• The Wall Street Journal

Zwei Dämpfer lauern auf die US-Wirtschaft

    Von JUSTIN LAHART

Die Wirtschaft in den USA ist gut ins neue Jahr gestartet. Zwei Bedrohungen aber lauern an den amerikanischen Märkten, und sie könnten auch der Weltwirtschaft insgesamt einen Dämpfer geben. Beide sind politischer Natur: Zum einen neues Gezerre um den Haushalt, zum anderen mögliche weitere Geldspritzen der US-Notenbank Federal Reserve. Und mindestens eine dieser beiden Gefahren dürfte tatsächlich wahr werden.

Zuerst die guten Nachrichten für die US-Wirtschaft: Am vergangenen Freitag haben gleich mehrere Indikatoren bestätigt, dass das Wachstum wieder Fahrt aufnimmt. So meldete das Arbeitsministerium, im Januar seien 157.000 neue Jobs geschaffen worden. Die Aktivität im verarbeitenden Sektor hat im vergangenen Monat den höchsten Stand seit April erreicht. Das Sentiment – die Stimmung in der Wirtschaft, gemessen von der Nachrichtenagentur Reuters und der University of Michigan – hat sich seit Mitte Januar verbessert, weil Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Fiskalklippe abgeebbt sind. Und die Autoverkäufe sind im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gestiegen.

All das verheißt Gutes für die US-Wirtschaft. Außerhalb Amerikas läuft es ja ohnehin schon besser – in China nimmt die Konjunktur wieder Fahrt auf, und Europa scheint seinen Weg aus der Krise zu finden. In diesem Jahr könnte es auch in den USA wieder bergauf gehen. Das hoffen zumindest Anleger, die den wichtigsten Aktienindex, den Dow Jones Industrial Average, Ende vergangener Woche auf seinen höchsten Stand seit Oktober 2007 getrieben haben.

Fiskalklippe ist nicht überwunden

Aber die berüchtigte Fiskalklippe ist noch längst nicht überwunden. Anfang März greifen die automatischen Kürzungen bei Verteidigungs- und Zivilprogrammen der Washingtoner Regierung, Sequester genannt. Anders als die automatischen Steuererhöhungen, die zum Jahreswechsel in letzter Minute verhindert wurden, sieht es hier aber nicht nach einer schnellen Einigung aus. Andy Laperriere von der Politikberatung ISI Group glaubt, dass sich der Kongress erst bewegen wird, wenn die Bürger die Ausgabenkürzungen spüren, und die Wut auf die Politiker wächst. Das könnte eine Weile dauern.

Wenn aber Washington mit das Sequester-Problem lösen sollte, droht gleich ein anderer Bremsklotz: Dann könnte die erstarkende Wirtschaft nämlich die Verantwortlichen in der Notenbank dazu bringen, weniger locker mit dem Geld umzugehen. Die kurzfristigen Zinsen dürften so bald nicht angehoben werden – dafür müsste die Arbeitslosenrate unter die von der Federal Reserve definierte Schwelle von 6,5 Prozent fallen. Was aber kommen könnte, ist dass die Fed ihr 85 Milliarden Dollar starkes Ankaufsprogramm für Staatsanleihen und Hypotheken erst zurückfährt und dann ganz stoppt. Das könnte zu höheren Zinsen führen und so das Wachstum verlangsamen.

Rückblickend zeigt sich, dass die Fiskalklippe auf die Beschäftigtenzahlen kaum Auswirkungen hatte – sie wuchsen im Dezember um 196.000. Insofern scheint unwahrscheinlich, dass der Sequester der Wirtschaft einen schweren Schaden zufügt. Auch die Fed dürfte bei ihren nächsten Schritten behutsam vorgehen. Insofern würde keines der Ereignisse die US-Wirtschaft in den Abgrund reißen. Aber das Wachstum verlangsamen könnten beide. Und mindestens einer der Bremsklötze dürfte schon bald im Weg liegen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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