• The Wall Street Journal

In den USA kommt das Gründervisum nicht voran

    Von VAUHINI VARA
[image] Jason Henry for The Wall Street Journal

Asaf Darash kommt aus Israel, lebt aber in San Francisco, wo er vor zwei Jahren das Softwareunternehmen RegPack gründet. Er sucht nach Möglichkeiten, seine Aufenthaltserlaubnis in den USA zu verlängern, aber mit den bestehenden Visa ist das schwierig.

SAN FRANCISCO – Asaf Darash wurde in Israel geboren, lebte später in Australien und hat in den USA die Softwarefirma Regpack gegründet, nachdem er 2010 nach Amerika umgezogen ist. Inzwischen beschäftigt seine Firma in San Francisco 15 Angestellte. Als Darash im April sein Visum erneuern wollte, um Regpack weiterführen zu können, lehnte die Einwanderungsbehörde seinen Antrag ab.

Darash ist kein Einzelfall. Eine Gruppe von Unternehmern, Investoren und anderen Interessensvertretern fordert von Politikern eine Lösung. Die USA soll ein neues Visum ausgeben, mit dem ausländische Unternehmensgründer eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen können. Das Visum soll Unternehmeern wie Asaf Darash helfen, im Land zu bleiben.

Der Israeli reiste in die USA mit einem J-2-Visum ein. Das hatte er bekommen, weil seine Frau in den an einem akademischen Austauschprogramm teilnahm. Im April beantragte er über seine Firma ein H-1B-Visum, mit dem ausländische Angestellte amerikanischer Unternehmen in die USA kommen können.

Im September bekam Darash von der Einwanderungsbehörde einen Brief, in dem sein Wunsch abschlägig beschieden wurde. Für ihn könne kein Anstellungsverhältnis bei Regpack nachgewiesen werden, lautete die Begründung. Und die ist schlüssig. Firmen, die H-1B-Visa für ihre Mitarbeiter beantragen, müssen nachweisen, dass sie über das Anstellungsverhältnis mit dem Visum-Kandidaten entscheiden. Das heißt, sie müssen ihn notfalls auch entlassen können. Für einen Gründer wie Darash ist ein solcher Nachweis nur schwer zu führen, schließlich würde sich ein Eigentümer kaum selbst feuern.

Darash ist sicher, dass seine Bewerbung an diesem Problem gescheitert ist. Um das Unternehmen vor Ort weiterführen zu können, das er mit seinem eigenen Geld gegründet hat, versucht er es jetzt mit einem E-2-Visum. Es ist für Investoren gedacht, die aus Ländern stammen, mit denen die USA Geschäftsbeziehungen unterhalten. Damit es ausgestellt werden kann, müssen die Bewerber eine größere Geldsumme in den USA investieren und dort leben, um das Unternehmen „weiterzuentwickeln und zu führen".

Bei der Einwanderungsbehörde ist das Problem bekannt, auch wenn deren Sprecher Bill Wright wollte sich zum Fall Darash nicht äußern wollte. Man „untersuche die Probleme von Unternehmern, die ein H-1B-Visum beantragen wollten, um für ihre eigenen Start-up-Firmen zu arbeiten", sagte Wright.

Vertreter von Technologiefirmen und anderen Interessengruppen haben inzwischen den Kongress aufgefordert, den sogenannten Startup Act 2.0 zu ratifizieren, ein Gesetzvorhaben, dass der republikanische Senator Jerry Moran aus Kansas mit Unterstützung von zwei weiteren Senatoren aus beiden politischen Lagern eingebracht hat.

Die Obama-Regierung hat sich dazu zwar noch nicht direkt geäußert, doch in seiner Rede zur Lage der Nation vom vergangenen Januar hat der Präsident zumindest einem Teil der vielen Einwanderern Hoffnung gemacht, bleiben zu können, darunter auch jenen, die „ein neues Unternehmen" gründen wollen. „Wenn mir jemand einen Gesetzesvorschlag schickt, der diesen Menschen die Staatsbürgerschaft ermöglicht, unterschreibe ich es sofort", sagte Obama.

Das aktuelle Gesetzesvorhaben zielt auf eine ganze Reihe von Änderungen beim Einwanderungsgesetz. Zum Beispiel sollen ausländische Unternehmer legal in den USA bleiben dürfen, wenn sie im ersten Jahr, nachdem sie ein Startup-Visum erhalten haben, mindestens 100.000 Dollar für Investitionen eingeworben und mindestens zwei amerikanische Arbeitskräfte eingestellt haben.

