• The Wall Street Journal

Craig Federighi - Apples neuer Star

    Von JESSICA E. LESSIN
Agence France-Presse/Getty Images

Apple-Manager Craig Federighi bei der WWDC-Präsentation in San Francisco.

Bei Apple betritt ein neuer Mann das Rampenlicht. Zu Beginn der jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC am Montag durfte der wenig bekannte Apple-Manager Craig Federighi bei der Eröffnungs-Keynote die längste Zeit auf der Bühne stehen. Und er erhielt für seinen Auftritt gute Kritiken.

Mit seiner neuen Rolle ergeben sich für Federighi, der bei Apple die Softwareentwicklung beaufsichtigt, auch neue Aufgaben. Er muss sich einerseits die Loyalität der Entwickler sichern und andererseits die Branchenexperten und Kunden von Apples neuesten Softwareprodukten und Designverbesserungen überzeugen.

Der schlaksige 44 Jahre alte Entwickler hat Geschichte bei Apple. Er arbeitete bei Next, der anderen von Steve Jobs gegründeten Computerfirma, und wechselte zu Apple, als das Unternehmen 1997 übernommen wurde. Doch obwohl er sich den Respekt seiner Kollegen wegen seiner Fokussierung auf wichtige Dinge und wegen seiner Freundlichkeit und Umgänglichkeit schon längst gesichert hat, ist Federighi viele Jahre im Hintergrund geblieben. Einen Großteil seiner Karriere hat er damit verbracht, sich um Unternehmenssoftware zu kümmern. Die aber stand nie wirklich im Fokus bei Apple.

Doch jetzt muss er auf einmal Entwickler, Kunden und Investoren überzeugen. Menschen, die noch nie von ihm gehört haben. Das ist eine große Aufgabe, und sie rückt den 44-Jährigen ins Rampenlicht.

Federighi übernahm seine neue Rolle im Oktober 2012. Damals trat er in die Spuren des umstrittenen Leiters des Bereichs für mobile Software, Scott Forstall. Der war zwar von Entwicklern größtenteils angehimmelt worden. Er musste jedoch wegen unterschiedlicher Ansichten und Problemen im Management seinen Hut nehmen. Seit seinem Weggang ist Federighi bei Apple sowohl für die mobile als auch für die Mac-Software zuständig. Er ist verantwortlich für neue Funktionen auf dem iPhone, dem iPad und dem Mac.

Am Montag trat Federighi auf die Bühne in San Francisco, um Apples kommende Mac- und iOS-Betriebssysteme vorzustellen. Kennzeichen des neuen iOS ist eine neue Nutzeroberfläche, die von Apples Design-Guru Jony Ive entworfen wurde. Ive – der sich lange aus dem Rampenlicht herausgehalten hat – saß währenddessen im Publikum. Er wurde nur in zuvor aufgezeichneten Videos gezeigt – wie es schon länger bei ihm der Fall ist. Stattdessen war es Federighi, der einen Großteil der Show gestaltete. Eine Apple-Sprecherin wollte für diesen Artikel keinen Kontakt zu Federighi für einen Kommentar herstellen.

Federighi begann wie Forstall bei Next

Der Aufstieg von Federighi war lang und begann an der Seite von Forstall – auch wenn sich ihre Wege schnell trennten. Anfang der 90er Jahre waren beide aufstrebende Entwickler bei Next. Forstall arbeitete an Technologien hinter Software für die Kunden, Federighi war für Datenbanken zuständig. Während sich Federighi einen Ruf als Unternehmens-Guru erarbeitete, konzentrierte sich Forstall eher auf den Kundenbereich – der auch Steve Jobs besonders wichtig war.

