• The Wall Street Journal

Regierung erwartet weniger Wachstum für 2013

    Von BEATE PREUSCHOFF und HANS BENTZIEN
dapd

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt. Gestützt wurde es vor allem von der Dienstleistungswirtschaft

BERLIN – Trüber Ausblick: Die Bundesregierung hat ihre Wachstumserwartung für die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr deutlich verringert. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht geht sie davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2013 um lediglich 0,4 Prozent steigen wird, wie das Wall Street Journal Deutschland aus mit dem Bericht vertrauten Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums erfuhr. Bislang war die Regierung von einem BIP-Anstieg um einen Prozent im laufenden Jahr ausgegangen.

Für das kommende Jahr 2014 ist die Regierung wieder deutlich optimistischer und geht davon aus, dass die Konjunktur wieder in Fahrt kommt. Für 2014 rechnet die Bundesregierung mit einem deutschen Wachstum um 1,6 Prozent. Offiziell legt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die aktualisierte Wachstumsprognose am Mittwoch vor.

Der Wachstumskurs der deutschen Wirtschaft hat sich 2012 deutlich verlangsamt. Im vierten Quartal ist die Wirtschaftsleistung sogar geschrumpft.

Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr weniger stark als im Vorjahr gewachsen und im vierten Quartal sogar recht deutlich geschrumpft. Schuld war nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) vor allem die Investitionsunlust der Unternehmen, während Exporte und Privatkonsum das Wachstum stützten. Laut Destatis stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2012 nur noch um 0,7 Prozent, nachdem es 2011 um 3,0 und 2010 um 4,2 Prozent zugelegt hatte. Kalenderbereinigt betrug das Wachstum noch 0,9 Prozent gegenüber 3,1 Prozent im Jahr 2011.

Gestützt wurde das Wachstum 2012 vor allem von der Dienstleistungswirtschaft, während der Output im verarbeitenden Gewerbe um 0,8 Prozent und in der Bauwirtschaft sogar um 1,7 Prozent zurückging. Verwendet wurde die Produktion vor allem für den Export, während die inländische Verwendung von Gütern und Dienstleistungen abnahm. Im Jahr 2012 habe sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als widerstandsfähig gezeigt und der europäischen Rezession getrotzt, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamts, Roderich Egeler.

Der Außenhandel stützte das Wirtschaftswachstum mit 1,1 Prozentpunkten, während die inländische Verwendung einen negativen Beitrag von 0,3 Punkten lieferte. An der von mancher Seite kritisierten Exportabhängigkeit Deutschlands hat sich damit nichts geändert.

Weniger Investitionen im vergangenen Jahr

Vor dem Hintergrund der Unsicherheiten, die sich aus der Euro-Krise ergaben, investierten die deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr weniger als im Vorjahr. Die Ausrüstungsinvestitionen gingen um 4,4 Prozent zurück, die gesamten Investitionen minderten das BIP-Wachstum um 0,9 Prozentpunkte. Sie lieferten damit erstmals seit 2009 keinen Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Der Beitrag der Lagerveränderungen war mit 0,5 Punkten negativ.

Immerhin taten die privaten Haushalte etwas fürs Wachstum: Sie steigerten ihren Konsum um 2,4 Prozent und "verfrühstückten" damit weitgehend ihre 2012 erzielten Einkommenszuwächse. Die private Sparquote nahm nur leicht - auf 10,4 von 10,3 Prozent - zu, während die verfügbaren Einkommen um 2,3 Prozent stiegen. Das BIP-Wachstum stützten die privaten Konsumenten mit 0,4 Prozentpunkten.

Nach Aussage des für die BIP-Erhebung zuständigen Abteilungsleiters, Norbert Räth, dürfte das BIP zwischen Oktober und Dezember 2012 saisonbereinigt um 0,5 Prozent gesunken sei. Das wäre der erste Quartalsrückgang seit dem vierten Quartal 2011.

Statistischer Unterhang 2013

Das Wachstum wird damit im laufenden Jahr von einem so genannten statistischen Unterhang beeinflusst. Das bedeutet: Auch wenn das BIP in keinem der vier Quartale 2013 mehr sinken würde, sondern unverändert bliebe, würde sich für das Gesamtjahr rechnerisch ein BIP-Rückgang in Höhe des Unterhangs ergeben. Rät bezifferte diesen Wert für 2013 auf 0,25 Prozentpunkte.

Die Deutsche Bundesbank rechnet wegen eines voraussichtlich schwachen Winterhalbjahrs für 2013 mit einem BIP-Anstieg von nur 0,4 (kalenderbereinigt: 0,5) Prozent.

Trotz des langsameren Wirtschaftswachstums wies Deutschland 2012 einen positiven Finanzierungssaldo des Staats von 2,2 Milliarden Euro 2011 auf. Das waren 0,1 Prozent des BIP. 2011 war ein Defizit von 0,8 Prozent angefallen.

—Mit Material von dapd

Kontakt zu den Autoren: beate.preuschoff@dowjones.com und hans.bentzien@dowjones.com

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