• The Wall Street Journal

Frankreich will mehr Soldaten nach Mali schicken

    Von dapd

Mindestens 13 Staaten haben Malis Regierung Hilfe im Krieg gegen die Rebellen versprochen. Ihre Stiefel auf dem Wüstensand haben bislang aber nur die französischen Soldaten - und das bald in dreifacher Mannstärke: Mit einer drastischen Truppenaufstockung will Frankreich den Sieg gegen die vorrückenden Islamisten erzwingen und ihnen in einer Bodenoffensive den Norden seiner früheren Kolonie in Westafrika entreißen. Doch die Rebellen stoßen weiter in Richtung Süden vor und lassen sich von Bombardements aus der Luft nicht stoppen. Während Präsident François Hollande einen schnellen Erfolg der Militäroffensive beschwört, warnen die Islamisten die Franzosen mit markigen Sprüchen vor verfrühtem Optimismus.

dapd

Abseits der Kämpfe geht das Leben weiter: Am Dienstag spielten ein paar Jugendliche in Bamako, Mali, Fußball.

Derzeit hat Frankreich 800 Soldaten in Mali, "nach und nach" sollen aber 2.500 Soldaten in die Region entsandt werden, wie das französische Verteidigungsministerium am Dienstag ankündigte. Ursprünglich wollte die Regierung in Paris bloß logistische Unterstützung für eine afrikanische Militärintervention bereitstellen und punktuell mit der Luftwaffe assistieren. Doch davon ist Hollande wegen der zögerlichen Haltung seiner Verbündeten und angesichts des heftigen Widerstands der drei mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbandelten Islamistengruppen in Mali endgültig abgerückt. Aus der Hilfs- ist eine Führungsrolle geworden.

Auf dem Flughafen von Bamako setzten alle paar Stunden französische Transportflugzeuge mit Gütern und Soldaten an Bord auf. In der Nacht auf Dienstag überquerte zudem ein gepanzerter Lastwagenkonvoi mit 150 Soldaten von der benachbarten Elfenbeinküste aus die Grenze zu Mali. Innerhalb der nächsten 24 Stunden sollten zudem rund 200 nigerianische Truppen dazustoßen.

"Wir sind sicher, dass wir die Aggressoren und diese Terroristen schnell stoppen werden", sagte Hollande auf einer Pressekonferenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Frankreich werde solange vor Ort bleiben, bis die malische Regierung wieder die Kontrolle erlangt habe, der Vormarsch der Extremisten gestoppt und die Hauptstadt gesichert sei. Mit dem Eintreffen weiterer afrikanischer Soldaten in Mali werde sich die französische Truppenzahl wieder reduzieren.

In der Nacht auf Dienstag starteten die französischen Streitkräfte eine Luftoffensive gegen die zentralmalische Ortschaft Diabaly, deren strategisch wichtige Militärbasis am Vortag von den Rebellen erobert worden war. Beobachter berichteten zudem, dass am Dienstabend auch ein Konvoi gepanzerter französischer Armeefahrzeuge gen Diabaly aufbrach. Paris ist alarmiert: Der jüngste Geländegewinn hat die Rebellen auf ihrem Feldzug gegen Süden bis auf 400 Kilometer an die Hauptstadt Bamako herangebracht.

"Ich rate den Franzosen, ihr Siegeslied nicht zu früh anzustimmen", erklärte der Rebellenführer Omar Ould Hamaha. "Sie haben es geschafft, Afghanistan zu verlassen. Mali jedoch werden sie nie verlassen." Dass französische Bodentruppen eingreifen wollten, sei "unser Vorteil", sagte Hamaha weiter. "Sie sollten wissen, dass jeder französischer Soldat, der unser Territorium betritt, besser schon vorher sein Testament schreiben sollte."

Die deutsche Hilfe für den französischen Militäreinsatz nimmt derweil allmählich Formen an. Die Bundesregierung prüft eine Bereitstellung von Transportflugzeugen, schloss eine Entsendung von Kampftruppen jedoch erneut aus. Sorgen über eine deutsche Beteiligung an den Scharmützeln versuchte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu zerstreuen: Es werde keinen Kampfeinsatz Deutschlands in Mali geben, versicherte Merkel am Dienstag dem Hörfunksender NDR Info. "Wir überlegen, ob wir logistische Unterstützung leisten oder humanitäre Hilfe", fügte sie hinzu.

Mit den jüngsten Gefechten zwischen französischen Streitkräften und Islamisten in Mali hat sich auch das Flüchtlingsdrama dramatisch verschärft. Rund 1.230 Einheimische seien vergangene Woche vor den Kämpfen in die Nachbarländer Niger, Burkina Faso und Mauretanien geflohen, sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks am Dienstag. Unklarer sei die Lage in Mali selbst, wo Schätzungen zufolge bis zu 30.000 weitere vertrieben wurden. Im vergangenen Jahr waren demnach rund 200.000 Malier in ihrer Heimat auf der Flucht, rund 144.500 suchten zusätzlich in Nachbarländern Schutz.

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