• The Wall Street Journal

Air Berlin will 900 Arbeitsplätze abbauen

    Von KIRSTEN BIËNK

Die hoch verschuldete Fluggesellschaft Air Berlin hat mehrere Bereiche ausgemacht, in denen sie Einschnitte vornehmen und sich auf diese Weise gesund schrumpfen will. Die größten Opfer müssen die Mitarbeiter bringen: Deutschlands zweitgrößte Airline will rund 900 der insgesamt 9.300 Arbeitsplätze abbauen. Außerdem will das Management die Flugzeugflotte verkleinern und Flughafenstandorte schließen.

So sollen die Verluste reduziert werden, die nach Angaben einer mit den Verhandlungen vertrauten Person gegenwärtig bei rund einer Million Euro pro Tag bzw. etwa 350 Millionen Euro im Jahr liegen. Air Berlin beziffert die Effekte des Sparprogramms "Turbine 2013", das auf zwei Jahre angelegt ist, für den gesamten Zeitraum auf 400 Millionen Euro.

dapd

Dass Air Berlin defizitär arbeitet, das ist bereits länger bekannt. Wie hoch die Verluste sind, war bisher jedoch unklar. Eine Million Euro soll die Fluglinie am Tag verlieren. Um den Schaden zu begrenzen, will man sich darum jetzt von 900 Mitarbeitern trennen.

Das Unternehmen geht davon aus, dass es beim geplanten Arbeitsplatzabbau auch betriebsbedingte Kündigungen geben wird. Nach Angaben der mit den Verhandlungen vertrauten Person dürften davon vor allem Piloten und Copiloten betroffen sein, da diese unbefristete Arbeitsplätze haben. Rund 110 überzählige Mitarbeiter im Cockpit habe die Airline ausgemacht.

Rund 250 Mitarbeiter soll es in der Kabine zu viel geben. Viele von den Beschäftigten dort haben aber zeitlich befristete Verträge, so dass die Airline hier auf das Auslaufen der Beschäftigungsverhältnisse setzen kann. Die übrigen Arbeitsplätze dürften vor allem am Boden und in der Verwaltung verloren gehen. Die Einsparungen im Personalbereich machen 10 Prozent der insgesamt bis Ende 2014 geplanten Einsparungen und Erlössteigerungen von insgesamt 400 Millionen Euro aus. Air Berlin bestätigte die Angaben zum geplanten Arbeitsplatzabbau.

Für die verbliebenen Mitarbeiter plant die Fluggesellschaft nach Angaben der informierten Person einheitliche Tarifverträge. Unterschiede bei Gehältern und Arbeitszeiten, die noch aufgrund früherer Zukäufe bestehen, sollen auf diese Weise beseitigt werden.

Aufräumen will das Management auch bei der Flugzeugflotte. Ende September hatte die Airline neun unterschiedliche Flugzeugtypen im Einsatz. Diese Modellvielfalt soll eingedampft werden, um Kosten bei Betrieb und Wartung zu sparen. Welche Flugzeugmodelle künftig nicht mehr zum Einsatz kommen werden, sei aber noch nicht entschieden. Air Berlin äußerte sich dazu nicht.

Darüberhinaus will Air Berlin einige Flugzeuge an das Subunternehmen Walter weiterreichen, heißt es. Diese Airline führt seit vielen Jahren Flüge für die Berliner durch. Das ist für Air Berlin günstiger, weil die dort angestellten Mitarbeiter geringere Gehälter erhalten als die von Air Berlin.

Das Unternehmen bestätigt diese Angaben nicht, spricht aber von der Reduzierung der Flotte auf 142 Flugzeuge. Ende September 2012 waren noch 158 Maschinen im Einsatz.

Weitere Abstriche plant der neue Air-Berlin-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Prock-Schauer nach Angaben der informierten Person bei den Flughafenstandorten. Sechs bis sieben kleinere Stationen, wie beispielsweise Paderborn-Lippstadt, sollen geschlossen werden. Auch hierzu hält sich die Fluggesellschaft noch bedeckt und spricht nur von einer Konzentration der Stationen.

Der ehemalige Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hatte bereits im Jahr 2012 das neue Sparprogramm "Turbine 2013" angekündigt. Details nannte er seinerzeit aber nicht und verwies auf weitere Aussagen zu Beginn des Jahres. Nach seinem überraschenden Abgang am 7. Januar übernimmt nun sein Nachfolger diese Aufgabe.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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