• The Wall Street Journal

McKinsey warnt vor Investorrisiken in Myanmar

    Von SHIBANI MAHTANI

Ein neuer Bericht der globalen Wirtschaftsberatungsfirma McKinsey & Co warnt Unternehmen, die sich in Myanmar engagieren, trotz der jüngsten Reformen des Landes vor "großen Enttäuschungsrisiken". Und das vor allem für den Fall, dass es der Regierung nicht gelingt, die religiösen Konflikte zu lösen, die in der vergangenen Woche wieder zu Massenausschreitungen geführt haben.

"Das Erste, was die Regierung tun muss, ist eine stabile politische Situation herzustellen", sagte Heang Chhor, Seniorpartner bei McKinsey und einer der Hauptautoren des Berichtes. Dieser bietet den ersten umfassenden Blick auf das wirtschaftliche Potenzial des Landes und stellt unabhängige Forschungsberichte und Interviews aus dem Zeitraum eines halben Jahres über das Südostasiatische Land zusammen, über das sonst noch schwer Daten zu erhalten sind - und die sind oft unzuverlässig.

Laut den Daten von McKinsey gesammelten Date könnte Myanmar die Größe seiner Volkswirtschaft bis 2030 auf umgerechnet rund 200 Milliarden US-Dollar mehr als vervierfachen, aber nur wenn das Land grundlegende Infrastruktur aufbaut und die Wirtschaft diversifiziert. In dem Schwellenland gibt es demnach noch immenses Potenzial.

"Eine Vervierfachung der Volkswirtschaft in den nächsten Jahrzehnten ist keine absurde Zahl, die man vor Augen hat, aber das geht nicht nur mit Agrarwirtschaft, Energie und Bergbau", sagte Heang Chhor und nennt damit die größten Branchen des Landes.

Der Aufschwung werde teuer: Allein in die Infrastruktur müsste Myanmar in den kommenden zwanzig Jahren 320 Milliarden Dollar investieren, um jährliche Wachstumsraten von 8 Prozent zu erreichen. Weitere Milliarden seien nötig, um die bröckelnde Bildungsinfrastruktur zu überholen, und für angemessene Trainingsprogramme, die kleine Geschäfte und die ländliche Bevölkerung mit den notwendigen Fähigkeiten ausrüstet. Der angenommene Investitionsbedarf liegt im Rahmen anderer Schätzung.

Gewaltausbrüche sind große Herausforderung

Trotz des wirtschaftlichen Potenzials des Landes und dem Hype um Myanmar, seit die Militärdiktatur 2011 einer nominell zivilen Regierung unter Präsident Thein Sein gewichen ist, haben sich viele westliche Unternehmen nur vorsichtige in den Markt vorgestastet. Sie schnuppern herein, zögern aber mit großen Investitionen wie beispielsweise dem Bau von Fabriken.

"Investoren ziehen Myanmar aktiv in Erwägung, aber viele wollen sicher sein, dass die Regierung die ethische und kommunale Gewalt beenden kann", heißt es in dem Bericht.

Die häufigen Gewaltausbrüche zwischen der buddhistischen Mehrheit und der muslimischen Minderheit sind die größte Herausforderungen von Thein Sein. Die Bilanz des Blutvergießens, teilweise angefacht von buddhistischen Extremisten: Hunderte Tote und mehr als 100.000 Vertriebene im Laufe des vergangenen Jahres.

In der kommenden Woche richtet Myanmar die Ostasientreffen des Weltwirtschaftsforums aus. Das Event wird als Belohnung für die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen des Landes gewertet. Vertreter von Dutzenden Unternehmen und hochrangige Regierungsvertreter aus der Region werden erwartet, unter anderem von PepsiCo, General Electric, Chevron und AirAsia .

Das Treffen gilt auch als Test für den Appetit der Investoren, vor allem von westlichen Unternehmen, mehr als ein Jahr, nachdem die Sanktionen gegen das einst isolierte Land allmählich gelockert wurden.

"Wenn Myanmar keinen überzeugenden Wachstumsplan vorlegen und effektiv umsetzen kann, könnte der gute Wille und der vorsichtige Optimismus von heute rapide verpuffen", heißt es in dem KcKinsey-Bericht.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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