• The Wall Street Journal

Sky-Aktie fliegt immer höher

    Von BENJAMIN KRIEGER
dapd

Der Unternehmenssitz von Sky Deutschland in Unterföhring bei München. Die Aktie des Bezahlsenders gewinnt rasant.

„The Sky is the limit". Diese Botschaft gilt offensichtlich auch für die Sky-Aktie. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs des Bezahlsenders fast verdreifacht. Damit ist die Aktie absoluter Spitzenreiter unter allen deutschen Standardwerten. Als jüngster Kurstreiber entpuppt sich die Aussicht auf möglicherweise milliardenschwere Steuervorteile durch jahrelang aufgehäufte Verluste. Doch für die Kursrakete des Jahres ist vor allem das immer bessere operative Geschäft verantwortlich.

Wie der Steuerdeal funktioniert

Die Aktie steigt so stark, weil Sky Deutschland signalisiert hat, dass Hauptaktionär News Corp seine Beteiligung aufstocken kann, ohne dass die über Jahre angehäuften Verlustvorträge wertlos werden. Mit Verlustvorträgen können Unternehmen zurückliegende Verluste mit künftigen Gewinnen verrechnen, was die Steuerlast der Zukunft drückt.

Auch nach einer Änderung der Gesellschafterstruktur sei das möglich, ist das Sky-Management überzeugt, nachdem das Finanzamt die „methodische Vorgehensweise" zum Erhalt von steuerlichen Verlustvorträgen verbindlich bestätigt hat.

Wichtig werden könnte diese Steuerfrage, sollte Sky-Großaktionär NewsCorp, zu dem auch Dow Jones und das Wall Street Journal gehören, die Mehrheit bei dem Fernsehsender übernehmen wollen. Das ist zwar noch völlig offen, doch am Markt machten sich Übernahmephantasien breit, nachdem Sky seine Auffassung zu den steuerlichen Verlustvorträgen veröffentlichte. Gegenwärtig hält News Corp 49,9 Prozent an Sky Deutschland.

Bei dem Sender haben sich per 30. September Verlustvorträge von 2,3 Milliarden Euro aufgetürmt. 2,1 Milliarden Euro davon entfallen auf das operative Geschäft in Deutschland. Ob Sky tatsächlich die volle Höhe der Verlustvorträge nutzen kann, ist aber unklar. Das Unternehmen ist zuversichtlich, dass es sich dabei um einen "signifikanten Teil" handelt.

Anfang Februar stellte das Unternehmen nach einer elend langen Verluststrecke erstmals schwarze Zahlen in Aussicht. Die Aktie schoss daraufhin in der Spitze um fast 40 Prozent nach oben. Für Euphorie am Markt sorgte vor allem die Ankündigung, dass der australische Großinvestor Rupert Murdoch mit seiner News Corp das künftige Wachstum finanzieren wolle. Zum seinem Medienkonzern gehören auch das Wall Street Journal und Dow Jones.

Kauf der Bundesliga-Rechte

Den nächsten Paukenschlag setzte Sky Deutschland mit dem Kauf der Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga bis 2016/2017. Fast eine halbe Milliarde Euro lässt der Pay-TV-Sender sich das pro Saison kosten. Doch selbst dieser hohe Preis konnte die Investoren nicht schocken. Im Gegenteil: Als die Unterföhringer den Coup am 17. April veröffentlichten, schoss die Aktie um fast 30 Prozent nach oben. Der Börsenumsatz an diesem Tag war mit mehr als 32 Millionen gehandelten Aktien der zweithöchste der Unternehmensgeschichte.

Mitte Juni zog der Aktienkurs weiter an, in nur zwei Tagen um bis zu 20 Prozent. Im Handel kursierten zu dieser Zeit Spekulationen, dass die Bundesligarechte für kräftig steigende Abonnentenzahlen sorgten. Nur zwei Wochen später erfuhr Dow Jones aus Branchenkreisen, dass Sky Deutschland im zweiten Quartal erstmals seit der Umfirmierung 2009 einen Gewinn einfahren werde. Zu diesem Zeitpunkt kostete die Aktie knapp drei Euro und hatte sich somit seit Jahresbeginn bereits verdoppelt.

Zuschauerzahlen übertreffen Analystenschätzungen

Der Quartalsbericht vom 14. August bestätigte die Spekulationen. Von April bis Juni hatte das Unternehmen einen operativen Gewinn von 23 Millionen Euro eingefahren. Die Zahl der Neukunden betrug 47.000. Beide Zahlen übertrafen die Schätzungen von Finanzanalysten deutlich. Große Investmentbanken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und UBS stuften die Aktie hoch oder erhöhten ihre Kursziele. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Sky-Aktie zu einer „Turnaround-Story" geworden.

Ein Quartal später hatte sich die Zahl der Neukunden mit 80.000 bereits fast verdoppelt. Zudem setzte Sky pro Kunde mehr um und die Stornierungen gingen zurück. Der operative Gewinn der Monate Juli bis September übertraf die Konsensprognose von Analysten um mehr als das Doppelte. Zum zweiten Mal in Folge hatte der bislang chronisch defizitäre Bezahlsender operativ einen Gewinn geschrieben. Die Aktie zog in der Tagesspitze um fast zwölf Prozent an.

Sky-Aktie wieder über vier Euro

Am Mittwoch ist die Sky-Aktie erstmals seit mehr als drei Jahren wieder über vier Euro gestiegen. Möglicherweise kann das Unternehmen die hohen Verluste, die es noch aus schlechten Zeiten vor sich her schiebt, selbst bei einer neuen Gesellschafterstruktur steuermindernd nutzen. Das sorgt bei Investoren für Übernahmefantasie: „Sollten die stillen Reserven genutzt werden können, dann rechnen wir mit einem Ausbau ihres Anteils durch die News Corp", prognostiziert die Barclays Bank.

Sky hat seit dem Einstieg von Rupert Murdochs News Corp vor gut vier Jahren noch nie Gewinn gemacht. Auch in der 22-jährigen Geschichte des Senders sind schwarze Zahlen rar und kamen meist durch Verkäufe von Firmenteilen oder andere Sonderfaktoren zustande. 2005 war Premiere an die Börse gegangen, drei Jahre später wurde bekannt, dass der Sender die Zahl seiner Abonnenten um eine Million geschönt hatte.

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