• The Wall Street Journal

Chinas Schattenbanken schüren Angst vor Schuldenblase

    Von LINGLING WEI und BOB DAVIS

PEKING--In einem 52-stöckigen Büroturm im Pekinger Diplomatenviertel sind hoch über den Baumwipfeln rund 400 Mitarbeiter von Citic Trust hoch konzentriert bei der Arbeit. Sie fädeln Finanzierungspläne für Grundstücksentwickler, Stahlwerke und andere Firmen ein, die unbedingt Geld brauchen, aber von den traditionellen chinesischen Banken gemieden werden.

Die Kreditanbieter von Citic und anderen Instituten, aus denen sich die chinesischen "Schattenbanken" zusammensetzen, haben in China ein System geschaffen, das der Kultur der Wall Street vielleicht noch am nächsten kommt. Zu ihnen zählt ein Sammelsurium an Trustgesellschaften, Versicherungen, Leasingfirmen, Pfandleihern und anderen informellen Geldgebern, die den strengen Blicken der Branchenaufseher nur begrenzt ausgesetzt sind. Sie gehen Risiken ein, vor denen traditionelle Banken zurückscheuen. Sie legen Investmentfonds für erstklassige Spirituosen oder Mahagonimöbel auf. Ihre Oberbosse fahren Luxusautos und sind Stammgäste in teuren Clubs.

Lingling Wei/The Wall Street Journal

Ein leerer Dock des Stahlherstellers Yichang Three Gorges Quantong, der in der Krise steckt.

Doch in China verdichtet sich die Sorge, dass die sich abschwächende Wirtschaft des Landes eine Schuldenkrise auslösen könnte. Und die Bedenkenträger richten ihr Hauptaugenmerk dabei nun immer kritischer auf das chinesische Schattenbankensystem.

Die chinesische Regierung ist denn in den vergangenen Tagen auch dazu übergegangen, der zügellosen Kreditvergabe einen Riegel vorzuschieben. Die Zentralbank des Landes signalisierte am Montag, gegen das außer Kontrolle geratene Kreditwachstum vorgehen zu wollen. Daraufhin sackten die chinesischen Aktienmärkte ein und verbuchten den größten Tagesverlust seit fast vier Jahren. Die Talfahrt setzte sich am Dienstag zunächst fort. Im späten Handel ging es in Schanghai dann allerdings steil nach oben. Hintergrund waren Spekulationen über mögliche Aussagen der Zentralbank. Tatsächlich äußerte sich dereb Vize-Direktor, Ling Tao, nach Börsenschluss: Die "Liquiditätsrisiken im Interbankenmarkt seien weitgehend unter Kontrolle" und der "Anstieg der Zinsen auf dem Geldmarkt nur temporär".

Volkswirte beäugen die Schattenbanken kritisch

Anfang des Monats hatten die Zentralbanker die Finanzierungen am chinesischen Interbankenmarkt eingeschränkt, auf dem sich die Banken untereinander und an einige große Schattenakteure Geld ausleihen. Die Interbankensätze, die sich gewöhnlich im Bereich von zwei bis drei Prozent bewegen, schossen daraufhin kurzzeitig auf bis zu 25 Prozent nach oben. Am Montag hatten sie sich bei 6,64 Prozent eingependelt.

Wie die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag ausführte, habe die Notenbank den Liquiditätsengpass herbeigeführt, um die ungezügelten Aktivitäten der Schattenfinanziers zu bändigen. Dies ließe darauf schließen, dass der geldpolitische Kurs der Währungshüter nicht mehr länger hauptsächlich auf "Quantität", sondern vielmehr auf "Qualität" abziele. Laut Xinhua ist "eine Menge heißen Geldes auf der Suche nach spekulativen Investitionen im Markt. Und die private Kreditvergabe ist immer noch weit verbreitet".

Am Montag gab dann die chinesische Zentralbank, die bisher zu der Finanzierungsklemme geschwiegen hatte, selbst eine Erklärung heraus: "Sämtliche Finanzinstitute müssen ihre Liquiditätssteuerung weiter stärken, um die Stabilität im monetären Umfeld zu fördern."

Die Mitteilung trug indessen wenig dazu bei, die Strategie und die Bedenken der Notenbank genauer zu entschlüsseln oder die Investoren zu beruhigen. Chinesische Aktien gaben um 5,3 Prozent nach, die größten Verluste erlitten dabei Banktitel.

