• The Wall Street Journal

Kaffeetraditionalisten sollen Kapsel-Fans werden

    Von ELLEN BYRON

Coffee snobs, be warned: This could be the year you buy a single-cup coffee maker.

Dieses Jahr könnte es endlich so weit sein, glauben die Hersteller von Kaffeemaschinen: In diesem Jahr könnten selbst die Traditionalisten unter den Kaffeetrinkern endlich zum Kauf einer Kapsel- oder Padmaschine bewegt werden.

Einige neue Geräte dieser Art kommen rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt und es gibt kaum Konkurrenz durch andere teure Produktneuheiten, die einfach jeder haben muss.

Während Traditionalisten manchmal die Nase rümpfen, sind die Kapselnutzer zufrieden, dass sie nie mit abgestandenen Kaffeeresten Vorlieb nehmen müssen. An manchen Maschinen kann man Stärke, Geschmack und sogar die Temperatur einstellen.

[image] Starbucks

Beim Verismo-System von Starbucks wird Hochdrucktechnik aus der Schweiz verwendet. Die Maschine kostet 149 Euro, die Kapseln gibt es im Dutzend ab 4,49 Euro.

[image] Nesspresso

Nestlé hat im September sein Nespresso-U-System ausgeweitet. Ein Gerät kostet um die 150 Euro, und für etwa 50 Euro mehr ist darin auch ein Aeroccino Plus enthalten, mit dem sich frische Milch aufschäumen lässt.

Der Haken an der Sache ist, dass jede neue Maschine ihr eigenes Pad- und Kapselsystem hat. Wer ein solches Gerät kauft, kommt in Zukunft nie mehr um den Kauf von teuren, markenspezifischen Kaffeekapseln herum. Kein Wunder also, dass die Hersteller mit immer ausgefalleneren Funktionen Kunden gewinnen und binden wollen. Im September heizte Starbucks den Wettbewerb zusätzlich an, als die Kette ihr eigenes Kaffeesystem namens Verismo auf den Markt brachte.

In Büros haben Kapselmaschinen schon vor langem Einzug gehalten, doch nun wollen die Hersteller auch die Privathaushalte erobern. Schon jetzt haben 24 Prozent aller US-Haushalte ein solches Gerät. Damit hinken die Kapseln nur den ganz traditionellen Filtermaschinen hinterher, berichtet die Marktforschungsfirma Mintel. Während 2010 noch 381 Millionen Dollar für Kaffeekapseln ausgegeben wurden, werden es dieses Jahr wohl 1,8 Milliarden Dollar sein – beinahe eine Verfünffachung, sagt Mintel.

Keurig

Mit der Keurig Rivo (Preis: 230 US-Dollar) kann Espresso zubereitet und Milch geschäumt werden.

Doch bei einigen Marken sinken die Preise schon. So läuft zum Beispiel das Patent für die Keurig K-Cup-Kapseln aus. Andere Hersteller dürften bald billigere Alternativen auf den Markt bringen.

Ob sich die Kaffeekapseln auch finanziell lohnen, hängt von den Gewohnheiten des Verbrauchers ab. Mit Kapseln kostet eine Tasse zwischen 30 Cent und 1,20 Euro, je nach Maschine und Kaffeeart. Bei Starbucks kostet ein Kaffee mindestens 1,50 Euro. Am günstigsten ist es immer noch, eine ganze Kanne Filterkaffee zu kochen. Dann kostet eine Tasse in der Regel zehn bis 25 Cent, doch nur, wenn die Kanne auch wirklich leer wird.

Geschäumte Milch für einen Cappuccino herzustellen fällt den meisten Kapselmaschinen noch schwer. Die Verismo-Maschinen von Starbucks haben dafür ihr eigenes System. Für die Geräte gibt es Zwölferpackungen Kaffeekapseln ab 4,49 Euro zu kaufen. Mit Kapseln mit Milchpulver stellt das Gerät cremige Milch für Latte Macchiatos her. Wer einen trockeneren Schaum für einen Cappuccino will, kann ein Extragerät dazukaufen.

Anleitung zum Glücklichsein - mit Kaffee

Starbucks glaubt nicht, dass durch diese Maschinen Kunden verloren gehen. Die Verismo-Maschinen sollen Kunden dann erreichen, wenn sie das Haus nicht verlassen wollen. „Wir erfüllen damit die Nachfrage, wo wir den Kunden vorher nicht ausreichend bedienen konnten", sagt Paul Camera, Leiter für Forschung und Entwicklung bei Starbucks. 75 Prozent der Starbucks-Kunden besäßen noch keine Kapselmaschine.

Laut Umfragen von Keurig tranken dieses Jahr 31 Prozent aller Amerikaner mindestens ein Espressogetränk pro Woche, 2010 waren es noch 22 Prozent. Unter 25- bis 39-Jährigen lag dieser Anteil über 50 Prozent.

Nestlé hat im September sein Nespresso-U-System ausgeweitet. Ein Gerät kostet um die 150 Euro, und für etwa 50 Euro mehr ist darin auch ein Aeroccino Plus enthalten, mit dem sich frische Milch aufschäumen lässt. Zur Weihnachtszeit betont Nespresso die Qualität seiner Kaffeekapseln und bietet sogar limitierte Editionen an: Derzeit sind Kapseln mit der Kaffeesorte Hawaii Kona Special Reserve erhältlich – für 1,20 Euro pro Kapsel. Die regulären Espressokapseln kosten 35 bis 42 Cent.

Viele Nutzer von Kapselmaschinen legen sich noch eine zweite Maschine zu, sagt Frederic Levy, Präsident von Nespresso USA. „Die erste Maschine ist für die Küche, die zweite für das Schlafzimmer. Verbraucher können gleich nach dem Aufwachen Kaffee kochen."

Amy Mueller, 28, kocht während der Woche mit ihrer Keurig-Maschine Kaffee. Sie sagt, die Maschine sei so leicht zu gebrauchen, dass sie pro Woche etwa eine Tasse mehr trinkt. Doch am Wochenende nutzt sie lieber ihre Cafetière. „Ich liebe den Geruch von Kaffeepulver und wie das Haus danach riecht", sagt sie.

Die Marke Tassimo, die von Bosch und Kraft Foods hergestellt wird, hat diesen Herbst das Modell T55 auf den Markt gebracht. Die Maschine kann sowohl Espresso als auch Kaffee kochen. „Für das Weihnachtsgeschäft werden wir mit diesem Gerät eine ausgewachsene Werbekampagne fahren", sagt Tyson Deal, Vertriebsmanager bei Bosch USA.

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