• The Wall Street Journal

Dax-Konzerne lassen Anleger ins Dunkel tappen

    Von HEIDE OBERHAUSER-ASLAN

Bei Deutschlands Großkonzernen purzeln die Prognosen: Eon kassierte vergangene Woche seine Prognosen für 2013. Der Autokonzern Daimler hatte bereits im Oktober nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal die Ergebnisprognose für 2012 um eine Milliarde Euro reduziert und die angepeilten Renditeziele für 2013 gekippt. Auch die Deutsche Börse musste Ende Oktober die Prognose für die Nettoerlöse und das operative Ergebnis (EBIT) für 2012 senken.

Um sich diese Blöße zu ersparen, wagen immer mehr Unternehmen erst gar keinen Blick in die Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Anlegerschützer haben zusammen mit der Beratungsgesellschaft Kirchhoff Consult die Prognosen der Dax-Konzerne in den Geschäftsberichten für 2011 und den Halbjahresberichten des laufenden Jahres kritisch unter die Lupe genommen. Das Resultat ist „wenig erfreulich", sagt DSW-Präsident Ulrich Hocker. Die Prognosen seien oft wenig aussagekräftig und damit für Anleger schlicht nutzlos.

Die DSW hat die Dax-Konzerne anhand der Prognosequalität in drei Gruppen unterteilt. Das Prädikat "hohe Transparenz" erhielten dabei lediglich 6 Unternehmen, Fresenius, Fresenius Medical Care, Adidas, Deutsche Post, RWE und Münchener Rück. Im Vorjahr waren es 7 Firmen die in diese höchste Kategorie eingestuft worden waren. Der Großteil der Unternehmen nämlich 15 (Vorjahr 17) scheut nach wie vor konkrete Prognosen. Ihnen wird in der Studie eine mittlere Transparenz bescheinigt.

Anteil der "Vernebler und Verweigerer" wächst

Deutlich angestiegen ist im Vergleich zur Auswertung im Vorjahr die Zahl der Unternehmen, denen die DSW eine mangelhafte Transparenz zuspricht, weil sie entweder gar keinen oder nur einen sehr ungenauen Ausblick gaben. Demnach sind 9 Unternehmen nur wenig transparent bei den Prognosen. Im Vorjahr landeten nur sechs Dax-Firmen in der Kategorie, die Hocker als "Prognosevernebler respektive -verweigerer" brandmarkt. Kaum transparent sind demnach BASF, BMW, Beiersdorf, Deutsche Bank, HeidelbergCement, Deutsche Lufthansa, Linde, Thyssen Krupp und Merck.

Viele Unternehmen hätten immer noch nicht begriffen wie groß die Relevanz der Prognosen für Anleger sei, kritisiert Hocker. Der Kauf einer Aktie sei immer auch eine in die Zukunft gerichtete Aktion. Prognosen seinen ein unentbehrliches Instrument, wenn es darum gehe den fundamentalen Zustand eines Unternehmens und die mögliche Kursentwicklung realistisch einschätzen zu können. Gerade in krisenhaften und damit schwer kalkulierbaren Zeiten verlange niemand von den Unternehmen, dass sie Gewinn und Dividende auf Euro und Cent genau vorhersagten. Vielmehr gehe es darum Markttrends zu erkennen und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das eigene Unternehmen zu prognostizieren, sagte Hocker. "Dazu sollte ein Management, das sich in den Märkten auskennt, in denen es sich bewegt, eigentlich in der Lage sein", fordert er.

Kontakt zum Autor: heide.oberhauser@dowjones.com

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