• The Wall Street Journal

Frankreichs Präsident rechnet mit weiteren Kämpfen in Mali

    Von CHRISTINE LONGIN und THOMAS KÖRBEL

Nach der Einnahme der wichtigsten Städte im Norden Malis schwört Frankreichs Präsident François Hollande die internationale Gemeinschaft auf weitere Kämpfe gegen die Islamisten ein. Der französische Generalstab berichtete von "bedeutenden Luftangriffen" in der Nähe der Wüstenstadt Kidal in der Nacht zum Sonntag. "Die radikalen Gruppen sind geschwächt, aber sie sind nicht verschwunden", sagte Hollande in einer Rede in Bamako. Bei seinen Besuchen in der Hauptstadt und in Timbuktu wurde er von den Maliern als Befreier gefeiert. Parallel dazu weitete Deutschland seine Mali-Hilfe mit der Zusage von 40 Bundeswehr-Ausbildern aus.

Mit den Luftangriffen nahmen die französischen Streitkräfte Übungsplätze und Lagerräume der Islamisten ins Visier, wie Militärsprecher Thierry Burkhard in Paris mitteilte. Demnach befanden sich die Ziele in der Region von Tessalit in der Nähe der algerischen Grenze. Auch in der näheren Umgebung von Kidal kam es laut französischen Medienberichten zu Kämpfen mit den Rebellen.

Trotz der militärischen Erfolge seit dem Beginn des Einsatzes vor gut drei Wochen könnte sich Frankreich mit der "Operation Serval" in einen langen Konflikt à la Afghanistan hineinziehen lassen. Das Magazin "Le Point" warnte vor einen Kleinkrieg gegen die Rebellen in den Weiten der schwer zugänglichen malischen Wüste. Zwar sollen in Kürze rund 7.000 afrikanische Soldaten den Einsatz eigenständig übernehmen, doch deren Ausrüstung und Kampferfahrung sind gering.

In einer im Fernsehen übertragenen Rede versprach Hollande, die Mission so lange wie notwendig zu Ende zu bringen. "Wir werden an eurer Seite sein, um die Mission im Norden zu beenden", versicherte Hollande. Frankreich, die frühere Kolonialmacht Malis, sei allerdings nicht dazu berufen, dauerhaft im Land zu bleiben. Malis Übergangsregierung würde sich indes über eine langfristige Unterstützung der Franzosen freuen. Außenminister Tieman Coulibaly sagte im Interview mit dem "Journal du Dimanche", seine Regierung hoffe, dass die Franzosen in Mali blieben. Vor allem die Einsätze der Luftwaffe seien wichtig.

Die Bundeswehr will für die geplante EU-Ausbildungsmission der malischen Streitkräfte rund 40 Soldaten schicken. Sie könnten schon ab März in Mali die Arbeit aufnehmen, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Deutschland hatte den französischen Militäreinsatz in Mali mit Transall-Transportmaschinen unterstützt. Daneben ist künftig auch Hilfe bei der Luftbetankung französischer Jets geplant. Einen Kampfeinsatz lehnte die Bundesregierung wie andere europäische Länder ab.

Begeisterter Empfang für Hollande

Unterdessen ließ sich der französische Präsident bei seinem Besuch in Mali feiern. Ebenso wie zuvor in Timbuktu wurde "Papa Hollande", wie die Malier ihn nennen, auch in Bamako begeistert empfangen. "Sagt unserem Bruder François Hollande, dass er sehr willkommen ist bei uns", rief der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré unter dem Jubel der Menge auf dem Unabhängigkeitsplatz.

Timbuktu, das zehn Monate lang unter der brutalen Herrschaft der Islamisten stand, war am Samstag die erste Station des Mali-Besuchs von Hollande. Tausende Menschen jubelten dem als "Befreier" gefeierten Präsidenten in der Wüstenstadt zu. Der Sozialist sprach danach von einem "außergewöhnlichen Empfang" mit Freudenschreien und Freudentränen. Hollande besuchte die Djingareyber-Moschee und das von den Islamisten vor ihrem Rückzug verwüstete Ahmed-Baba-Institut mit seinen zum Welterbe gehörenden Manuskripten.

Traoré sprach wie nach ihm Hollande offen Menschenrechtsverletzungen nach dem Rückzug der Islamisten an. "Die Terroristen müssen unter Respektierung der Menschenrechte gejagt werden", forderte der französische Staatschef in seiner 15-minütigen Ansprache. Menschenrechtsorganisationen hatten zuvor von Racheakten an Zivilisten berichtet, die mit den Islamisten in Verbindung gestanden haben sollen.

Frankreich war dem früheren Kolonialgebiet Mali am 11. Januar im Kampf gegen die Islamisten zu Hilfe gekommen. Gemeinsam mit malischen Truppen drängten die französischen Soldaten die Extremisten in das Grenzgebiet zu Algerien zurück.

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