• The Wall Street Journal

Deutschland schließt Militäreinsatz in Mali aus

    Von MARION SCHALK
Reuters

Die französische Armee auf dem Weg nach Mali. Immer mehr Länder unterstützen die malische Regierung im Kampf gegen die Rebellen.

Immer mehr ausländische Truppen greifen in den Konflikt im Mali ein. Am Sonntag sollten die ersten von jeweils bis zu 500 Soldaten aus Burkina Faso und Niger im Land eintreffen, berichtete das malische Staatsfernsehen. Großbritannien schickt zwei Transportmaschinen, um die französischen Truppen zu unterstützen. Auch die USA helfe mit Geheimdienstinformationen und Logistik, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. Einzelheiten nannte er nicht. Deutschland hingegen schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr aus.

Deutschland schickt keine Truppen

"Es war richtig, dass Frankreich dem Hilfsersuchen der malischen Regierung gefolgt ist", erklärte Außenminister Guido Westerwelle in einer Stellungnahme. Ein Einsatz deutscher Kampftruppen stehe jedoch nicht zur Debatte. Deutschland unterstütze nachdrücklich die afrikanischen Bemühungen zu einer politischen Lösung des Konflikts. Doch "weitere konkrete Zusagen stehen derzeit nicht im Raum."

Die deutsche Teilnahme an einer von der EU geleiteten Ausbildungsmission ist durch den Einsatz jedoch noch nicht hinfällig. Die Planungen werden laut Westerwelle fortgeführt, erst wenn diese abgeschlossen sind, soll entschieden werden, "ob und wie sich Deutschland beteiligt."

Großbritannien unterstützt mit Logistik

Die britische Regierung teilte mit, sie wolle sich am Transport von Soldaten und Ausrüstung nach Mali beteiligen. Premierminister David Cameron machte indes in einem Telefongespräch mit Frankreichs Präsident François Hollande deutlich, das keine britischen Soldaten an den Kampfhandlungen teilnehmen sollten. Beide stimmten den Angaben zufolge zudem darin überein, dass der Einsatz dringend Unterstützung durch die Nachbarländer Malis benötigt. Die Lage in Mali stelle eine echte Gefahr für die internationale Sicherheit dar, hieß es weiter. Am Dienstag will sich der Nationale Sicherheitsrat Großbritanniens mit dem Thema befassen.

Nach monatelangem Zögern der internationalen Gemeinschaft griff die französische Luftwaffe am Freitag als erste in den Konflikt zwischen malischen Regierungstruppen und Rebellen ein, um "einen Terrorstaat vor den Augen Frankreichs und Europas" zu verhindern, wie es Verteidigungsminister Le Drian formulierte.

"Wir mussten reagieren, bevor es zu spät ist", sagte er weiter. Daraufhin schaltete sich auch die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) ein und stimmte einer sofortigen Entsendung eigener Interventionstruppen in das Krisengebiet zu - ein Schritt, der eigentlich erst für September geplant war.

Zuvor waren die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida in Verbindung stehenden Rebellen bis auf 70 Kilometer an die Stellungen der schlecht ausgerüsteten malischen Regierungstruppen herangerückt. Die Rebellen konnten mit ihrem Vorstoß die Stadt Konna im Zentrum Malis einnehmen.

Kämpfe fordern mindestens elf Tote

Mit Hilfe der französischen Kampfflugzeuge drängten Malis Streitkräfte die Rebellen aus der strategisch wichtigen Stadt zurück. An der Offensive waren nach malischen Regierungsangaben auch senegalesische und nigerianische Einheiten beteiligt. Mindestens elf Menschen waren bei den gut drei Stunden andauernden Kämpfen getötet worden. Darunter seien auch drei Kinder gewesen, die sich bei einem Luftangriff in einen Fluss stürzten und ertranken, sagte der Bürgermeister der umkämpften Stadt Konna im Zentrum des Landes. In dem nordwestlich von Konna gelegenen Ort Lere ergriffen am Sonntag Hunderte Einwohner die Flucht vor den Kämpfen und versuchten sich bis über die 70 Kilometer entfernte Grenze nach Mauretanien durchzuschlagen.

Auch für Frankreich blieben die Kämpfe nicht ohne Verlust. Die Rebellen schossen einen Hubschrauber ab, der Pilot wurde getötet.

Islamisten drohen mit Vergeltungsschlägen

Als Reaktion auf den Militäreinsatz nahmen die malischen Extremisten nun Frankreich ins Visier und drohten mit Anschlägen auf französische Einrichtungen im In- und Ausland. In dschihadistischen Internetforen behaupteten sie, Schläferzellen in nahezu allen Westafrikanischen Hauptstädten zu haben.

Die französische Regierung erhöhte daraufhin die Terrorwarnstufe und kündigte die verstärkte Bewachung öffentlicher Gebäude und Verkehrsmittel in Frankreich an. In der malischen Hauptstadt Bamako sind mittlerweile mehr als 400 Soldaten stationiert, um dort auf Vergeltungsangriffe vorbereitet zu sein.

Das westafrikanische Mali war nach einem Putsch im März vergangenen Jahres ins politische Chaos gestürzt. Die islamistische Gruppe Ansar Dine übernahm die Kontrolle über den Norden des Landes und führte dort das islamische Rechtssystem Scharia ein. In den vergangenen Monaten rückten die Kämpfer immer weiter nach Süden vor.

—Mit Material von dapd

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