• The Wall Street Journal

Für UBS wird Libor-Skandal teurer als erwartet

    Von JEAN EAGLESHAM und DAVID ENRICH

Der Schweizer Bank UBS droht im Skandal um Zinsmanipulationen eine höhere Strafe als erwartet. Das Geldhaus dürfte sich noch in dieser Woche zur Zahlung von etwa 1,5 Milliarden US-Doller bereit erklären, um das Verfahren beizulegen, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen. Angesichts der massiven Strafe dürften die Sorgen bei anderen Banken, die ebenfalls in den Libor-Skandal verwickelt sind, zunehmen.

UBS wird ebenso wie andere Institute beschuldigt, die London Interbank Offered Rate (Libor) manipuliert zu haben. Weltweit orientieren sich zahlreiche Anlageprodukte an dem Zinssatz. In der vergangenen Woche hieß es, dass die Bank eine Strafe von mehr als eine Milliarde Dollar zahlen müsse.

Bisher habe UBS dem US-Justizministerium zugesagt, dass sich eine Tochter in Japan schuldig bekennen werde, sagte eine informierte Person. Die Bank aus Zürich werde eine Buße zahlen, im Gegenzug werde die strafrechtliche Verfolgung aufgegeben. Gleichzeitig mit der außergerichtlichen Beilegung dürften aber strafrechtliche Klagen gegen Einzelpersonen eingereicht werden, kündigten Behördenvertreter an.

dapd

Dunkle Wolken über dem Logo der UBS im schweizerischen Zürich - die Bank muss wohl im Libor-Skandal 1,5 Milliarden US-Dollar an die Behörden zahlen.

Die Schweizer Großbank steht bereits seit Monaten im Mittelpunkt der Untersuchungen. Brisant an der Geschichte: Sie beschäftigte einst Thomas Hayes, der als Kopf einer Gruppe von Händlern bei sechs Banken gilt, die in die Manipulationen involviert sind. Hayes wurde zusammen mit zwei anderen Männern in der vergangenen Woche von britischen Ermittlern verhaftet. Eine Strafanzeige liege nicht vor, hieß es. Hayes war für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Die bei UBS derzeit im Raum stehende Strafe wäre mehr als das Dreifache dessen, was der britische Wettbewerber Barclays im Juni für eine Beilegung auf den Tisch gelegt hat. Die Bank hatte sich mit der Commodity Futures Trading Commission, dem US-Justizministerium und der britischen Finanzaufsicht FSA verständigt. Diese drei Behörden handeln nun auch den UBS-Deal aus.

Die strafrechtliche Verfolgung und die höher als erwartete Buße für die UBS dürften die mehr als zwölf Banken, die ebenfalls in den Libor-Skandal verstrickt sein sollen, beunruhigen. Die Anwälte der im Fokus der Ermittlungen stehenden Banken sammeln bereits fleißig Daten. Sie wollen aus der Summe der Strafe für UBS Schlüsse ziehen, sagten informierte Personen. Speziell wollten sie die Gesamtsumme durch die Zahl der mutmaßlichen Manipulationen teilen. Sollte sich heraus stellen, dass sich das Verhältnis seit der Einigung von Barclays erhöht hat, dürfte dies die Vorstände der anderen Banken erschüttern, sagte eine Person.

Die Sanktionen für Barclays seien schon recht hoch gewesen, so die Meinung einiger Außenstehender. Die britische Bank habe zugegeben, dass Vorstände und Händler versucht hätten, Zinssätze zu manipulieren. Über den Vorfall stolperte schlussendlich Unternehmenschef Robert Diamond - er nahm seinen Hut.

Nach der UBS dürfte sich die Royal Bank of Scotland Group (RBS) mit den britischen und den US-Behörden einigen. Sie hatte vor kurzem angekündigt, eine Vereinbarung bis zum Februar erzielen zu wollen. Der teil-verstaatlichten Bank drohe eine Strafe von 350 Millionen britischen Pfund (mehr als 430 Millionen Euro), berichtete die Sunday Times ohne Angabe von Quellen. Ein Sprecher der Bank wollte dies gegenüber der Zeitung nicht kommentieren.

Die Deutsche Bank bemüht sich derweil, vor den Untersuchungen Gelassenheit zu demonstrieren. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte jüngst betont, dass kein ehemaliges und aktuelles Vorstandsmitglied involviert sei. Aktuell wollte sich die Bank nicht weiter äußern. Fest steht, dass das Insitut zur Zeit einen weiteren Skandal nicht gebrauchen kann, angesichts der Fülle von Negativschlagzeilen, die es ohnehin schon hat.

Eine Gruppe von Banken meldet jeden Tag den Satz, den sie für Leihgeschäfte zahlt, an die British Bankers' Association (BBA), die aus den Daten einen Durchschnittswert ermittelt. Gerade in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 bestand für die Banken ein Anreiz, ihren Wert zu niedrig auszuweisen. Damit sollte der Verdacht vermieden werden, man stehe mit dem Rücken zur Wand und komme nur noch schwer an frisches Kapital. Die Manipulationen des Libor sollen aber bereits in den Jahren vor der Finanzkrise begonnen haben.

Eigentlich sahen sich die Ermittler bei UBS und RBS schon Ende des Sommers kurz vor einer Einigung, sagten informierte Personen. Aber der politische Sturm, den der Deal mit Barclays anheizte, habe zu einer Verzögerung geführt. Einer der Gründe: Der "Rabatt" von 30 Prozent, den die FSA Barclays dafür einräumte, die Untersuchungen früh einzustellen, schien anderen Banken weniger attraktiv. Für Barclays fiel die Buße damit um 25,5 Millionen britische Pfund geringer aus.

Im Fall der UBS hätten sich die Beteiligten bereits im Herbst auf die Grundzüge einer Vereinbarung verständigt. Dann kamen die Verhandlungen zum Erliegen und wurden erst Ende November wieder aufgenommen, hieß es von den Informanten.

Die Vorstände der Schweizer Bank seien der Meinung gewesen, dass der öffentliche Ärger über die Manipulationen inzwischen weitgehend verpufft sei. Sie seien sehr daran interessiert, einen Schlussstrich unter den Skandal zu ziehen. "Die Hoffnung ist, dass inzwischen genug Zeit vergangen ist, so dass die Reaktion nicht mehr so schlimm ausfallen wird", sagte eine UBS nahestehende Person.

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