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Volkswirte innerhalb und außerhalb Chinas beäugen die Schattenbanken des Landes kritisch. Sie befürchten, dass das Gebaren dieser Kapitalgeber Risiken Tür und Tor öffnet, die an den amerikanischen Subprime-Hypotheken-Boom erinnern, dessen Implosion schließlich die Finanzkrise auslöste. Sie könnten, so lauten die Bedenken, Projekte finanziell unterstützen, die sich möglicherweise nicht auszahlen. Sie würden zudem den Investoren gegenüber nicht vollständig offenlegen, worum es bei den Finanzierungen überhaupt geht. Und sie schienen zudem den Banken die Möglichkeit einzuräumen, sich problematischer Kredite zu entledigen - ohne dass dies auch wirklich der Fall sei.

Die Zentralbank habe sich jetzt zum Handeln veranlasst gefühlt, um zu verhindern, dass die finanziellen Probleme außer Kontrolle geraten, meint Charlene Chu, leitende Direktorin der Ratingagentur Fitch in Peking. "Je größer das Problem wird, desto schwieriger ist es in den Griff zu bekommen."

Chinesische Traditionsbanken sind meist in Staatsbesitz

Die Kreditanbieter im Halbdunkel beziehen ihr Geld zum einen über Ausleihungen bei den regulären Banken. Sie beschaffen es sich aber auch bei wohlhabenden Privatpersonen, die auf der Suche nach höheren Renditen sind, als sie zu erzielen sind, wenn sie ihr Geld auf die Bank tragen. Da aber die herkömmlichen Kreditinstitute jetzt Mühe dabei haben, für sich selbst Mittel aufzutreiben, bleibt weniger für die Weitergabe an die Schattenbanken übrig. Und außerdem könnte der Kreditengpass Zweifel darüber bei den Anlegern schüren, ob sie ihr Geld wirklich Instituten anvertrauen sollen, die in dem Ruf stehen, nicht so sicher wie Banken zu sein.

Anders als die meisten Geldinstitute in den USA und Europa sind chinesische Traditionsbanken in Staatsbesitz. Kredite vergeben sie vorwiegend an große Staatsunternehmen. Viele potenzielle Darlehensnehmer haben daher das Nachsehen. Die Einlagenzinsen werden von der Regierung festgesetzt, wobei ein Wettbewerb nur in sehr geringem Umfang gestattet ist. Oft zahlen die Banken Zinsen, die unter der Inflationsrate liegen. Die Einleger wiederum würden natürlich gerne höhere Renditen erzielen.

Und hier kommen dann die Schattenbanken ins Spiel. In einem typischen Szenario erhält der Kreditnehmer, der Mittel für ein Stahlwerk, ein Straßenbauprojekt oder ein anderes Vorhaben benötigt, einen kurzfristigen Kredit, der mit einem hohen Zinssatz versehen ist. Die Schattenfinanziers verpacken dann diesen Kredit, alleine oder zusammen mit anderen, in ein Investmentprodukt, das sie an Anleger verkaufen können. Dabei stellen sie eine hohe Verzinsung in Aussicht, die durch die Kreditzahlungen finanziert wird.

Kein anderer Bereich im chinesischen Finanzsektor wächst so schnell wie das Schattenbankwesen. Seit Jahren schon nutzt die Regierung in Peking dieses Feld, um vom Markt diktierte Kreditvergabepraktiken auszuprobieren, die den Traditionsbanken offiziell nicht gestattet sind.

Schattenbanken werden nicht so streng überwacht

Zwischen 2010 und 2012 schränkten die etablierten Banken ihre Kreditvergabe ein. Gleichzeitig verdoppelten ihre Kollegen auf der Schattenseite aber das Volumen ihrer ausstehenden Kredite auf 36 Billionen Yuan oder umgerechnet 4,4 Billionen Euro. Das entspricht rund 69 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts, schätzt J.P. Morgan Chase .

Bei den so genannten Trustgesellschaften, einer tragenden Säule des Schattenreichs, wurde das verwaltete Vermögen fast verdreifacht und erreichte 8,7 Billionen Yuan. Die Trust-Branche avancierte in China damit zum zweitgrößten Finanzdienstleistungssektor nach den Banken.

Schattenbanken werden nicht so streng überwacht wie reguläre Banken. Sie sind häufig auch nicht allzu mitteilsam, wenn es darum geht, in welche Vorhaben sie investieren oder wie sich ihre Kredite entwickeln. Sie stürzen sich bisweilen in hochspekulative Grundstücksentwicklungen und Infrastrukturprojekte, die bei den alteingesessenen Kreditinstituten abblitzen würden.

