• The Wall Street Journal

Schäuble: Deutschland bei G-20 mit Sparzielen nicht isoliert

    Von COSTAS PARIS, PAUL HANNON und HARRIET TORRY

MOSKAU--Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wehrt sich gegen den Eindruck, Deutschland sei mit seinem Schwerpunkt auf Sparziele unter den G-20-Staaten isoliert. Er wertete die G-20-Erklärung als "klares Bekenntnis" zu früheren Vereinbarungen zum Schuldenabbau. Die Aussagen im Vorfeld, Deutschland stünde vollkommen allein da und alle seien gegen Deutschland, seien ganz und gar nicht zutreffend, sagte Schäuble gegenüber Journalisten nach dem Treffen der Finanzminister und Zentralbankchefs aus den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G-20) in Moskau.

dapd

Finanzminister Wolfgang Schäuble (mitte) mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann und OECD-Generalsekretär Angel Gurria beim G-20-Treffen in Moskau.

Der Finanzminister wies außerdem darauf hin, dass sich die G-20-Staaten geschlossen gegen einen Abwertungswettlauf der nationalen Währungen ausgesprochen hätten. Alle wüssten, dass die Wechselkurse auf dem Markt festgelegt werden müssten, so Schäuble. Sie seien kein Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern, sagte der CDU-Politiker. Deutschland habe die Wechselkursdebatte nicht begonnen und sehe auch keinen Anlass dafür, fügte er hinzu.

Die G-20-Staaten versuchten in ihrer Abschlusserklärung, die Wogen angesichts des Streits um die Entwicklung der Wechselkurse zu glätten. Man habe sich dazu bekannt, vom Abwerten der Währungen zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen abzusehen. Geldpolitik solle einzig auf Preisstabilität und Wachstum abzielen.

Sie scheiterten allerdings damit, sich auf neue Ziele zum Defizitabbau zu einigen. Mehrere Vertreter der Länder hatten im Vorfeld gefordert, die 2010 festgelegte Deadline zu verlängern, wonach die G-20-Mitgliedsstaaten ihre Defizite bis 2013 zumindest halbieren und ihre Verschuldung bis 2016 stabilisieren oder zurückfahren sollen. Stattdessen haben die Regierungen nun die Freiheit, ihre eigenen Ziele dem Zustand ihrer Volkswirtschaften entsprechend selbst festzulegen.

In ihrer Erklärung bekannten sich die G-20 Länder zu einer Mitschuld an dem "zu schwachen" wirtschaftlichen Wachstum. Unternehmen und Verbraucher seien verunsichert, weil nicht klar gewesen sei, wie die Länder ihre Probleme angehen würden.

Vor dem G-20-Gipfel hatte der Streit um die Entwicklung der Wechselkurse angesichts der wirtschaftlichen Stimulierungsmaßnahmen vieler Länder hohe Wellen geschlagen. Einige Schwellenländer waren der Ansicht, dass Industrieländer mit ihrer lockeren Geldpolitik ihre Währungen schwächen, was die Kapitalströme stärker in die Schwellenländer lenkt. Das verstärke den Aufwärtsdruck auf die Schwellenlandwährungen, was deren Exporte verteuert und sie damit weniger wettbewerbsfähig macht.

Die höher entwickelten Volkswirtschaften halten dagegen. Einige Länder wie China lassen ihre Wechselkurse nicht auf ein Marktniveau zulegen, was wiederum den Druck auf solche Schwellenländer erhöht, deren Wechselkurse den Marktkräften ausgesetzt sind. Vertreter aus Lateinamerika, Europa und Asien hatten in den letzten Monaten angedeutet, dass sie möglicherweise versuchen würden, ihre Währungen abzuschwächen. Daraufhin warnten einige Ökonomen, dass der ohnehin schon flauen Weltwirtschaft eine Reihe von Währungsabwertungen drohen könnte.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 23. April

    Bayern-Fans in Madrid, kleine Toreros in der Arena von Sevilla, eine kalte Dusche auf den Philippinen und ein Hoffnungsschimmer für Griechenland. Das und noch viel mehr steckt heute in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig - aber auch als lukrativ. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer mit limitierten Editionen und protzigen Modellen, die Käufer zu umgarnen. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.