• The Wall Street Journal

Dreamliner muss in Japan notlanden

    Von JOHN OSTROWER, KOSAKU NORIOKA und ANDY PASZTOR

All Nippon Airways grounds its entire fleet of Boeing 787 Dreamliners, after one of its planes made an emergency landing in Japan. This follows a series of problems with the 787s, which triggered safety investigations. The WSJ's Jake Schlesinger has the details.

Die Pannenserie bei Boeing reißt nicht ab. Am Mittwoch musste eine Maschine der Reihe 787 Dreamliner in Japan notlanden. Der Superflieger der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) war auf einem Inlandsflug unterwegs, als es an Bord zu einem Alarm wegen Batterieproblemen kam und sich Rauch entwickelte. Die Passagiere wurden über Notrutschen evakuiert.

Nach dem Vorfall kündigte neben ANA auch die Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) an, ihre gesamten Dreamliner-Flotten für Inspektionen mindestens für einen Tag am Boden zu halten. Es ist das erste Mal, dass Dreamliner-Kunden wegen technischen Zwischenfällen an Bord mit der Verhängung einer Zwangspause reagieren. ANA hatte als erste Fluglinie überhaupt Dreamliner eingesetzt, die Erstflüge fanden 2011 statt.

Reuters

Eine Boeing 787 Dreamliner von All Nippon musste am Mittwoch auf dem Takamatsu-Flughafen im Westen Japans notlanden.

Die Pannenserie bei dem Boeing-Flaggschiff hat mittlerweile die internationalen Sicherheitsinspekteure auf den Plan gerufen. Mit dem jüngsten Vorfall auf dem japanischen Flughafen Takamatsu spitzt sich die Krise bei dem amerikanischen Airbus-Konkurrenten weiter zu. Ihren Lauf nahm sie am 7. Januar, als an Bord einer geparkten Dreamliner-Maschine des Carriers JAL in Boston Feuer ausbrach. Die amerikanische Luftfahrtbehörde schaltete sich ein und ordnete in einem äußerst ungewöhnlichen Schritt eine umfangreiche Überprüfung des Vorzeigefliegers an. Die japanischen Sicherheitsverantwortlichen zogen nach und veranlassten ihrerseits Inspektionen.

"Die Japaner sind mittlerweile sehr besorgt, nachdem sie Tag für Tag von Schwierigkeiten mit dem Dreamliner hören", hatte der japanische Verkehrsminister Akihiro Ota bereits am Dienstag, also einen Tag vor der Notlandung, auf einer Pressekonferenz gesagt.

Nach Angaben des Betreibers ANA habe der Pilot eine Notlandung eingeleitet, nachdem ein Alarm Probleme mit den Batterien angezeigt hätte. An Bord sei Rauch aufgetreten, sagte ein Vertreter des Flughafens Takamatsu, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Für den Brand an Bord des JAL-Dreamliners in Boston am 7. Januar war eine Lithium-Ionen-Batterie verantwortlich gemacht worden. Die US-Bundesbehörde für Luftfahrt (FAA) hatte daraufhin eine dringende Sicherheitsüberprüfung angeordnet.

Aus welchem Grund genau der Batterie-Alarm am Mittwoch ausgelöst worden war und die Notlandung erzwungen wurde, ließ sich zunächst nicht feststellen. Der ANA-Flieger landete um 08.47 Uhr Ortszeit in Takamatsu. Die 129 Fluggäste wurden sicher über die acht Notrutschen der Maschine evakuiert, ebenso die achtköpfige Besatzung. Der Flughafen war wegen des Zwischenfalls geschlossen worden.

Boeing stehe wegen dem Zwischenfall in Kontakt mit ANA, sagte ein Unternehmenssprecher in Chicago. "Wir sind über den Vorfall informiert und arbeiten daran zusammen mit unserem Kunden."

ANA werde für den Rest des Tages alle 17 Dreamliner am Boden halten und sie kontrollieren lassen, kündigte eine Sprecher der Fluggesellschaft an. Auch JAL werde am Mittwoch keinen weiteren Dreamliner starten lassen, mit Ausnahme einer Maschine, die bereits von Tokio nach Boston unterwegs sei, sagte ein Sprecher von JAL. Die Flotte von JAL umfasst insgesamt sieben Flugzeuge dieses Typs, von denen derzeit fünf auf internationalen Routen im Einsatz sind.

Ausgeträumt – die Pannengeschichte des Dreamliner

Das japanische Verkehrsministerium hat nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung darüber gefällt, ob die Dreamliner für einen längeren Zeitraum am Boden bleiben müssen.

Das Spektrum jüngster Störfälle an Bord der 787 reicht von relativ harmlosen Software-Fehlern, die immer wieder auftreten können, bis zu schwerwiegenden Vorkommnissen wie dem Brand in Boston in der vergangenen Woche. Das Feuer war an der Batterie der Hilfsturbine des JAL-Jets aufgetreten. Die Maschine war aus Tokio gekommen, und sämtliche Passagiere hatten das Flugzeug bereits verlassen. Im Dezember war eine 787 der United Continental Holdings in New Orleans notgelandet. Den Piloten war angezeigt worden, ein Generator sei ausgefallen. Rauch war nicht aufgetreten, eine Notevakuierung war nicht erforderlich.

