• The Wall Street Journal

Londoner Taxis werden chinesisch

    Von COLUM MURPHY und PAUL SONNE

Eine Ikone britischer Lebensart kommt zukünftig zur großen Teilen aus China. Der Hersteller der Taxis, die vor allem in London das Stadtbild prägen, wird an das chinesische Unternehmen Geely verkauft. Die als "Black Cabs" bekannten und etwas altmodisch anmutenden Taxis verlieren damit ihre Wurzel.

Dabei war der Abschied der Londoner von ihren Taxis schon vorgezeichnet. Der Hersteller der Black Cabs hatte Ende vergangenen Jahres Insolvenz anmelden müssen. Die schwache Konjunktur in Großbritannien hatte die Taxifahrer der Hauptstadt schon lange vorsichtig beim Neukauf von Fahrzeugen werden lassen. 2011 hatte London Taxi nur noch 1.502 Fahrzeuge in Großbritannien verkauft, rund zehn Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Schon in der Zeit davor war der Absatz immer schwächer geworden. Die teure britische Produktion, hausgemachte Probleme und die zu geringen Stückzahlen brachen dem Taxi-Hersteller das Genick.

Die Überbleibsel des Unternehmen werden nun für 11 Millionen britische Pfund von Geely übernommen. Die Chinesen sind keine Unbekannten für London Taxi. Geely war bereits 2006 bei dem Fahrzeughersteller eingestiegen. Seitdem kamen immer mehr Autoteile für die Montage der Taxis aus China. Nun wird sich diese Entwicklung beschleunigen.

Die britische Herkunft will Geely London Taxi lassen. Das Werk von London Taxi in Coventry soll bestehen bleiben. Künftig sollen aber noch mehr Teile in China vorproduziert werden, wie Geely ankündigte. Die Chinesen wollen das Fahrzeug nun modernisieren. Außerdem ist der Export der Black Cabs in andere Länder geplant.

Geely sieht wegen der Unverwechselbarkeit der Taxis ein großes Potenzial für die Fahrzeuge. Diese zeichnen sich durch einen besonders großen Fahrgastraum aus. Dieser war ursprünglich dafür ausgelegt, dass sich standesbewusste Männer mit Hut in das Taxi setzen konnten.

Ob sich die Hoffnungen der Chinesen erfüllen, muss sich erst noch zeigen. Denn schon in den vergangenen Jahren, hatte London Taxi auf den Export gesetzt. Doch das Interesse in Ländern wie Saudi-Arabien oder Aserbaidschan blieb zu gering, um den Fahrzeugbauer zu retten. Ein Rückruf wegen Problemen mit der Lenkung ruinierte London Taxi dann endgültig. Fraglich ist auch, ob London Taxi den angestammten Heimatmarkt halten kann. Auf die Frage, welches Fahrzeug sie sich als nächstes kaufen wollen, antworten Londoner Taxifahrer oft: "Mercedes". Oder "Nissan".

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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