• The Wall Street Journal

Niedriger Goldpreis und Schulden zwingen Barrick in die Knie

    Von ALISTAIR MACDONALD
[image] Barrick Gold/Reuters

Der Verfall der Goldpreise hat die Minenbetreiber auf dem falschen Fuß erwischt. Im Vertrauen auf immer weiter steigende Preise stießen sie gigantische Projekte an und verschuldeten sich dafür hoch. Doch die Rechnung geht nicht mehr auf. Der weltgrößte Goldproduzent Barrick muss deshalb nun auf einen Schlag bis zu 5,5 Milliarden US-Dollar abschreiben.

Seit dem Höchststand vor einigen Wochen hat der Goldpreis mehr als ein Viertel seines Wertes verloren. Am Freitag ging eine Unze mit 1.223,60 US-Dollar aus dem Handel. Viele Produzenten können das Edelmetall bereits nicht mehr kostendeckend fördern. Für die weitere Finanzierung des Geschäfts ist den Minenbetreibern zugleich der Gang an die Kapitalmärkte verwehrt, weil mit dem Goldpreis auch ihre Aktienkurse gefallen sind. Kredite werden für die Minenbetreiber immer teurer.

Dem kanadischen Produzenten Barrick Gold wurden nun seine Träume mit der Mine Pascua Lama an der Grenze zwischen Chile und Argentinien zum Verhängnis. Dabei hat die Förderung dort noch gar nicht begonnen. Der Goldproduzent muss wegen des Preisverfalls sparen und verschiebt deshalb nun den Produktionsbeginn der Mine. Statt im zweiten Halbjahr 2014 soll es erst Mitte 2016 losgehen.

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Gold price continued to slide on Friday, hitting the lowest level in almost three years. Matt Day discusses. Photo: Getty Images.

Die Verschiebung wirft die bisherige Kalkulation über den Haufen, so dass Barrick auf die bisher vorgenommenen Investitionen eine Milliardensumme abschreiben muss. Die genaue Höhe steht noch nicht fest, sie soll bis zur Vorlage der Zweitquartalszahlen errechnet werden. Für die Kanadier war Pascua Lama der größte Hoffnungsträger.

Mit der Verschiebung der Minen-Eröffnung spart Barrick wertvolle Liquidität. Im laufenden und im kommenden Jahr kann das Unternehmen so 1,5 bis 1,8 Milliarden US-Dollar in den Konzernkassen belassen. Ursprünglich wollten die Kanadier 5 Milliarden in die südamerikanische Mine stecken. Die Kosten explodierten jedoch, zuletzt rechnete Barrick mit 8,5 Milliarden Dollar. Der Rückschlag für den Goldproduzenten ist groß. Analysten rechneten damit, dass Pascua Lama rund elf Prozent zum Umsatz des Unternehmens beitragen würde.

Neue Hiobsbotschaft vom Goldmarkt

Investoren wird die neue Hiobsbotschaft vom Goldmarkt nicht gefallen. Statt auf das Edelmetall haben einige auf Aktien der Goldminenbetreiber gesetzt. Das machte ihnen zuletzt aber keine Freude mehr. Barrick-Aktien haben im laufenden Jahr bereits die Hälfte ihres Wertes verloren. Die Nachricht über die Abschreibungen dürfte den Barrick-Aktienkurs am Montag weiter drücken.

Die Kanadier sind kein Einzelfall. Auch andere Goldminenbetreiber mussten bereits Abschreibungen auf den Wert ihrer Projekte vornehmen. Lange Zeit waren die meisten von ihnen weitgehend schuldenfrei. Aber der Boom der vergangenen Jahre ließ sie unvorsichtig werden. Zu teure Übernahmen und Projekte ließen die Schulden von Unternehmen wie Barrick Gold oder Wettbewerber Newmont Mining steigen.

Das Analysehaus BMO Capital Markets beobachtet 55 Goldunternehmen. BMO hat errechnet, dass diese ihre Schulden in den vergangenen zehn Jahren von weniger als 2 Milliarden Dollar auf über 21 Milliarden mehr als verzehnfacht haben. Kredite waren oft billig, die Versuchung groß. Nun fällt aber nicht nur der Goldpreis, auch die Kosten sind kräftig gestiegen. BMO rechnet vor, dass die Förderung von einer Unze im Jahr 2005 durchschnittlich nur 280 Dollar gekostet hat. Im vergangenen Jahr waren es 775 Dollar. Das macht eine Förderung oftmals unprofitabel.

Barrick hat es aber auf die Spitze getrieben. Kein anderer Goldförderer hat mehr Schulden gemacht. Alleine 7,7 Milliarden Dollar zahlten die Kanadier für die Übernahme des diversifizierten Bergbauunternehmens Equinox. Das ließ die Schulden auf fast 15 Milliarden Dollar anschwellen.

Verbindlichkeiten ein Problem

Die hohen Verbindlichkeiten sind nun ein Problem. Denn Barrick verdient kein Geld. Die Deutsche Bank hat errechnet, dass die Kanadier bei einem Preis von 1.300 Dollar je Unze für die Produktion 513 Dollar mehr ausgeben als sie einnehmen. Alleine im laufenden Jahr reißt dies eine Lücke von 3,4 Milliarden Dollar in die Konzernkasse.

Befürchtungen über einen möglichen Zahlungsausfall weist das Unternehmen zurück. Die Mehrzahl der Schulden müsse erst nach 2023 zurückgezahlt werden, sagt ein Barrick-Sprecher. Für die Aufnahme neuer Schulden müsste das Unternehmen aber hohe Zinsen zahlen. Kurzfristig ist das noch kein Problem. Barrick hat 2 Milliarden Dollar auf der hohen Kante und bereits Kostensenkungen eingeleitet. Auch könnte das Unternehmen Firmenteile verkaufen. Angesichts der Flaute bei den Goldpreisen ist die Zahl potenter Käufer aber klein.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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