• The Wall Street Journal

China-Aktien in Frankfurt für Anleger ein Flop

    Von DUNCAN MAVIN und FLORIAN FAUST

Chinesische Unternehmen stehen auf Frankfurt. Das Börsenparkett in der Mainmetropole hat sich im vergangenen Jahr zum Eldorado für Firmen entwickelt, die dringend an die Börse wollten. Im Visier hatten sie wohl auch den guten Name des Börsenplatzes, während der tatsächliche Erfolg beim Börsengang bescheiden ausfiel.

Die meisten chinesischen Firmen mit Frankfurt-Notierung mussten schon beim Preis ihrer Aktien und bei der platzierten Menge der Anteilsscheine deutliche Abstriche machen, um die Anleger zu überzeugen. Anschließend ging es dann überwiegend bergab mit dem Aktienkurs.

In Frankfurt sind derzeit 37 Aktien von Unternehmen aus dem Reich der Mitte gelistet - einige davon erst seit dem vergangenen Jahr. 2011 und 2012 führten Gesellschaften aus China nach Angaben von Dealogic die Liste der Börsengänge von Auslandsunternehmen in Frankfurt an.

Während im vergangenen Jahr gerade zwei China-Gesellschaften ein Börsendebüt in den USA schafften, waren es in Frankfurt immerhin sieben. Die Daten von Dealogic zeigen, dass Frankfurt auch beim Emissionserlös in Summe vor New York rangierte.

Deutsche Börse rollt den roten Teppich aus

Die Liste der neuen Notierungen umfasst Unternehmen aus den Branchen Metall, Textilien, Leder und Chemie. Allerdings handelte es sich stets um kleinere Firmen; seit Ende 2010 erlösten sie zusammen nämlich weniger als 500 Millionen US-Dollar.

Dass die Deutsche Börse bei Gesellschaften aus China so hoch im Kurs steht, liegt sicherlich auch daran, dass den Börsenneulingen am Main der sprichwörtliche rote Teppich ausgerollt wird. Niedrige Kosten, geringe Anforderungen an die Börsenqualifikation und eine flottere Abwicklung des Vorhabens insgesamt machen das Frankfurter Parkett für chinesische Börsenanwärter attraktiver als das von Wettbewerbern.

dapd

Das Frankfurter Börsenparkett zieht chinesische Gesellschaften an.

Niedriger sind auch die Hürden, was den erlaubten Streubesitz angeht. Durchschnittlich waren bei chinesischen Unternehmen, die 2012 an die Frankfurter Börse gingen, nur 21 Prozent des Kapitals nicht in festen Händen - beim Stoffhersteller Firstextile kamen sogar weniger als 10 Prozent auf den Markt. Käufer solcher Aktien müssen wissen, dass die Altgesellschafter weiterhin die Zügel komplett in der Hand halten.

Kenner des Geschäfts mit Börsengängen sind erstaunt, wie groß angesichts der zuletzt eher mäßigen Platzierungen das Interesse aus China an der Frankfurter Börse ist. Ein Grund dafür dürfte sein, dass sich chinesische Unternehmen mit einer Auslandsnotierung einen besseren Ruf verschaffen. Auch wenn die tatsächlich erzielten Börsenerlöse oft die Planungen verfehlten, ziele die Strategie der Chinesen wohl darauf, zu einem spätere Zeitpunkt ihr Kapital erhöhen zu können und sich so Geld zu verschaffen, lautet eine gängige Erklärung.

Anders als Frankfurt haben andere Börsenplätze in Sachen China in jüngster Zeit wenig zu bieten. In Hongkong ist der Börsenboom der Jahre 2009 bis 2011 weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Kurse der Börsendebütanten hinken denen des Gesamtmarkt hinterher. Die Börsenaufseher in Hongkong haben das Geschäft mit neuen Börsengängen zuletzt stark gebremst. In den USA sorgten Bilanzskandale bei chinesischen Unternehmen dafür, Aktien kleinerer China-Gesellschaften kaum noch gefragt sind.

Kursentwicklung von China-Aktien mehr als mau

Dabei verläuft auch die Kursentwicklung der in Frankfurt gelisteten China-Aktien kaum besser. Neun von zwölf Titeln, die seit 2011 dort gelistet sind, notieren unter dem Ausgabepreis des Börsenstarts. Im Schnitt büßten die zwölf Titel rund ein Drittel ihres Wertes ein, und bis auf einen Titel liefen alle Aktien schwächer als der deutsche Gesamtmarkt.

Das dürfte andere Börsenkandidaten aus der Volksrepublik in den nächsten zwei Jahren davon abhalten, selbst in Frankfurt einen Börsenstart zu wagen, glaubt Ulrich Plumbohm von Plumbohm Corporate Finance in Schanghai.

Asian Bamboo, ein Bambusproduzent und einer der Pioniere auf dem Frankfurter Parkett, verkaufte seine Aktien 2007 für je 17 Euro. Am Mittwoch lag ihr Kurs bei 6,80 Euro: Wer zum Börsengang eingestiegen war, hat 60 Prozent verloren.

Die Aktie von China Specialty Glass kostet gegenwärtig 2,40 Euro. Verglichen mit dem Ausgabepreis, der 2011 bei 9,00 Euro gelegen hatte, hat der Hersteller von Sicherheitsglas 73 Prozent seines Börsenwerten eingebüßt.

Wollen sich Anleger an ZhongDe Waste Technology beteiligen, einem Spezialisten für Müllverbrennungsanlagen, sind aktuell 2,10 Euro pro Aktie fällig. Beim Börsengang 2007 zahlten die Zeichner noch 26 Euro pro Anteilsschein und damit stolze 92 Prozent mehr.

Von den 37 in Frankfurt gelisteten Aktien chinesischer Unternehmen führt die Deutsche Börse 13 im Prime Standard, also mit den höchsten Transparenzpflichten, wie sie auch in den verschiedenen Aktienindizes eingehalten werden müssen. Eine Aktie wird im General Standard geführt, der ebenfalls gesetzlichen Regeln unterlegt.

Acht China-Aktien gehören dem Entry Standard an und 15 dem Open Market. Sie unterliegen damit den Regeln der Deutschen Börse. Anleger haben bisher wenig Freude an China-Aktien gehabt.

Angesichts der durch die Bank schwachen Kursentwicklungen scheint es, als sei eine Börsennotierung in Deutschland keine gute Idee gewesen - mehr noch: Rückblickend könnte dies signalisieren, dass die Firmen besser gar nicht an die Börse gebracht worden wären.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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