Wie viele Schattenkredite in Zahlungsverzug geraten sind, lasse sich nicht genau sagen, berichten Analysten und Volkswirte. Bis jetzt haben Investoren bei Krediten von Trustgesellschaften noch keine tatsächlichen Verluste hinnehmen müssen, weil angeschlagene Kreditnehmer in der Regel von der Regierung aufgefangen wurden. Mit diesen Rettungsaktionen manövriert sich die Regierung allerdings in die missliche Lage, umfassendere Verluste schultern zu müssen, wenn sich die Ausfälle häufen - was immer stärker zu befürchten steht, je mehr sich die Konjunktur in China verlangsamt.

Die ersten Schattenbanken formierten sich in den 80er Jahren

Auf jeden Fall reiche es schon, so argumentieren einige Volkswirte, dass Schattenfinanziers dazu beitrügen, Fabriken in Branchen mit Überkapazitäten künstlich am Leben zu halten. Und außerdem förderten sie mit ihren Engagements unnötige Immobilien- und Infrastrukturprojekte - und setzten dann darauf, dass die Regierung schon sicher stellen wird, dass sie ihr Geld auch wiedersehen.

"Die Hauptsorge ist, dass in einem Abschwung plötzlich versteckte Schulden aus der Versenkung auftauchen und in den öffentlichen Bilanzen landen, die letztendlich zu einem Problem führen", das die Regierung auffangen muss, sagt der Ökonom der Harvard University, Kenneth Rogoff, der früher als Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds arbeitete.

Allerdings gehen nur wenige Volkswirte davon aus, dass eine Finanzkrise in China unmittelbar bevorsteht. Denn zum einen habe das Land eine hohe Sparquote vorzuweisen, die dazu führe, dass chinesische Banken bestens mit Liquidität ausgestattet seien. Und zum anderen sei die Zentralregierung in der Lage, auf umfangreiche Reserven zurückzugreifen, um Notlagen zu bewältigen.

Sollten jedoch die Vertreter der Schattenseite Störsignale aussenden, dann könnte sich dies auch negativ auf andere Bereiche der Kreditvergabe auswirken, oder die Regierung dazu zwingen, die Kredite auf sonstige Weise zu verknappen. Dies könnte die chinesische Wirtschaft zusätzlich ausbremsen. Einige Volkswirte gehen mittlerweile schon davon aus, dass das chinesische Wachstum in diesem Jahr hinter dem Regierungsziel von 7,5 Prozent auf Jahresbasis zurückbleiben wird, nachdem zuvor in 15 Jahren in Folge das Jahresziel stets übertroffen worden war.

Die ersten Schattenbanken Chinas formierten sich in den achtziger Jahren. Damals hatten die Behörden einigen Investmenttrusts grünes Licht gegeben. Sie sollten Exportzonen finanzieren und andere Aufgaben übernehmen, die Peking für die staatseigenen Institute als zu riskant eingestuft hatte. Ob die Branche im Zwielicht gedieh oder vor sich hin dümpelte, hing dabei ganz vom politischen Wind ab, der gerade in Peking wehte.

Etablierte Bankhäuser machten gemeinsame Sache mit den Schattenbanken

Zu ihrem jüngsten Höhenflug setzten die Schattenbanker im Jahr 2010 an. Die Behörden schränkten damals die Kreditvergabe der Traditionshäuser ein, nachdem die Regierung zuvor die Wirtschaft während der globalen Finanzkrise anzukurbeln versucht hatte, indem sie sie mit Liquidität überflutete. Die Schattenfinanziers machten sich auf die Jagd nach neuen Investoren, indem sie Werbung auf ihre Mobiltelefone schickten oder sich in die Netzwerke Begüterter einklinkten.

In einigen Fällen machten die etablierten Bankhäuser auch gemeinsame Sache mit ihren Kollegen aus dem Halbdunkel. Sie verpackten Kredite zu "Vermögensverwaltungsprodukten", die die Banken an Privatanleger verkauften. Damit konnten die Institute Kredite vergeben, ohne dass diese in ihrer Bilanz auftauchten.

Banker, die bei alteingesessenen Instituten arbeiteten, hätten ihren Kunden häufig empfohlen, sich an Schattenfinanziers zu wenden, wenn sie Investmentprodukte mit höherer Verzinsung suchten, die die regulären Banken selbst wegen der staatlichen Beschränkungen nicht ausgeben durften, berichten chinesische Brancheninsider. Einige dieser Instrumente seien auch in den Büroräumen der Banken vermarktet worden.

