• The Wall Street Journal

Swiss Life zieht bei AWD die Notbremse

    Von MADELEINE NISSEN

Der Finanzdienstleister AWD könnte bald Geschichte sein. Der Lebensversicherer Swiss Life erklärt die Milliardenübernahme des Finanzdienstleisters AWD für gescheitert. Den wegbrechenden AWD-Einnahmen wollen die Schweizer mit einer Komplettreform begegnen, an deren Ende der Name AWD verschwunden sein soll. „In Zukunft wird es AWD als Finanzberater mit Handelsvertretern nicht mehr geben", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person dem Wall Street Journal Deutschland. Die Swiss Life schweigt dazu.

Nach Informationen des Firmeninsiders wollen die Schweizer die Kosten bei AWD durch einen radikalen Stellenabbau nach unten drücken. Dem gescheiterten Engagement bei dem Finanzdienstleister werde Swiss Life mit Abschreibungen auf den Firmenwert in dreistelliger Millionenhöhe Tribut zollen. In Deutschland fasst die Swiss Life ihre Aktivitäten unter einer Holding zusammen. „Die AWD Holding soll mit der Swiss Life Deutschland zusammengelegt werden", erklärte die Person. Die neue Strategie ermöglicht den Schweizern hohe Einsparungen, insbesondere mit Hilfe von Stellenabbau. „Es werden bis zu 500 Mitarbeiter im Back Office gehen müssen, wo die bislang getrennten Abläufe überflüssig werden", sagte die Person.

dapd

Abbrucharbeiten: Noch kürzlich wurde das Logo des Finanzdienstleisters AWD farblich leicht verändert, jetzt könnte der Name komplett verschwinden.

Der Hannoveraner Finanzdienstleister wurde im Jahr 1988 gegründet. Unter dem schillernden Vorstandschef wurde AWD schnell zu einer Erfolgsstory und zählte zeitweise 6.000 Berater. Im Jahr 2008 ließ sich Maschmeyer sein Lebenswerk vergolden und verkaufte an Swiss Life. Mit dem Verkauf zog er sich aus dem operativen Geschäft bei AWD zurück, er arbeitet aber weiter als Unternehmer, Berater und Finanzinvestor.

Nun wird Maschmeyers Werk nach und nach aufgelöst. Die AWD-Belegschaft in Deutschland soll bei der vorgezogenen Weihnachtsfeier am 1. Dezember mit den Plänen konfrontiert werden. „Da kommen die 3.000 Mitarbeiter in einen Raum und sollen von dem Motivationstrainer und ehemaligen Handballspieler Jörg Löhr auf die neue Strategie eingeschworen werden", erklärte der Firmen-Insider.

Führungskräfte sollen degradiert werden

Doch es sind schwere Brocken, die die AWD-Mitarbeiter schlucken müssen: Angefangen bei Provisionskürzungen bis hin zu Abstufungen auf der Karriereleiter. „Die entscheidende Änderung wird sein, eine der Hierarchiestufen abzuschaffen. Es soll nur noch drei statt vier Ebenen geben", erklärte die Person. Konkret sollen die beiden mittleren Führungsebenen zusammengelegt werden. Die besten Manager sollen Führungsfunktionen behalten, den restlichen Mitarbeitern wird ein Job auf einer niedrigeren Hierarchiestufe angeboten. „Danach wird es viele Abgänge geben", prognostizierte der Unternehmenskenner. „Kaum ein ehemaliger Büroleiter wird es sich gefallen lassen, wieder als Vertriebsmann auf Tour zu gehen."

Die AWD-Direktoren versuchen noch das Ruder herumzureißen. Sie haben einen Brief an die Schweizer Führung geschrieben, in dem sie sich gegen die Pläne auflehnen. Doch die Chancen auf Erfolg sind gering. „Hier geht es um Millionenabschreibungen und um den Börsenwert, da wird Swiss Life nicht mit sich reden lassen", erklärte die Person.

dapd

Im März 2008 feiert der damalige Vorstandschef Carsten Maschmeyer den 20. Geburtstag von AWD. Eine Party zum 25. Jubiläum dürfte es nicht mehr geben.

In der Schweiz sollen künftig unter dem Dach der Swiss Life Holding die Töchter AWD Schweiz und Swiss Life Schweiz geführt werden. „Swiss Life soll dann Anlagen von Drittanbieter vertreiben, während die Schweizer AWD unter dem Namen Swiss Life Best Select" mehr Produkte der Swiss Life an den Mann bringen soll", erklärte der AWD-Kenner. Langfristig ist eine Verschmelzung das Ziel. „Beide werden dann über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren zusammengelegt."

Mit diesen Maßnahmen zieht Swiss Life die Notbremse bei der von Anfang an unter einem schlechten Stern stehenden AWD-Übernahme: Der Kauf fiel mitten in die schwerste Finanzkrise seit Jahrzehnten, mit deren Nachwirkungen die gesamte Finanzbranche noch immer kämpft.

Neben den Banken bekommen insbesondere Finanzdienstleister wie AWD und MLP die Folgen zu spüren. Die Bereitschaft, Kapital an den nach wie vor schwankenden Aktienmärkten anzulegen, ist gerade in Deutschland gering. Auch neigen die Anleger angesichts der drohenden Inflation eher dazu, Immobilien zu kaufen, als jahrelang in einem Fonds zu sparen. Die Folge: Den Finanzberatern brechen die Provisionen weg.

Anlegerklagen kosten Image und viel Geld

Auch ein anderes Problem machte den Kauf zu einem Flopp. AWD hat wegen der Klagen von Anlegern, die sich falsch beraten fühlen, nicht nur ein angeknackstes Image, sondern muss auch mit hohen Prozesskosten fertig werden.

Swiss Life hofft nun auf eine positive Reaktion an der Börse. Der Aktienkurs hat sich seit der Übernahme von AWD halbiert. Aktuell kostet eine Aktie rund 117 Schweizer Franken. Das Hoch der Aktie lag im Jahr 2000 bei mehr als 750 Franken.

„Mit den Abschreibungen und der Verschmelzung will Swiss Life einen Schlussstrich unter das Kapital AWD setzen", erklärte die Person. Vom ehemals 6.000 Berater starken Hannoveraner Finanzdienstleister wird nach rund vier Jahren unter der Schweizer Führung wenig übrigbleiben.

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

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