• The Wall Street Journal

Bei Apple purzeln nicht nur die Kursziele

    Von STEFFEN GOSENHEIMER

Vor Wochenfrist Jefferies, dann die UBS und zuletzt die Citigroup . Immer mehr Analysten scheinen sich auf die Apple-Aktie einzuschießen und senken ihre Kursziele. Und dabei geht es angesichts des hohen Kursniveaus der Aktie schnell in Hunderterschritten abwärts. So hat Jefferies das Kursziel von 900 auf 800 Dollar gesenkt. Bei der UBS waren es zwar nur 80 Dollar, allerdings liegt hier das neue Kursziel mit 700 Dollar auch deutlich niedriger.

dapd

Für die Apple-Aktie geht es an der US-Technologiebörse Nasdaq abwärts. Analysten passen ihre Kursziele an.

Citigroup zieht Kaufempfehlung zurück

Die Citigroup geht noch einen Schritt weiter. Nicht nur dass das Kursziel von 675 auf 575 Dollar und damit um fast 15 Prozent relativ am deutlichsten gekappt wurde; die generellen Zweifel der Analysten an einer ungebremsten Erfolgsgeschichte von Apple gehen soweit, dass sie auch ihre Kaufempfehlung zurückgezogen haben und das Papier nur noch mit "Neutral" bewerten. Damit gehören sie zu einer sehr seltenen Spezies, denn auch wenn die Kursziele zu purzeln beginnen, sind sie bei den allermeisten Analysten allemal noch hoch genug, um Kaufempfehlungen zu rechtfertigen.

Analysten hecheln dem Markt hinterher

Wie oft zu beobachten scheinen die Analysten mit ihren Einschätzungen auch im Fall Apple dem Markt letztlich nur hinterherzuhecheln. So wurden im September, als die Aktie mit 705 Dollar ihr bisheriges Rekordhoch erreichte und das Unternehmen das teuerste in der Geschichte überhaupt war, noch Kursziele von 1.000 Dollar herumgereicht. Seitdem scheint die Aktie aber nur noch eine Richtung zu kennen. Am Freitag kostete sie noch knapp 510 Dollar, das entspricht einem Absturz von fast 28 Prozent. Immerhin: Legt man als Vergleichsmaßstab den Schlusskurs aus dem Vorjahr an, bringt es die Apple-Aktie auf ein Plus von 26 Prozent. Der Nasdaq-100-Index, in dem die Aktie als Schwergewicht enthalten ist, brachte es im gleichen Zeitraum nur auf 15 Prozent.

Gründe für den Kursverfall gab es auf einmal viele. Einher ging er aber vor allem mit der Einführung des iPhone 5 und der Vorstellung des iPad Mini. Beide wurden begleitet von Sorgen über Probleme auf der Zuliefererseite und damit verbunden drohenden Einschnitten bei den Margen. Auch Ängste vor Kannibalisierungseffekten machten die Runde, vor allem das iPad Mini und das iPad betreffend.

Daneben sorgten die Probleme mit dem Kartendienst Google Maps für negative Schlagzeilen. So hatte Apple für das iPhone 5 eine eigene Anwendung angeboten, die bei den Anwendern allerdings auf wenig Gegenliebe stieß. Die missratene Karten-Applikation hatte darin gegipfelt, dass die australische Polizei eine offizielle Warnung ausgegeben hatte. Mehrere Touristen mussten demnach aus dem Niemandsland gerettet werden, weil sie auf die Navigation des iPhones gesetzt hatten.

Fast drei Monate später hat Google inzwischen aber wieder eine Version zum Herunterladen herausgebracht - sehr zur Erleichterung jener zahlreicher Apple-Nutzer, die sich über den Wechsel beklagt hatten.

Apple: Neuer Verkaufsrekord in China

Die jüngste Kursschwäche der Aktie wurde indes im Zusammenhang mit Berichten gesehen, dass das iPhone 5 Probleme in China bekommen könnte. Zum Einen, weil es Nokia anders als Apple gelungen war, einen Vertrag mit Chinas größtem Mobilfunkanbieter China Mobile abzuschließen. Der Vertrag sieht vor, dass China Mobile das Smartphone Lumia 920 auf dem wichtigen Markt in China anbieten wird. Damit kommt das iPhone 5 beim größten Mobilfunkprovider der Welt frühestens 2013 ins Angebot.

Zum anderen wurde über einen schwachen Verkaufsstart in China spekuliert, da dieser im Gegensatz zur Premiere des Vorgängers 4S eher leise verlief - ohne die ein Jahr zuvor zu beobachten Tumulte. Apple widersprach den Spekulationen am Sonntag. Im Gegenteil sei mit mehr als zwei Millionen verkauften geräten in drei Tagen ein neuer Verkaufsrekord aufgestellt worden. Das neue Modell werde bis Ende Dezember in mehr als 100 Ländern verfügbar sein.

Den bislang letzten Kursdämpfer brachte eine Niederlage Apples in einem Patentstreit. Der Computerkonzern, der bislang meist als Sieger aus derlei Streitigkeiten hervorging, verstößt nach Ansicht eines US-Gerichts gegen drei Patente, die die Firma MobileMedia Ideas (MMI) hält, an der Nokia und Sony Corp of America beteiligt sind. Offen ist noch die Frage, welche Summe Apple jetzt an MMI zahlen muss. Diese Frage wird in einem separaten Prozess geklärt.

Der weiteren Kursentwicklung dürfte diese schwebende Entscheidung alles andere als zuträglich sein. Apple-Aktionäre, die angesichts der jüngsten Kursverluste und zunehmend skeptisch klingender Analystenmeinungen ins Grübeln geraten, könnten indes Mut daraus schöpfen, dass einer Umfrage unter 48 Analysten zufolge das Kursziel für die Aktie im Durchschnitt immer noch bei 754,02 Dollar liegt. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau entspricht das einem Kurspotenzial von 48 Prozent.

Wem das nicht genug ist, der kann sich an das Kursziel von Analyst Brian J. White von Topeka Capital Markets halten. Der hatte im April ein Kursziel für die Apple-Aktie von 1.100 Dollar ausgegeben und dieses zuletzt im November bestätigt.

Kontakt zum Autor: steffen.gosenheimer@dowjones.com

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