• The Wall Street Journal

Zwei Skandalbanker kündigen bei Barclays

    Von DAVID ENRICH und MAX COLCHESTER
dapd

Zwei weitere Führungskräfte räumen bei der Barclays Bank ihre Posten. Der neue Barclays-Chef Jenkins erklärte, dass die beiden Bankmitarbeiter aus freien Stücken gekündigt hätten, um „das zu tun, was das Beste für die Bank ist".

LONDON—Bei der skandalträchtigen britischen Barclays Bank haben am Sonntag zwei weitere Spitzenmanager gekündigt. Nachdem das Finanzinstitut wegen versuchter Zinsmanipulation heftig in die Kritik geraten war, hatten im vergangenen Sommer bereits der Aufsichtsratschef, der Vorstandsvorsitzende und der Chief Operating Officer ihre Posten geräumt. Nun gehen auch Finanzchef Chris Lucas und der Leiter der Rechtsabteilung, Mark Harding. Beide Männer werden aber noch so lange im Amt bleiben, bis passende Nachfolger gefunden sind.

Vor weniger als zwei Wochen erst hatte der neue Konzernchef Antony Jenkins seine Pläne für eine modernisierte Barclays Bank vorgelegt, mit denen das Kreditinstitut seinen angekratzten Ruf wiederherstellen will.

Lucas und Harding waren beide langjährige Mitarbeiter der Bank und arbeiteten einst eng mit dem ehemaligen Chef Robert Diamond zusammen, der wegen des so genannten Libor-Skandals zurückgetreten war. Die Bank hatte außerdem eine Strafe von 450 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Die beiden nun scheidenden Banker waren verantwortlich für die kontroversen Unternehmensbereiche: Der 55-jährige Harding hatte die Oberaufsicht über die Beziehungen zu den staatlichen Regulierungsbehörden. Diese Beziehungen verschlechterten sich im vergangenen Jahr dermaßen, dass die britische Finanzaufsicht FSA und die Notenbank Bank of England Konzernchef Diamond in einem aufsehenerregenden Zug zum Rücktritt zu drängen.

Hardings Rolle als oberster Ansprechpartner für die Aufsichtsbehörden ist bereits erheblich geschwächt, nachdem die Bank jüngst zwei neue Mitarbeiter einstellte, die beide einen guten Draht zu den Aufsehern haben: David Walker, ein ehemaliger Regierungsmann und Mitarbeiter der Bank of England mit einem guten Netzwerk in die britischen Politik, wurde der neue Aufsichtsratschef. Und Hector Sants, der ehemalige Vorsitzende der FSA, wurde der neue Leiter der Compliance-Abteilung bei Barclays. Er kümmert sich nun auch darum, die angeknacksten Bande zu den Behörden wieder zu kitten.

Der 52-jährige Lucas dagegen war direkt in jene waghalsige Finanzmanöver verwickelt, mit denen sich die Bank das Vertrauen der Aufsichtsbehörden verspielte – darunter auch die Errichtung von Finanzvehikeln für riskante Vermögenswerte, die nicht in der offiziellen Bilanz auftauchten.

Umstrittenes Investorengeld aus Nahost

Fahnder der FSA ermitteln noch gegen Lucas sowie andere ehemalige und noch amtierende Barclays-Manager. Dabei geht es um die umstrittene Anwerbung von Investoren aus dem Nahen Osten, mit der Barclays im Jahr 2008 Rettungshilfen der Regierung zu umgehen versuchte. Auch britische Betrugsermittler untersuchen noch, ob es bei dieser Kapitalaufnahme mit rechten Dingen zugegangen ist.

Laut einer gut unterrichteten Person aus dem Umfeld der Bank hat Lucas' Rücktritt nichts mit der FSA-Untersuchung zu tun. Harding selbst steht nicht im Fokus der laufenden Ermittlungen. Der neue Barclays-Chef Jenkins erklärte, dass die beiden Bankmitarbeiter aus freien Stücken gekündigt hätten, um „das zu tun, was das Beste für die Bank ist".

Nach ihrem Abgang werden sich in der Führungsriege der Barclays Bank kaum noch altgediente Mitarbeiter finden. Unter den wenigen verbliebenen befindet sich Jenkins, der schon vor seinem Wechsel an die Konzernspitze lange Jahre das reguläre Kundengeschäft leitete. Außerdem ist da noch Rich Ricci, der Leiter der Investmentbanken-Sparte.

Auch im Aufsichtsrat, dem nach den Skandalen mangelnde Kontrolle vorgewurfen wurde, werden zurzeit Mitglieder ausgetauscht. Der neue Vorstandschef Jenkins will einen Neuanfang verkörpern. Er versucht, Schluss zu machen mit dem grenzwertigen Finanzgebaren unter Ex-Chef Diamond, das Finanzchef Lucas in Analysten- und Anlegergesprächen stets beinhart verteidigte.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 29. Juli

    Das Ende des Ramadan im Iran, bunte Ballons in Indien, ein dehnbarer Turner aus Schottland und Badespass an nordkoreanischem Strand: Das und noch mehr steckt heute in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städte die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.

Erwähnte Unternehmen