Das Geld, das beim Verkauf der Produkte eingenommen wurde, zogen die Schattenbanker dazu heran, um Kredite herauszulegen. Die gingen zum Beispiel an Immobilienentwickler und Kommunen, die die herkömmlichen Banken nicht finanzieren wollten.

Derartige Neuerungen bergen nach Meinung einiger Bankenexperten durchaus ihre Chancen - zumindest in der Theorie. Die Schattenbanken könnten dazu dienen, das chinesische Finanzsystem zu öffnen, meint etwa Nicolas Veron, ein Branchenspezialist bei der Brüsseler Forschungsgruppe Bruegel. "Wenn sonst alles beim Alten bleibt, dann ist eine breitere Streuung im Finanzsystem ein Plus, weil sie gut für die Sicherheit ist", sagt er. "Auf Vielfalt basierende Systeme sind widerstandsfähiger - wie ein Autofahrer mit einem Ersatzreifen."

Doch die Kritiker verweisen auf Daten, die nahelegen, dass sich der Großteil der Kredite, die der Wirtschaft in den vergangenen Jahren übergestülpt wurden, als unproduktiv erwiesen hätte. Seit der Finanzkrise im Jahr 2009 habe jeder Yuan an neuen Krediten nur zu einem Drittel des Wirtschaftswachstums geführt, das noch vor Ausbruch des Finanzbebens erreicht worden sei, schreibt Fitch.

Trustgesellschaften sind die Machtzentren des grauen Markts in China

Dreh- und Angelpunkt der Debatte ist die Rolle der chinesischen Trustgesellschaften, der Machtzentren des grauen Markts in China. Anders als ihre Gegenüber in den USA sind sie nicht in der Beratung und in Sachen Investitionsdienstleistungen für reiche Kunden tätig. Sie engagieren sich vielmehr in der Finanzierung von Projekten und beschaffen sich Geld bei Investoren, denen sie Jahresrenditen von acht bis zehn Prozent versprechen - was die Einlagenzinsen bei den Banken bei weitem übersteigt.

Citic Trust ist, gemessen an den Vermögenswerten, Chinas größte Gesellschaft für Privatinvestitionen. Ihre neuen Mitarbeiter holt sich die Firma direkt von den Elite-Universitäten. Neuankömmlinge legen, in etwa so wie ihre Kollegen bei den Geschäftsbanken, mit einem Anfangsgehalt von rund 10.000 Yuan oder umgerechnet 1.600 Dollar im Monat los. Allerdings haben sie die Möglichkeit, sich Bonuszahlungen in zehn- bis zwanzigfacher Höhe ihres Monatsgehalts dazu zu verdienen, erzählen mehrere Citic-Mitarbeiter. Er sei ständig auf Achse, berichtet ein Citic-Manager. Es gelte, überall im Land Kommunalpolitiker und Immobilienentwickler bei Festessen in Restaurants zu umwerben.

"Trust-Gesellschaften haben sich schon immer an den Investmentbanken orientiert. Das heißt, wir pflegen eine Art 'Jagdkultur', die uns zwingt, ständig nach Geschäftschancen Ausschau zu halten", schrieb Wang Jingxiong, der bis zum vergangenen Monat als leitender Manager von Citic Trust tätig war, in einem in Eigenregie veröffentlichten Essay, der auf chinesischen Websites weite Verbreitung fand. Wang war persönlich nicht zu erreichen. Ein Freund versicherte, dass Wang den Text verfasst hat. Und Vertreter von Citic bestätigten, dass er früher für das Unternehmen gearbeitet hat.

Der Gewinn von Citic Trust kletterte 2012 auf 2,7 Milliarden Yuan. Das ist ein Zuwachs um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Unsere Produkte sind oft zwei oder drei Mal überzeichnet", sagt der Citic-Manager, der sich für ein Interview zur Verfügung stellte. Die Firma selbst reagierte nicht auf Kommentaranfragen.

Einige Trusts scheinen über beste Verbindungen zur chinesischen Polit-Elite zu verfügen. Deshalb sind die Investoren auch zuversichtlich, dass das chinesische Finanzministerium, das weltweit mit am besten bei Kasse ist, den Investmentgesellschaften notfalls zur Seite springen wird. "Du wirst nie Geld verlieren, wenn du es den Trusts gibst", ist sich Qi Qiao sicher. Der Designer aus Schanghai hat bei Citic investiert und kontrolliert regelmäßig sein Smartphone, ob die Banker ihm ein neues Angebot schmackhaft machen wollen.

Lingling Wei/The Wall Street Journal

Eine Statue von Citic-Trust-Gründer Rong Yiren, der als "Roter Kapitalist" bezeichnet wurde.

