• The Wall Street Journal

Warren Buffett pariert den Angriff des Bären

    Von ANUPREETA DAS und ERIK HOLM

OMAHA - Doug Kass, ein 64-jähriger Hedgefonds-Manager aus Palm Beach in Florida, hatte sich wochenlang vorbereitet, um Starinvestor Warren Buffett Paroli zu bieten. Er erreichte sein Ziel nicht, der Starinvestor parierte die Attacken am Samstag mit ziemlicher Leichtigkeit.

Es ist Tradition auf den Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway, dass Buffett einige wenige Leute auswählt, die ihm stellvertretend für die Masse der Aktionäre Fragen stellen dürfen. In diesem Jahr entschied sich die Investorenlegende unter anderem für Kass, weil er eine skeptische Meinung zu Berkshire hat.

Reuters

Hedgefonds-Manager Doug Kass durfte Warren Buffett auf der Hauptversammlung löchern.

Der Hedgefonds-Manager ist eine Short-Position auf Aktien des riesigen Konglomerats eingegangen - das heißt, er wettet darauf, dass diese fallen werden. Einen Ruf als „Bär" verdiente er sich außerdem durch einen Artikel aus dem Jahr 2008, in dem er elf Gründe auflistete, warum man die Berkshire-Aktie verkaufen sollte.

Viele der wohlüberlegten Fragen, die Kass am Samstag stellte, beruhten auf den Themen, die er in dem Artikel angesprochen hatte. Dazu gehörten Fragen über die immense Größe Berkshires und die Zukunft des Konzerns, wenn Warren Buffett einmal nicht mehr ist. Diese Sorgen treiben auch viele andere Aktionäre um. Buffett jedoch wischte sie lässig beiseite: „Sie haben mich noch nicht überzeugt, dass ich die Aktie verkaufen soll, Doug", sagte er zu Kass.

Bei den 37.000 Aktionären, die zur jährlichen Buffett-Show nach Omaha gekommen waren, kam der Hedgefonds-Manager durchaus an. Auf dem Treffen, auf dem Buffett im Wesentlich bekannte Positionen wiederholte - Ja, er habe sich auf einen Nachfolger festgelegt, werde aber nicht sagen, wer es ist - habe Kass zu einer größeren Vielfalt und einer besseren Qualität der Fragen beigetragen, meinten viele Investoren.

Punkten konnte er im Duell mit Buffett gleichwohl nicht. „Ich glaube nicht, dass er den Beweis dafür geliefert hat, dass man Berkshire verkaufen sollte", sagte David Rolfe, Chef-Anlagestratege beim Finanzdienstleister Wedgewood Partners, der 4 Milliarden Dollar Vermögen verwaltet und auch Berkshire-Aktien hält. "Er hat gezeigt, dass die Tage der übergroßen Renditen vorbei sind. Aber das sagen Buffett und Munger seit Jahren." Charlie Munger ist Vize-Chairman bei Berkshire Hathaway und Buffetts rechte Hand.

Kass sorgte allerdings für einen der denkwürdigen Momente der rund fünfstündigen Versammlung, als er das Forum nutzte, um Buffett eine Idee vorzutragen. Im Wissen, dass der Berkshire-Chef Leerverkäufen generell kritisch gegenübersteht, schlug Kass Buffett vor, ihm 100 Millionen Dollar auf ein Konto zu überweisen, mit dem er eine Wette eingehen könne. Die Gewinne daraus würde er für wohltätige Zwecke stiften. Die Antwort kam von Charlie Munger: „Nein."

Associated Press

Zehntausende Aktionäre waren zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway nach Omaha gekommen, um Warren Buffett und seinem Vize Charlie Munger zu lauschen.

Kass hat stets seine Bewunderung und Ehrfurcht für Warren Buffett betont. Damit zählt er sicherlich zu den sanfteren Bären in der Finanzwelt. Auch seine Fragen hatten wenig von den scharfen Spitzen, die etwa der Hedgefonds-Manager Bill Ackman gegen den Nahrungsergänzungs-Hersteller Herbalife schießt, dessen Aktien er leerverkauft hat.

Immer wieder nutzte Kas stattdessen die Gelegenheit, um Fragen an die Aktionäre oder seine Mitstreiter auf der Bühne zu richten. Als erstes fragte er, warum der Berkshire-Konzern, der dadurch groß geworden ist, dass er Unternehmen günstig gekauft hat, sich inzwischen auf die Übernahme reiferer und teurerer Firmen verlagert habe, die zwar stabile Cash-Flows, aber geringere Renditen erzielten. "Soll Berkshire zu einem Indexfonds werden, der für Witwen und Waisen besser geeignet ist als für Fondsmanager?", fragte er.

Buffett entgegnete, was er schon früher zu dem Thema gesagt hatte: Berkshires Größe - der Konzern kommt inzwischen auf 80 Tochterfirmen, hat einen Börsenwert von 264 Milliarden Dollar und beschäftigt 288.000 Menschen - mache es dem Unternehmen schwer, die Erfolge der Vergangenheit fortzuführen. Der Behauptung, Berkshire mache teure Übernahmen, widersprach er jedoch: „ "Wir haben - zum Teil auf Drängen von Charlie - für gute Unternehmen mehr bezahlt, als wir es vor 30 oder 40 Jahren getan hätten. Aber auch wenn die Renditen etwas geringer ausfallen als in der Vergangenheit, können sie immer noch zufriedenstellend sein. Wir haben erkannt, dass es kein Fehler ist, für ein außergewöhnliches Unternehmen etwas mehr zu bezahlen."

Das sind die besten Chefs der Welt:

Associated Press

Eine andere Frage drehte sich darum, ob Buffetts Sohn Howard die nötige Qualifikation habe, um im Rahmen einer Nachfolgeregelung für den 83-Jährigen nicht-geschäftsführender Chairman des Konzerns zu werden. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Fehler machen, ist eins zu hundert", antwortet Buffett. "Seine Aufgabe ist es nicht, das Unternehmen zu führen... Er muss lediglich darüber nachdenken, ob der Verwaltungsrat und er den Vorstandschef auswechseln müssen."

In einem Interview nach der Fragerunde zeigte sich Kass zufrieden mit seinem Auftritt. Zwar sei Buffett ein paar Fragen wie der zu seinem Sohn ausgewichen. Insgesamt seien die Antworten aber ehrlich gewesen, und seine Fragen hätten die Investoren zum Denken animiert. "Mein Ziel war es, die Leute dazu zu bringen, dass sie die Dinge etwas skeptischer sehen", sagte Kass.

Mit seinen Fragen habe der Hedgefonds-Manager Buffett und Munger dazu gebracht, ihr Geschäft zu erklären, sagte Vermögensverwalter Bill Smead. Den Aktionären, die immer noch den Renditen der Vergangenheit anhingen, habe er damit geholfen, ihren Frust zu bewältigen. Mit seiner Hauptthese konnte Kass bei Smead allerdings nicht punkten: „Es ist töricht, die Aktie leer zu verkaufen. Und seine Fragen haben genau das gezeigt."

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