• The Wall Street Journal

UBS zahlt im Libor-Skandal Milliardenstrafe

    Von BARBARA MILLNER
[image] Reuters

Die UBS muss im Libor-Skandal eine Milliardenstrafe zahlen.

Die schweizerische Großbank UBS macht sich ein teures Weihnachtsgeschenk. Für 1,4 Milliarden Schweizer Franken (1,16 Milliarden Euro) befreit sie sich aus den Fängen der Justiz, die ihr wegen Manipulationen des weltweit wichtigsten Basiszinssatzes Libor nachstellte. Nun hat sie sich mit den Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz geeinigt. Sie legt sich dafür ein Polster für Rechtsfälle und andere regulatorische Angelegenheiten von etwa 2,1 Milliarden Franken an.

Als Folge wird die Bank im vierten Quartal einen Verlust von 2,0 bis 2,5 Milliarden Franken verbuchen, da neben den Rückstellungen weitere Sonderaufwendungen von 900 Millionen Franken angefallen sind.

Gleichzeitig verteidigte der Vorstand das große Loch in der Bilanz. Der gute Ruf sei wichtiger als Gewinn, schreibt UBS-Chef Sergio Ermotti in einem Memo an die Belegschaft, in das das Wall Street Journal Einblick hatte. Der Libor-Skandal sei nicht nur eine Sache der UBS, die Untersuchungen beträfen die gesamte Branche. Nun sei es wichtig, das Vertrauen der Kunden und der Investoren wiederzugewinnen.

Manipulation bereits vor der Finanzkrise

Das Wall Street Journal Deutschland hatte bereits vor einigen Tagen über die bevorstehende Einigung mit den Ermittlern berichtet. Wie erwartet hat sich die Bank in einem einzelnen Anklagepunkt wegen Betrugs schuldig bekannt. Eingestanden wurde der Missbrauch elektronischer Kommunikation (sogenannter Wire Fraud) im Zusammenhang mit der Manipulation gewisser Referenzzinssätze inklusive Yen-Libor.

Zahlreiche Mitarbeiter seien an dem Versuch beteiligt gewesen, die Eingaben für bestimmte Referenzzinssätze zugunsten von Handelspositionen zu manipulieren. Sie hätten mit Angestellten anderer Banken und Cash-Brokern konspirative Absprachen getroffen.

Eine Gruppe von Banken meldet jeden Tag den Satz, den sie für Leihgeschäfte zahlt, an die British Bankers' Association, die aus den Daten einen Durchschnittswert ermittelt. Gerade in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 bestand für die Banken ein Anreiz, ihren Wert zu niedrig auszuweisen. Damit sollte der Verdacht vermieden werden, man stehe mit dem Rücken zur Wand und komme nur noch schwer an frisches Kapital.

Die Manipulationen des Libor sollen aber bereits in den Jahren vor der Finanzkrise begonnen haben. Die schweizerische Aufsicht Finma hatte sich dazu das Verhalten in den Jahren 2006 bis 2010 angeschaut. 2007 und 2008 hätten UBS-Mitarbeiter den bankintern für die Eingabe von Zinssätzen verantwortlichen Beschäftigten „unangemessene Richtungsvorgaben" erteilt, stellte sie fest.

Auf diese Weise wollte sich die Bank während der Krise in ein besseres Licht rücken. Die Wahrnehmung der Kreditwürdigkeit der UBS sollte positiv beeinflusst werden. Da es an Kontrollen mangelte, sei die unzulässige Einflussnahme nicht aufgedeckt worden. Die zuständigen Vorgesetzten kontrollierten den Eingabeprozess ungenügend, rügt die Finma. Und auch interne Überprüfungen durch die Compliance-Abteilung und die interne Revision hätten versagt und das Fehlverhalten nicht aufgedeckt.

Den schwarzen Peter haben nun zahlreiche Mitarbeiter und eine begrenzte Anzahl von Führungskräften. Das damalige Topmanagement der UBS braucht sich indes keine Vorwürfe zu machen. Es habe von den Manipulationen nichts gewusst, urteilt die Finma.

UBS muss stärker büßen als Barclays

Die Schweizer Aufseher wollen nun 59 Millionen Franken von der Bank. An die britischen Behörden wird die UBS 160 Millionen britische Pfund Buße zahlen. Der größte Batzen geht mit 1,2 Milliarden Franken an die US-Ermittler, das Justizministerium und die Wertpapieraufsichtsbehörde CFTC. Die CFTC muss der vorgeschlagenen Einigung noch zustimmen.

Als Kontrast zu diesen teuren Einigungen berichtete die UBS von einer positiven Entwicklung. Sie habe beim Abbau von Risikopapieren im vierten Quartal Fortschritte gemacht. Die Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1 auf Basis der vollständig umgesetzten Basel-III-Regeln) soll ungefähr auf dem Stand von Ende des dritten Quartals liegen. Damals betrug sie 9,3 Prozent.

Zugleich hat das Finanzinstitut auch wieder Vertrauen bei den Anlegern zurückgewonnen. Im Wealth-Management-Geschäft werde ein Wachstum bei den Nettoneugeldern erwartet, so die Bank weiter. Insgesamt plane sie nun für 2012 mit einem bereinigten Vorsteuergewinn von 2,5 bis 3,0 Milliarden Franken.

Für die Verfehlungen bei der Libor-Ermittlung muss die UBS deutlich stärker büßen als ihr Wettbewerber Barclays . Die britische Bank hatte den Libor-Streit im Juni gegen Zahlung von rund 450 Millionen US-Dollar beigelegt. Und auch die Royal Bank of Scotland Group dürfte vergleichsweise billig davonkommen. Sie will bis Februar einen Schlussstrich unter den Libor-Skandal ziehen. Der teil-verstaatlichten Bank droht laut Medienberichten eine Strafe von 350 Millionen britischen Pfund. Zu den zahlreichen Banken, die im Fokus der Ermittler stehen, zählt auch die Deutsche Bank .

Kontakt zum Autor: barbara.millner@dowjones.com

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