• The Wall Street Journal

Börse spekuliert über Schiffssparte der Commerzbank

    Von ISABEL GOMEZ

Die Commerzbank hat nicht vor, ihr Portfolio an Schiffskrediten, das derzeit noch mit 18 Milliarden Euro in den Büchern steht, in einer Blitzaktion zu verkaufen. Im November 2012 hatte man verkündet, die Schiffskredite bis 2016 um 40 Prozent abbauen zu wollen.

"An unserer in 2012 kommunizierten Abbaustrategie für das Segment Non Core Assets hat sich nichts geändert. Wir wollen die Portfolien wertschonend und über die Zeit abbauen: Es gibt keine Firesales. Das gilt auch für die Schiffsportfolios", sagt Stefan Otto, Bereichsvorstand Non Core Assets-Deutsche Schiffsbank.

Nicht zuletzt deshalb habe die Bank die Tochter "Hanseatic Ship Asset Management" gegründet. "Diese hat als konkretes Ziel, zukünftsfähige Schiffe weiter zu betreiben und der Bank das Wertaufholungspotenzial der Schiffe zu sichern. Mit der Gründung dieser Tochter haben wir ein weiteres Instrument geschaffen, das den Handlungsspielraum der Bank bei Restrukturierungen vergrößert", sagt Otto.

Händlern zufolge gibt es Gerüchte am Markt, wonach die Bank für das Portfolio einen so niedrigen Preis geboten bekommen hat, dass die damit verbundenen Abschreibungen das Eigenkapital der Bank aufbrauchen würden. Das belaste den Aktienkurs.

"Eine Abschreibung von 100 Prozent ist unwahrscheinlich", sagt Analyst Christian Hamann von der Haspa. Zudem müsse von den 18 Milliarden Euro der Betrag abgezogen werden, der bereits zur Risikovorsorge zurückgestellt wurde. Das seien rund 3 Milliarden Euro.

Lücke von ein bis zwei Milliarden Euro

Jedoch wäre bereits eine Lücke von ein bis zwei Milliarden Euro zwischen Bilanzposten und Kaufpreis nicht tragbar. "Selbst diese Lücke wäre nicht darstellbar, ohne Gefahr zu laufen, eine neue Kapitalerhöhung durchführen zu müssen. Nachdem sich der Aktienkurs nach der letzten Kapitalerhöhung noch nicht erholt hat, ist davon auszugehen, dass die Commerzbank-Aktionäre eine weitere Kapitalaufnahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitmachen würden", sagt Hamann.

Ein weiterer Grund, der gegen einen plötzlichen Verkauf spreche, sei die anstehende Bundestagswahl im Herbst. "Ich könnte mir vorstellen, dass der Bund nach der Wahl überlegt, seinen Anteil weiter zurückzufahren, aber keinesfalls vor der Wahl", erklärt Hamann. Der Bund hält nach Angaben der Commerzbank 17 Prozent der Commerzbank-Aktien.

Für einen Verkauf spreche, dass die Zufriedenheit der Aktionäre mit dem Management der Bank einen neuen Tiefpunkt erreicht habe. "Die Aktionäre fordern einen Befreiungsschlag", sagt Hamann. Allerdings sei der Verkauf der Schiffskredite en bloc als solcher nicht geeignet, da es sich dabei um ein zu riskantes Unterfangen handele.

Der Kurs der Commerzbankaktie notiert derzeit mit über zwei Prozent im Minus.

Kontakt zum Autor: isabel.gomez@dowjones.com

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