Die Dringlichkeitsüberprüfung der FAA konzentriert sich auf die elektrischen Systeme des Dreamliners und auf Maßnahmen der Qualitätskontrolle während des Fertigungsprozesses. Als die amerikanische Luftfahrtbehörde am vergangenen Freitag ihre Überprüfung ankündigte, hatten führende Vertreter der Regierung und von Boeing noch betont, ihrer Meinung nach böten die jüngsten Schwierigkeiten keinen Anlass für Sicherheitsbedenken. Der Jet sei zuverlässig, behauptete der Hersteller. Viele der jüngsten Pannen an Bord des Dreamliners seien für ein neues Flugzeug normal.

US-Verkehrssicherheitsbehörde ermittelt

Bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde National Transportation Safety Board würden Informationen über den jüngsten Vorfall gesammelt, teilte eine Sprecherin mit, ohne ins Detail gehen zu wollen. Das Amt ermittelt bereits wegen dem Batteriebrand an Bord der in Boston geparkten JAL-Maschine. Bei der FAA konnte zunächst niemand für eine Stellungnahme erreicht werden.

Es bleibt abzuwarten, wie andere Fluggesellschaften, die Maschinen des Typs 787 in der Flotte haben, auf den erneuten Störfall reagieren werden und ob sie dem Beispiel von ANA und JAL vom Mittwoch folgen, ihre Dreamliner vorübergehend am Start zu hindern. Vor der Entscheidung der beiden größten japanischen Fluglinien hatten sich die anderen Dreamliner-Carrier dazu entschlossen, die Flugzeuge weiterhin einzusetzen. Einige Fluggesellschaften haben in den vergangenen Tagen sogar neue Langstreckenrouten eröffnet.

Als erstes dürften die Inspektoren untersuchen, wie schnell auf den Überhitzungsalarm, der im Cockpit festgestellt wurde, Rauch in der Kabine folgte. Und ob sich der Rauch möglicherweise vor der Notlandung aufgelöst hatte, sagen Flugsicherheitsexperten. Die intensive Beobachtung, unter der der Dreamliner seit Wochen und vor allem seit dem Brand in Boston steht, könnte bei den Flugbesatzungen zu einer erhöhten Aufmerksamkeit für etwaige Störsignale geführt haben.

Rauch landet nicht bei den Passagieren

Die Lithium-Ionen-Batteriesysteme des Modells 787 seien so konzipiert, dass "Rauch aufgefangen und über Bord geschickt wird und nicht in die Passagierkabine eindringen kann", hatte Mike Sinnett, der Chefingenieur des Dreamliners, in der vergangenen Woche versichert. Ob dies auch auf die Panne vom Mittwoch zutrifft, ließ sich zunächst nicht feststellen.

Wegen Verzögerungen bei der Auslieferung hatte ANA dreieinhalb Jahre lang auf seinen ersten Dreamliner warten müssen. Die erste Maschine des Typs 787 nahm die japanische Fluglinie im September 2011 in Empfang. Insgesamt hat ANA 66 Linienjets dieser Baureihe bestellt, die hauptsächlich aus Verbundfasern bestehen. Das Flugzeug, das am Mittwoch notlanden musste, war im Januar 2012 an die Fluggesellschaft überstellt worden. Zuvor hatte der Flugzeugbauer das Modell umgerüstet, nachdem die Systeme des Dreamliner in Hunderten von Flugstunden getestet worden waren.

Seit langem verweisen Sicherheitsexperten auf die Feuergefahr, die von wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien ausgehen kann. Sie finden sich in großer Zahl in Haushaltsgeräten und oft auch im Bauch von Frachtflugzeugen wieder. Wenn sie heiß laufen oder beschädigt werden, kann ein verheerender Brand mit hohen Temperaturen ausbrechen, der Aluminium zum Schmelzen bringen und schwer zu löschen sein kann. Feuerwehrleute müssen gesondert dafür ausgebildet und mit speziellen feuerhemmenden Mitteln ausgestattet werden, wenn sie ein solches Feuer bekämpfen sollen.

Batterien eines der Hauptprobleme

Die Lithium-Batterie-Systeme, die in die 787-Modelle eingebaut werden, sind allerdings viel größer und leistungsfähiger als normale Zellen in herkömmlichen Endgeräten. Deshalb hat die FAA besondere Richtlinien und Vorkehrungen angeordnet, die ein Überhitzen verhindern sollen. Die Batterien zählten zu den Hauptproblemen, die gelöst werden mussten, bevor die US-Luftfahrtbehörde einwilligte, dass im Dreamliner auch Passagiere befördert werden dürfen.

Sowohl JAL als auch ANA haben sich die 787-Maschinen wegen ihrem geringen Gewicht und ihren treibstoffsparenden Motoren zugelegt. Mit ihrer Hilfe könnten Bestimmungsorte verknüpft werden, die zuvor mit Flugzeugen ähnlicher Größe nicht bedient werden konnten, sagen die Fluglinien. JAL nutzt den Dreamliner zum Beispiel dafür, um neue Routen von Tokio nach Boston und San Diego einzuführen. Und ANA geht davon aus, mit Hilfe des Superfliegers beim Kerosin Kosten über etwa 112 Millionen Dollar im Jahr einsparen zu können.

—Mitarbeit: Hiroyuki Kachi

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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