• The Wall Street Journal

Intel sagt Goodbye zu „Mister Chips"

    Von ROLFE WINKLER

Intel war immer eine Aktie, die man als Anleger eigentlich im Portfolio haben sollte. Schade, dass das Geschäft des Chip-Konzerns ab jetzt nur noch eine Richtung kennen könnte: abwärts.

dapd

Intel-CEO Paul Ottelini wird nach seinem Rücktritt im Mai einen Chipriesen voller Probleme hinterlassen.

Intel-Chef Paul Otellini wird, wenn er sich im Mai in den Ruhestand verabschiedet, einen Konzern hinterlassen, der vor großen strategischen Herausforderungen steht. Das könnte viele Investoren abschrecken, die sich überlegt hatten, viel Geld in die eigentlich attraktive Aktie zu stecken.

Dem Datendienst FactSet zufolge hat von 137 nordamerikanischen Technologiefirmen mit einem Marktwert von über 1 Milliarde US-Dollar nur der Festplatten-Hersteller Seagate Technology sowohl eine höhere durchschnittliche Rendite des investierten Kapitals als auch eine niedrigere Bewertung als Intel.

Anders ausgedrückt: Intel erwirtschaftet Gewinne, die rund einem Viertel seiner beträchtlichen Investitionen entsprechen. Die Aktie ist im Vergleich dazu relativ günstig. Dazu kommt eine Dividendenrendite von etwa 4 Prozent. Daher lautet die Frage: Warum nicht in Intel investieren?

Weil das Unternehmen mehr zu verlieren hat als zu gewinnen, meint Analyst Stacy Rasgon von Bernstein Research.

Intel hat ein PC-Problem

Der Knackpunkt ist Intels PC-Problem. Das Unternehmen hatte im dritten Quartal laut Mercury Research einen Marktanteil von 83 Prozent bei PC-Chips. Die PC-Verkäufe sind laut Branchendienst IDC zuletzt allerdings um 8,6 Prozent abgesackt. Auch der Absatz in den schnell wachsenden Schwellenländern hat sich verlangsamt.

Ein wichtiger Grund ist der Erfolg mobiler Geräte. Insbesondere das iPad machte dem herkömmlichen Laptop Konkurrenz. Das Tablet aus dem Hause Apple läuft mit einem hauseigenen Prozessor, der auf der Technologie des Intel-Rivalen ARM basiert.

Intel kommt nicht nur beim iPad nicht vor, Intel kommt im gesamten Markt für mobile Geräte weitgehend nicht vor. Seine Chips finden sich nicht in Tablets oder Smartphones mit einem bedeutenden weltweiten Marktanteil. Langfristig gibt es zwar eine Chance, dass Intel in diesem Markt an Bedeutung gewinnt. Grund dafür ist die branchenführende Technologie, mehr Transistoren auf die Chips zu verbauen als jeder andere, was zu einer höheren Leistung führt. Die kostengünstigeren Chips aber, die üblicherweise in mobilen Geräten Verwendung finden, dürften keinen einflussreichen positiven Einfluss auf die Gewinne des Unternehmens haben.

Preisdruck im PC-Markt

Unterdessen könnte Intel der wachsende Preisdruck bei PCs Probleme machen. Beispielsweise versuchen die PC-Hersteller mit den sogenannten Ultrabooks Apples beliebtem MacBook Air Konkurrenz zu machen. Damit sich diese leichten Laptops aber in größeren Stückzahlen verkaufen, müssten die Hardware-Hersteller die Preise wohl deutlich unter 1000 Dollar senken. Das heißt auch, dass sie billigere Versionen von Intel-Chips verbauen müssen. Analyst Rasgon von Bernstein meint, dass dies ein Grund dafür sein wird, dass der durchschnittliche Verkaufspreis eines Intel-Chips im kommenden Jahr um 7 Prozent fallen wird.

Für die Erosion von Intels Dominanz bei PCs gibt es einen weiteren Grund: Hardware-Partner bringen mehr und mehr Tablets heraus, die auf Prozessen der britischen Firma ARM basieren. Unternehmen wie Qualcomm und Nvidia lizenzieren die Technik, um eigene Chips zu bauen.

Otellini hinterlässt seinem Nachfolger einen heiklen Posten.

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