• The Wall Street Journal

Poker um Dell nähert sich dem Ende

    Von ANUPREETA DAS, BEN WORTHEN und RYAN DEZEMBER

Die Gespräche über eine geplante Privatisierung des Computerherstellers Dell laufen weiter auf Hochtouren und Verhandlungspartner hoffen auf eine Einigung innerhalb der nächsten Tage, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen. Im Zuge des Verkaufs, dem größten "Buyout" seit der Finanzkrise, soll Dell von der Börse genommen werden. Für den PC-Hersteller würde damit eine Ära zu Ende gehen.

Reuters

Im Zuge eines Verkaufs wird Computerhersteller Dell von der Börse genommen.

Das von Chairman und CEO Michael Dell gegründete Unternehmen war einst der weltgrößte Hersteller von Arbeitsplatzrechnern mit einer stolzen Marktkapitalisierung von über 100 Milliarden US-Dollar. Doch Dell konnte mit den sich ändernden Kaufgewohnheiten nicht mithalten und geriet angesichts der wachsenden Popularität von Smartphones und Tablets gegenüber klassischen PCs ins Hintertreffen.

Wie die informierten Personen berichten, soll den Dell-Aktionären nun ein Übernahmeangebot in Höhe von rund 13 bis 14 Dollar je Aktie unterbreitet werden. Am Sonntagabend sei über den Preis noch verhandelt worden, sagte eine der Personen. Bevor die Gespräche am 14. Januar erstmals öffentlich wurden, lag der Kurs knapp unter 11 Dollar. Am Freitag schlossen die Anteile 3 Prozent im Plus bei 13,63 Dollar. Damit erreichte Dell einen Marktwert von rund 23,7 Milliarden Dollar.

Sonntagnacht zeichnete sich ab, dass das Geschäft wohl so ablaufen wird wie in Medienberichten bereits dargestellt. Zu den Investoren und künftigen Eigentümern wird auch Michael Dell gehören, der bereits 16 Prozent der Aktien hält. Zudem wollen sich der Softwareriese Microsoft und die Private-Equity-Gesellschaft Silver Lake Partners beteiligen. Vier Investmentbanken werden wohl zudem rund 15 Milliarden Dollar für die Finanzierung bereitstellen. Außerdem soll Geld aus der Bilanz von Dell selbst miteinfließen.

Strittig ist vor allem, welche Rolle der IT-Riese Microsoft bei der Finanzierung übernehmen und wieviel Kontrolle er bei Dell bekommen soll. Außerdem geht es darum, wie sich ein Einstieg von Microsoft bei Dell auf die Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Konzernen auswirken würde. Laut Insidern werden diese Punkte schon seit Januar diskutiert. Damals bot Microsoft erstmals an, 2 Milliarden Dollar oder mehr in Dell zu investieren.

Dell, derzeit nur noch der drittgrößte PC-Hersteller nach Hewlett-Packard und der chinesischen Lenovo Group, ist einer der größten Verkaufskanäle für das Microsoft-Betriebssystem Windows. Eines der diskutierten Szenarien sehe vor, dass Dell die Windows-Software für eine breite Mehrheit seiner Geräte nutzt, sagt eine der informierten Personen.

Aufstieg und Fall von Dell:

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Anleiheinvestoren und Private-Equity-Manager, welche die Gespräche genau verfolgen, sehen in den Verhandlungen einen Test für den Appetit von Investoren auf große "Buyout-Geschäfte" und die Bereitschaft von Private-Equity-Firmen, dabei mitzumischen.

Die Zinsen auf dem Anleihenmarkt sind seit langem niedrig, weshalb Anleger an großen Unternehmensaufkäufen wegen ihrer höheren Rendite so interessiert sind. Und je günstiger die Schuldenaufnahme am Markt ist, desto bessere Renditen machen die private Beteiligungsgesellschaften mit ihrem Geld.

Zu einer Welle an großen Aufkäufen durch private Beteiligungsfirmen dürfte der Wirbel um Dell aber wohl nicht führen. Das liegt auch daran, dass vor allem Microsoft und der Unternehmensgründer Großteil von Microsoft und der Dell-Gründer selbst das meiste Kapital bereitstellen - und solche Quellen lassen sich bei vielen anderen Geschäften nicht anzapfen.

Vergangene Woche antwortete Hamilton "Tony" James, Präsident bei der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone Group, auf die Frage, ob ein Dell-Deal die Tür für größere Aufkäufe öffnen würde: "Die einfache Antwort ist nein". Unter anderem verfüge Michael Dell selbst über viel Eigenkapital, und private Beteiligungsgesellschaften steuerten gar nicht soviel bei.

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