• The Wall Street Journal

Spukhäuser in Hongkong werden teurer

    Von TE-PING CHEN und JEFFREY NG

Hong Kong's "Haunted-House King" Ng Goon Lau has bought more than 20 properties with spooky histories. The WSJ's Diana Jou has the details.

HONGKONG—Egal wie sich der Immobilienmarkt in Hongkong entwickelte, eine Chance auf ein billiges Appartement gab es immer – vorausgesetzt, man war bereit, dieses mit einem Gespenst zu teilen. Internetseiten führen Spukhäuser auf, die auf chinesisch als „hongza" bekannt sind. Bis vor kurzem waren diese besonders günstig zu haben. Doch der jüngste Boom auf dem Immobilienmarkt hat diesem Geister-Rabatt ein Ende bereitet.

Für Ng Goon Lau bedeutet es womöglich das Ende seines Geschäftsmodells. Der 62-Jährige kauft seit über zehn Jahren Wohnungen, in denen ein Mieter zuvor gestorben war. Oft bekam er die Immobilien ein Drittel unter dem Marktwert und verkaufte sie profitabel weiter. Oder er vermietet sie an Ausländer, die meistens weniger abergläubisch sind als die Einheimischen.

Doch in jüngster Zeit sind über ein Dutzend neue Wettbewerber aufgetaucht, sagt Vienna Lee von Sqarefoot.com.hk, wo es eine Suchmaschine speziell für die günstigen Spukhäuser gibt. Das ist kaum überraschend, da sich die Immobilienpreise in Hongkong in den vergangenen vier Jahren verdoppelt haben und dadurch zu den höchsten der Welt zählen.

Die steigende Nachfrage hat den Rabatt auf Spukwohnungen auf nur noch fünf Prozent gedrückt, sagt Ng. „Der Markt ist gerade verrückt", sagt er. 2012 habe er nur ein Hongza kaufen können. Selbst in Wohngegenden, die in der Nähe von Friedhöfen oder Bestattungsinstituten liegen, seien die Preise gestiegen.

Bewohner von Hongkong sind sehr abergläubisch

Die Bewohner von Hongkong sind traditionell sehr abergläubisch. Viele legen Essen oder andere Opfergaben für die Toten aus. Jeden Sommer feiert die Stadt einen ganzen Monat lang das Fest der hungrigen Geister, bei dem die Toten angeblich ernährt und unterhalten werden sollen.

AP/dapd

Spukhäuser, in denen Menschen gestorben sind, waren lange Zeit deutlich billiger als normale Wohnungen. Das ist mit dem Immobilien-Book nun vorbei.

2001 rief die größte englischsprachige Tageszeitung der Stadt, die South China Morning Post, Mönche in ihre Redaktion, um diese von den Geistern zu reinigen, die Angestellte in den Toiletten gesehen haben wollen. Nach dem Ritual habe es keine Beschwerden mehr gegeben, sagt Niall Fraser, stellvertretender Nachrichtenchef, der zu der Zeit anwesend war. „Alle waren zufrieden – es scheint funktioniert zu haben", sagt er.

Ng sagt, er könne einige seiner Immobilien mittlerweile fast zum regulären Marktpreis vermieten. „All meine Mieter sind sehr zufrieden", sagt er. „Bisher hat sich niemand über Geister beschwert."

Der Anwalt Aaron Bleasdale mietete einmal ein zweistöckiges Penthouse in Mid-Levels, einer der grünsten und nachgefragtesten Gegenden von Honkong, dessen Mieter vor kurzem gestorben war. Die Miete von 13.000 Hongkong-Dollar (1.250 Euro) war mindestens 40 Prozent billiger als für „spukfreie" Wohnungen in ähnlicher Lage. „Die Lage war toll, und wir hatten einen Garten auf dem Dach. Für den Preis lebe ich gerne mit einem Geist", sagt Bleasdale. Vor einigen Jahren ist er aus der Wohnung ausgezogen, lebt aber weiterhin in Hongkong.

„Die Geister hier sprechen wahrscheinlich kein Englisch, also würden sie mich sowieso nicht stören", sagt er. „Und ich glaube ohnehin eher an freundliche Geister wie Casper."

Aberglauben zu Geld machen

Das erste Spukhaus, das Ng verkaufte, war sein eigenes. Als er 1993 seine Wohnung renovierte, um sie für Käufer attraktiver zu machen, wurde ein Arbeiter durch einen Stromschlag getötet. Am Ende verkaufte Ng die Wohnung für einen höheren Preis, als er nach dem Todesfall erwartet hatte.

Seitdem hat Ng nach eigenen Angaben 20 Wohnungen gekauft und wieder verkauft. Er durchsucht regelmäßig Zeitungen nach Berichten über Todesfälle und bietet aggressiv für die „Geister-Immobilien". Er habe sich selbst beigebracht, den Aberglauben der Hongkonger Bevölkerung zu Geld zu machen. „Das war nicht Schicksal oder Glück, sondern mein Mut", sagt er.

Bevor er anfing, mit Spukhäusern zu spekulieren, verkaufte Ng Haiflossen. Dadurch fing er seine Immobilienkarriere mit einem Grundstock an Kapital an – eine wichtige Voraussetzung, da Hongkonger Banken für den Kauf von Spukhäusern oft keine Kredite vergeben.

Banken können Spukhäuser-Wert nicht berechnen

Viele Banken haben Computerprogramme, die den Wert von tausenden von Wohnungen in Hongkong errechnen. Das Programm der Bank of China (Hongkong) zeigt zum Beispiel für eine Wohnung, in der eine Frau ihren Ehemann umgebracht hat, eine Fehlermeldung an.

Die Firma, die diese Daten bereitstellt, errechnet laut der Bank keinen Preis für Wohnungen, in denen jemand ermordet wurde. Die Kreditvergabe für Hongza-Wohnungen werde von Fall zu Fall entschieden. Die Standard Chartered Bank (Hongkong) sagt, sie vergebe keine Kredite für Wohnungen, in denen es angeblich spukt.

Vor etwa zwei Jahren stieg Ng nach und nach aus dem Haiflossengeschäft aus, da die Umweltschutzbewegung die Preise belastete. „Spukhäuser bringen immer noch mehr Gewinn als Haiflossen", sagt er.

Ng macht sich wegen seiner neuen Wettbewerber keine Sorgen. Ihre hohen Preise würden sich irgendwann rächen, und er werde dann immer noch da sein. „Das sind Amateure", sagt er.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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