Als beide zu Apple stießen, übernahm Forstall zusätzliche Aufgaben innerhalb Apples Software-Abteilung und war unter anderem für das Design des Mac-Betriebssystems zuständig. Federighi hingegen machte sich auf die Suche nach neuen Aufgaben und verließ Apple, um bei der Softwarefirma Ariba anzufangen. Ariba verkaufte Software an andere Firmen, um ihnen dabei zu helfen, ihre Ausgaben im Blick zu haben. Nach einiger Zeit bei seinem neuen Arbeitgeber übernahm Federighi dort die Verantwortung für den Technologie-Bereich.

2009 kam Federighi dann zurück zu Apple. Dort sollte er zunächst die Entwicklung der Mac-Software beaufsichtigen. Schnell kamen jedoch neue Aufgabenfelder hinzu. Seine Beziehung zu Forstall war freundschaftlicher als mit anderen Apple-Managern, die mit den beiden zusammengearbeitet hat, berichtet eine Person.

Mehrere Personen, die die beiden kennen, sagen, dass, dass Federighi einiges mit Apple-Chef Tim Cook gemein hat. So sollen es sowohl Cook als auch Federighi bevorzugen, ein gemeinschaftliches Urteil für wichtige Entscheidungen zu fällen. Forstall auf der anderen Seite war eher wie Steve Jobs und scherte sich wenig um die Meinungen anderer. „Scott und Craig sind beide unglaublich intelligent", berichtet die Person, die mit beiden zusammengearbeitet hat. „Aber Craig ist kompatibler mit Tim."

Forstall antwortete nicht auf eine Anfrage um Stellungnahme.

Federighi brachte iOS 7 nach vorn

In den vergangenen Monaten war es vor allem Federighis Führung zu verdanken, dass die erste Entwicklerversion von iOS 7 rechtzeitig zur WWDC fertig war, berichten mehrere Apple-Mitarbeiter. Teile des Betriebssystems hätten sich zwar bereits in Arbeit befunden, heißt es. Federighi habe auf dem Weg bis zur Veröffentlichung jedoch eine zentrale Rolle gespielt.

Nachdem Federighi im Oktober die Aufgaben von Forstall übernommen hatte, soll er sich schnell mit seinem neuen und alten Team getroffen und erklärt haben, dass er einige Zeit benötigen würde, um herauszufinden, wie er die beiden kombinieren könne. Das berichten Personen, die über die Pläne informiert wurden. Er entschied sich demnach dafür, einige Funktionen unabhängig zu belassen, auch wenn es grundsätzlich zu Überschneidungen der beiden Gruppen kam.

Diese Personen berichten weiter, dass es nun länger dauere, bis manche Entscheidungen gefällt werden, da es Federighi wichtig ist, eine gemeinschaftliche Lösung zu finden. Bei Forstall sei das schneller gegangen.

Federighi ist außerdem dafür bekannt, auf E-Mails schnell zu antworten. Das sei nicht bei allen Apple-Managern der Fall, berichten andere Personen. Einladungen zu Veranstaltungen schlage er hingegen häufiger aus. Als Grund würde häufig die Arbeit genannt.

Präsentationstalent auf der Bühne

Auf der Bühne am Montag kam Federighi überhaupt nicht wie ein geekiger Entwickler rüber. Gekleidet in eine Jeans und ein blaues Hemd lief er über die Bühne des Moscone Center in San Francisco und stellte den Besuchern alles Mögliche vor – von neuen Arbeitsmöglichkeiten mit mehreren Bildschirmen bis hin zum neuen Safari-Browser.

Federighi ging auf das Publikum ein, machte Witze und erklärte – wenn es Applaus gab – dass er diese oder jene Funktion ebenfalls möge. Entwickler zeigten sich von seiner Leistung beeindruckt.

Nik Fletcher, Produktmanager beim App-Hersteller Realmac Software, erklärte später, Federighi sei bei all den Dingen, die er am Montag auf der Bühne angekündigt habe, „persönlich, exaltiert und leidenschaftlich" gewesen. „Man könnte sagen, dass er für das neue Apple stand, das sich am Montag präsentiert hat."

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