• The Wall Street Journal

Für russische Soldaten gilt künftig Sockenpflicht

    Von ALEXANDER KOLYANDR

Ein geschichtsträchtiges Stück der persönlichen Ausrüstung russischer Soldaten wird außer Dienst gestellt. Die russische Armee verzichtet künftig auf die Portjanki - zwei Stücke Stoff zum Umwickeln der Füße und setzt wie die meisten anderen Armeen der Welt Socken ein. Mehr als 300 Jahre gehörten Portjanki zur Ausrüstung quer durch alle Dienstgrade.

Jetzt ordnete der frühere General und Verteidigungsminister Sergej Schoigu an, die Armee solle "das Wort Portjanki bis Ende 2013 vergessen".

Das rechteckige Stück Stoff wurde unter Zar Peter dem Großen zu einem festen Bestandteil der Bekleidung seiner Soldaten - im Winter aus Flanell und im Sommer aus Baumwolle. Seinerzeit waren westliche Armeen das Vorbild. Der Portjanki wurde auf den Schlachtfeldern des siebenjährigen Krieges getragen, den Kriegen gegen Napoleon und auf der Krim. Auch in den beiden Weltkriegen schützte es die Füße der zaristischen Soldaten und der Rotarmisten.

Agence France-Presse/Getty Images

Junge Rekruten wickeln den Portjanki. Das Bild wurde 2007 in einer Kaserne in Moskau aufgenommen. In dem Jahr wurde das altertümliche Kleidungsstück eigentlich durch die Socke abgelöst. Vielerorts wurde die Tradition aber aufrecht erhalten.

Während auf dem Lande in Russland das Umwickeln der Füße als Tradition gepflegt wurde, wechselten die Bewohner der Städte zur Socke als Fußbekleidung. Doch die Sowjetarmee und die Russische Armee hielt an der Traditionsbekleidung fest, die günstig in der Herstellung war, leicht zu trocknen und zu reparieren - auch als mit AK47 und Atomwaffen der technische Fortschritt die Wehrtechnik der Russen komplett erneuerte.

Der jahrhundertealten Tradition zum Trotz sind die Portjanki vor allem bei jungen Rekruten verhasst, die mit Socken aufwuchsen und die sperrige Kunst, das Kleidungsstück richtig zu falten, erst lernen mussten.

Die Armeen in Osteuropa haben ihre Fußbekleidung bereits erneuert, als sie sich auf den Nato-Beitritt vorbereiteten. Die Ukraine und Georgien haben den Portjanki schon im vergangenen Jahrzehnt verbannt.

2007 entschied sich auch die russische Armee für den Einsatz von Socken und Schnürstiefeln. Der Anweisung von Verteidigungsminister Schoigu nach zu urteilen verläuft die Umsetzung dieser Entscheidung aber nur schleppend. Der Portjanki ist in mehreren Armeeeinheiten nach wie vor im Dienst, heißt es hinter vorgehaltener Hand aus Militärkreisen.

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