Citic war 1979 ins Leben gerufen worden, kurz nachdem sich China zu einer Öffnung seiner Wirtschaft entschlossen hatte. Der Gründer der Gesellschaft war Rong Yiren. Er wurde in China als "Roter Kapitalist" bezeichnet, weil seine Familie zu den wenigen Industriellen-Dynastien gehörte, die im Land geblieben waren, nachdem die Kommunistische Partei 1949 die Macht übernommen hatte. Rong arbeitete sich in den engsten Zirkel des damaligen Staatspräsidenten Deng Xiaoping vor und diente in den neunziger Jahren als Vizepräsident Chinas. Rongs Statue ziert die Eingangshalle der Citic-Zentrale in Peking.

Chinesische Aufsichtsbehörden wurden nervös

Weitere wichtige Vertreter der Trust-Zunft sind der Ping An Trust, eine Tochter des Versicherungsgiganten Ping An Insurance Group, sowie der China Industrial International Trust, der zum Staatsinstitut Industrial Bank gehört. Yang Huahui, der Chairman der Investmentgesellschaft, sagt: "Die Zusammenarbeit zwischen Banken und Trusts ist nichts Schlechtes. Das ist ein ganz normaler Teil unserer Geschäftstätigkeit."

Welche Rolle die Trusts spielen, lässt sich am Beispiel des Stahlproduzenten Yichang Three Gorges Quantong Coated and Galvanized Plate verdeutlichen. Der Stahlhersteller wollte 2009 während der globalen Finanzkrise in der Provinz Hubei ein Werk hochziehen. Anfangs besorgte sich Yichang Quantong ein Darlehen bei der China Construction Bank, einem der größten staatlichen Kreditinstitute Chinas. Stadtobere in Yichang hatten das Projekt abgesegnet, sie wollten damit für mehr Beschäftigung sorgen.

Dann gingen die Stahlpreise in die Knie. Die China Construction Bank und andere Banken weigerten sich, dem Unternehmen noch mehr Geld zu leihen. Die Firma wandte sich deshalb an Citic Trust, um einen Kredit über 1,13 Milliarden Yuan zu einem Zinssatz von zehn Prozent zu erhalten. Rund ein Fünftel dieser Summe sammelte Citic bei Kunden der China Construction Bank ein, die den Kredit im Auftrag von Citic Trust verkaufte, berichten mit der Angelegenheit direkt Vertraute. "Für die Bank bestand natürlich ein Anreiz, das Citic-Produkt zu vermarkten, um ihr eigenes Geld wiederzusehen", sagt der befragte Citic-Manager. Die China Construction Bank wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Doch der Preisverfall bei Stahl hielt an, und die Firma geriet Ende vergangenen Jahres in Zahlungsverzug. Im April kündigte Citic Trust an, den faulen Kredit im Verlauf des Monats in einer öffentlichen Auktion losschlagen zu wollen. Dabei stand die Schließung des Werks auf dem Spiel. Die Regierung von Yichang intervenierte und zahlte den Kredit zurück.

Auch wenn das Unternehmen tausende von Mitarbeitern auf die Straße gesetzt hat, wird immer noch Stahl in kleinen Mengen produziert. Regierungsvertreter suchen nach eigenen Angaben nach einem Weg, wie das Stahlunternehmen wieder zum Vollbetrieb zurückgeführt werden kann, selbst wenn global gerade ein Überangebot an Stahl herrscht. "Wir müssen uns darauf konzentrieren, den Betrieb zu leiten", sagte eine Unternehmenssprecherin lediglich.

Die chinesischen Aufsichtsbehörden reagierten schon vor ein paar Monaten mit größerer Nervosität auf Anzeichen, dass sich die Kreditprobleme häuften. Im März gab der chinesische Oberaufseher der Bankenbranche neue Richtlinien heraus. Sie zielten darauf ab, es den Banken zu erschweren, riskante Kredite aus ihren Büchern abzuziehen und sie in hochverzinsliche Investmentprodukte zu verpacken, die chinesischen Sparern angedreht werden sollten.

In den vergangenen Wochen haben die Trusts die Ausgabe von Investmentprodukten zurückgefahren, weil der staatliche Druck auf die Kreditvergabe das Vertrauen der Investoren erschüttert hat, wie die Forschungsgruppe Use Trust berichtete, die die Trust-Branche verfolgt.

"Die Zukunft der Branche hängt nun vollständig davon ab, welche politische Haltung die Zentralbank einnimmt", sagt eine Führungskraft beim Trust Ping An.

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