• The Wall Street Journal

Bei der Deutschen Bank fließen die Boni wieder

    Von LAURA STEVENS

Mitarbeiter der Deutschen Bank bekommen in diesem Jahr wieder höhere Bonuszahlungen sofort ausgezahlt. Statt auf 200.000 Euro würden die ohne Verzögerungen ausgezahlten Boni nur noch auf 300.000 Euro begrenzt, berichten mehrere Informanten.

Die neuen Chefs des Frankfurter Instituts folgen mit der Neuregelung einer Empfehlung eines Gremiums der Bank, das sich mit Fragen der Vergütung beschäftigt. Die Auszahlungen sollen dieser Empfehlung folgend in geringerem Umfang als bisher auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Co-Chef Jürgen Fitschen hatte bereits angekündigt, den Anteil der zurückgehaltenen Boni auf 47 Prozent von 61 Prozent zu verringern. Damit würden die Gewinne in der Zukunft weniger von diesen verschobenen Zahlungsverpflichtungen belastet. Ein Sprecher der Bank wollte zu diesem Thema nichts weiter sagen, er verwies lediglich auf die Aussagen von Fitschen am Donnerstag während der Präsentation der Viertquartalszahlen.

dapd

Die beiden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank AG, Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

Die Bonuszahlungen der Banken sind ein sensibles Thema. Die Geldhäuser werden von vielen als die Auslöser der Finanzkrise angesehen, viele Banken mussten sogar vom Staat gerettet werden. Dennoch liegen die Gehälter der Banker im Branchenvergleich oft mit an der Spitze. Die Deutsche Bank musste zwar keine Staatshilfe in Anspruch nehmen, aber auch ihr Image hat in der Krise stark gelitten.

Fitschen und sein Kollege an der Spitze der Deutschen Bank, Anshu Jain, waren im September angetreten, um auch die Kultur der Vergütung von Mitarbeitern zu ändern. So wurde die Auszahlung der Boni für 150 Spitzenmanager auf fünf von drei Jahren gestreckt. Zusätzlich installierten sie ein Gremium, das sich mit Vergütungsfragen beschäftigen sollte.

Die Mitarbeiter sollen am Dienstag darüber informiert werden, welche Boni sie erhalten. Dabei sind auch Summen von mehr als 300.000 Euro möglich, die Auszahlung wird dann aber gemäß der nun getroffenen Entscheidung teils auf die nächsten Jahre verschoben, wie die Informanten berichten. Hochrangige Manager, die der Regulierung unterliegen, sollen zudem nur bis zu 150.000 Euro in bar erhalten und den Rest in Aktien der Deutschen Bank.

Insgesamt hat das Institut jedoch bei der variablen Vergütung der Mitarbeiter den Rückwärtsgang eingelegt. Statt 3,6 Milliarden flossen 2012 nur noch 3,2 Milliarden Euro aus diesem Budget in die Portmonees der Mitarbeiter, wie Fitschen schon am Donnerstag gesagt hatte. Anshu Jain verteidigte die Vergütungspolitik der Deutschen Bank. Nach seiner Einschätzung liege das Geldhaus bei der Bezahlung inzwischen unter der von einigen anderen Unternehmen aus dem Aktienindex Dax.

—Mitarbeit: Eyk Henning

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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