• The Wall Street Journal

Amazons Zukunft steht in den Wolken

    Von MIRIAM GOTTFRIED

Bei Amazon wäre ein wolkiger Ausblick diesmal gar keine so schlechte Sache. Der Bereich Amazon Web Services, der anderen Unternehmen Webdienste und Speichermöglichkeiten in der so genannten Cloud anbietet, ist eines der am schnellsten wachsenden Geschäfte des Internet-Riesen.

Amazon gibt keine Detailzahlen für AWS heraus, aber Macquarie schätzt den Umsatz der Sparte im vergangenen Jahr auf 2,1 Milliarden US-Dollar und rechnet für 2013 mit 3,8 Milliarden Dollar, ein Anstieg um 81 Prozent. Im Vergleich dazu nimmt sich das Umsatzwachstum für den Einzelhandel von 25 Prozent auf 73,6 Milliarden Dollar bescheiden aus.

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Zugegeben, AWS startet von einer kleinen Basis. Aber es scheint dort riesiges Potenzial zu geben. Macquarie zufolge wird der Markt bis 2015 auf 38 Milliarden Dollar wachsen.

Kunden sind zum Beispiel Netflix, AirBnb, Spotify und Pinterest. Amazons Webdienste sind nützlich für Unternehmen, die nicht die Mittel haben, um eine eigene Infrastruktur aufzubauen oder die ohne große Vorlaufkosten neue Produkte testen und entwickeln wollen. Branchen wie der Pharmasektor, die eine Unmenge an Daten produzieren, sind eine weitere wichtige Kundengruppe. Auch Regierungsbehörden nutzen die Dienste bereits.

Amazon investiert Milliarden in Webdienste

Den Analysten von Sanford C. Bernstein zufolge könnte der Umsatz von AWS zum Ende des Jahrzehnts 15 bis 20 Milliarden Dollar erreichen. Aber dafür sind substanzielle Investitionen nötig. Trotz des geringen Umsatzbeitrags der Sparte schätzt Bernstein den Anteil von AWS an den 2,7 Milliarden Dollar Gesamtinvestitionen von Amazon auf 39 Prozent. Die Rendite auf das investierte Kapital ist bei Amazon von 17,7 Prozent im Jahr 2010 auf 7,6 Prozent 2011 gefallen – Bernstein zufolge vor allem wegen der hohen Investitionen in die Webdienste.

Reuters

Werner Vogels, Technik-Vorstand von Amazon, spricht am 29. November 2012 auf der Konferenz AWS Re:Invent in Las Vegas.

Die Erfahrung lehrt, dass das starke Wachstum der Webdienste-Sparte ab einer bestimmten Größe abnehmen wird, so dass die Investitionen zurückgehen und die operative Marge steigen kann. Die offene Frage ist jedoch, ab welcher Größe das der Fall ist.

Amazon erklärt, dass Webdienste noch immer in einer frühen Phase stecken und sieht deren Entwicklung als einen jahrzehntelangen Prozess. CEO Jeff Bezos hat gesagt, AWS könne einmal mindestens so groß werden wie das eigene Einzelhandelsgeschäft. Aber das Zeitfenster dafür ist vage – mit gutem Grund, denn derzeit übertrifft der Einzelhandelsumsatz den von AWS noch um das Zwanzigfache.

Niedrige Marge gibt Spielraum für Preiskampf

Um seine ehrgeizigen Ziele für AWS zu realisieren, will Amazon seine Strategie aus dem Einzelhandel übernehmen und aufkommende Konkurrenz von Unternehmen wie Google und Rackspace Hosting vor allem über den Preis ausstechen. Seit dem Start von AWS im Jahre 2006 hat Amazon schon 23 Mal die Preise gesenkt. Mit fortschreitender Technik werden auch die Preise weiter sinken, heißt es.

Erstaunlicherweise kann Amazon die Konkurrenz vor allem deshalb unterbieten, weil es etwas hat, was dem Unternehmen gemeinhin als Schwäche ausgelegt wird: eine sehr kleine operative Marge. Die lag 2011 bei gerade mal 1,8 Prozent, verglichen mit 32,2 Prozent bei Google und 12 Prozent bei Rackspace.

Bernstein schätzt, dass die operative Marge von AWS langfristig über 25 Prozent steigen könnte. Wenn alles andere gleich bleibt, würde eine Ausweitung des Webdienste-Geschäfts also auch die Marge von Amazon insgesamt heben. Anleger sollten deshalb froh sein über die Anstrengungen von Amazon.

Über die Zeit könnten natürlich die höheren Margen unter Druck kommen, aber es gibt genügend Spielraum, um die Preise zu senken und den Schnitt für den Gesamtkonzern dennoch zu heben. Und wenn es schließlich zu einem Preiskampf kommen sollte, gibt es nur wenige Unternehmen auf der Welt, die auf diesem Gebiet so erfahren sind wie Amazon.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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