schneider.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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