• The Wall Street Journal

Oracle zeigt es HP: So gehen Akquisitionen

    Von ROLFE WINKLER
dapd

Ist fein raus: Mark Hurd, Ex-Chef von HP und heute Co-President des Datenbankherstellers Orcale.

Mark Hurd ist heute fein raus. Der heutige Co-Präsident des Softwareriesen Oracle hat nämlich genau das nicht gemacht, womit sein ehemaliges Unternehmen derzeit schwer zu kämpfen hat. Der Computerhersteller Hewlett-Packard, dem Hurd bis 2010 als CEO vorstand, hat letztes Jahr die britische Softwarefirma Autonomy übernommen und musste nun Milliarden abschreiben.

Autonomy-Gründer Mike Lynch hatte Hurd im April 2011 bei Oracle einen Besuch abgestattet, um für eine Übernahme seines Unternehmens zu trommeln. Hurd biss damals nicht an. So stellt es zumindest Oracle dar.

Später ließ Oracle verlauten, Hurd habe Lynch gesagt, selbst 6 Milliarden Dollar seien noch zu viel für Autonomy. Hewlett Packard legte später etwa 11 Milliarden Dollar auf den Tisch. Das meiste davon ist mittlerweile abgeschrieben.

Lynch widerspricht. Er bestätigte zwar die Zusammenkunft mit Hurd. Er habe aber nicht versucht, sein Unternehmen zu verkaufen.

Ob nun wahr oder nicht, der Erfolg von HP und Oracle mit Zukäufen könnte unterschiedlicher nicht sein. Während HP große Teile seines Marktwertes nach und nach mit seinen Einkaufstouren zunichte gemacht hat, schuf Oracle mit Akquisitionen beträchtlichen Mehrwert. Oracle hat es nämlich stets geschafft, nicht zu viel zu bezahlen, und außerdem die übernommenen Unternehmen gut zu integrieren.

Seit dem Geschäftsjahr 2005 hat Oracle eine Menge Geld für Zukäufe ausgegeben - rund 40 Milliarden Dollar in bar. Dafür hat Oracle aber auch eine ganze Menge vorzuweisen. Der jährliche Cashflow hat sich seitdem mehr als vervierfacht, die Marktkapitalisierung ist mittlerweile fast drei Mal so groß.

Selbst die Übernahme von Sun Microsystems sollte sich trotz sinkender Erlöse langfristig als Erfolg erweisen. Allerdings sind die gelungenen Übernahmen kaum Hurd zuzuschreiben. Er hat zwar Autonomy einen Korb gegeben. Die größten und besten Deals hat Oracle jedoch schon vor seiner Ankunft eingefädelt.

Man kann bei Mark Hurd, der nach internen Untersuchungen im August 2010 von seinem Posten bei HP zurücktreten musste, auch kaum von einer makellosen Übernahme-Historie sprechen. In seiner Zeit als HP-Chef war er verantwortlich für die Akquisition des Technologie-Dienstleisters EDS. Dieser Deal hat im Nachhinein Milliarden an Restrukturierungskosten verschlungen und Abschreibungen von 8 Milliarden Dollar verursacht.

Übernahmen sind berüchtigt dafür, Werte zu vernichten. Alle, die wissen wollen, wie es geht, sollte vielleicht das "Oracle" befragen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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