Gründer von Unternehmen aller Art, seien es Internetfirmen, Restaurants oder Müllunternehmen, abfuhren, sollen sich auf eines von jährlich 75.000 Visa bewerben können. Es soll für vier Jahre gültig sein, solange es dem Inhaber gelingt, in den letzten drei Jahren der Gültigkeit durchschnittlich mindestens fünf Vollzeitangestellte zu beschäftigen. Anschließend soll der Unternehmer auf eine Greencard bewerben können, mit der er unbegrenzt im Land bleiben und arbeiten darf. Ob das Gründerkapital von amerikanischen Investoren kommen muss, wird in dem Gesetzesentwurf nicht ausgeführt.

Bevor aus dem Vorhaben Wirklichkeit wird, sind einige Hürden zu nehmen. Ein erster parteienübergreifender Versuch für einen Startup Visa Act aus dem Jahr 2011 kam über die Ausschüsse nicht hianus, weil im Wahljahr andere Prioritäten galten. „Ich glaube, wir verlieren in den USA den Wettbewerb um talentierte Unternehmer", beklagt der republikanische Senator und Initiator der Idee, Jerry Moran.

Die amerikanische Handelskammer, die sich zu dem Thema lange nicht geäußert hatte, suchte in den vergangenen Wochen den Schulterschluss mit Initiativen pro Gesetzesänderungen, um den Weg für das Gründervisum zu ebnen. Schon im vergangenen Jahr haben mehrere Unternehmer aus dem Silicon Valley die gemeinnützige Gruppe Engine Advocacy ins Leben gerufen, die das Thema auf die politische Tagesordnung heben soll.

Und es gibt noch mehr Befürworter. Die Gruppe Partnership for a New American Economy, die 2010 vom New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg und Unternehmenschefs wie Jim McNerney von Boeing gegründet wurde, weist darauf hin, dass ihre Mitglieder seit Jahresbeginn 21 Meinungsstücke zu dem Thema in Zeitungen veröffentlicht hätten. Die Gruppe zählt inzwischen 500 Mitglieder, 300 mehr als noch im Juni 2011. Aktiv ist dort auch Rupert Murdoch, der Chef von News Corp, dem Mutterkonzern des Wall Street Journal.

Anders als Kanada und Neuseeland kennt die USA bislang kein Visum speziell für Unternehmer. Daher bewerben sich Einwanderer, die ein Unternehmen gegründet haben, meist auf andere Visa, darunter das schon genannte H-1B für Angestellte und das O-1 für Menschen, die nationale oder internationale Anerkennung für „außerordentliche Fähigkeiten" vorzuweisen haben. „Das ist die allerdümmste Gesetzessituation, die es im Zusammenhang mit High-Tech-Einwanderern in den USA gibt", schimpft Eric Schmidt, der Chef von Google. „Diese Menschen werden Milliarden Dollar in unsere Wirtschaft pumpen und uns helfen, in jeder Branche Spitzenklasse zu sein."

Gegner der Initiative warnen allerdings, dass ein solches Gesetz zum Betrug einlade. Einwanderer könnten Scheinfirmen gründen, nur um ein Visum zu bekommen, argumentieren.

„Die Erfahrung mit diesen Investitionsvisa ist nicht besonders gut", sagt etwa Ira Mehlman, der Sprecher der konservativen Federation for American Immigration Reform, die sich für eine Einschränkung der Einwanderung stark macht. Als Beispiel verweist er auf das EB-5-Visum, das Ausländern eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt, wenn sie in neue Arbeitsplätze in den USA investieren. Manchmal sei der Nutzen nur schwer zu belegen, kritisiert Mehlman.

Vielen Unternehmern verdirbt diese Gesetzeslage das Interesse, in den USA eine Firma zu gründen. Ausländische Studenten strömen zwar nach wie vor an amerikanische Universitäten, doch der Anteil der Firmen in Silicon Valley, die von Ausländern gegründet werden, nimmt stetig ab. Eine aktuelle Studie der Kauffman Foundation zeigt, dass 44 Prozent aller Firmen im Silicon Valley, die seit 2006 gegründet wurden, von Einwanderern aus der Taufe gehoben wurden. Das scheint viel, doch zwischen 1995 und 2005 galt das noch für 52 Prozent der Neugründungen.

Nicht nur Asaf Darash wartet sehnsüchtig auf eine Aufenthaltserlaubnis. Der 27-jährige Kanadier Collin Vine, der zu den Gründern des Startup-Unternehmens Zirtua gehörtt, sitzt im kanadischen Vancouver fest und hofft, dass sein H-1B-Visum bewilligt wird.

Um es zu bekommen und nicht wie Darash zu scheitern, haben er und seine Mitgründer bei Zirtual eine Stelle als „Corporate Wellness Director" erfunden, die zu Vines Bachelorabschluss in Kinesiologie passt. „Meine Bewerbung für mein H-1B-Visum deckt sich nicht unbedingt mit meiner tatsächlichen Rolle im Unternehmen", sagt Vine. „Wir mussten eine ganz schöne Lügengeschichte erfinden, um die Hürden bei der Bewerbung zu nehmen."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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