• The Wall Street Journal

Schwacher Yen treibt Asiens Börsen

    Von HANS BIELEFELD

Wieder ein Kursfeuerwerk in Tokio, und wieder steht vor allem der Yen dahinter. Gestützt von neuen Tiefstständen beim Yen kletterte der japanische Nikkei-Index am Freitag kräftig nach oben und erreichte den höchsten Stand seit der Pleite von Lehman Brothers 2008. Der Aktienmarkt von Tokio scheint nach oben derzeit keine Grenzen zu kennen, bereits den siebten Tag in Folge legte der Markt zu. Der Nikkei-Index stieg um satte 2,6 Prozent auf 12.283 Punkte.

Rückenwind gab es diesmal aber auch von Konjunkturseite. Die japanische Wirtschaft hat überraschend rasch den Abschwung hinter sich gelassen. Die Wirtschaftsleistung wuchs nach revidierten Berechnungen bereits im Schlussquartal 2012 wieder, und zwar preisbereinigt mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,2 Prozent. Vorläufig war dagegen ein Rückgang um annualisiert 0,4 Prozent berichtet worden.

Hauptgrund für die neuerlichen Gewinne war aber der Yen, nachdem die Aufwertung des Dollar gegenüber wieder an Dynamik gewonnen hat. Neben der weiter expansiv erwarteten japanischen Geldpolitik drückten gute US-Konjunkturdaten den Yen nach unten. Der Dollar stieg zuletzt auf deutlich über 95 Yen und damit den höchsten Stand seit Sommer 2009. Hinzu kommt laut Analyst Junichi Ishikawa von IG Securities ein allgemein gestiegener Risikoappetit, was sich auch an den deutlich steigenden Kursen an den Aktienmärkten zeige. Am Donnerstag waren im asiatisch dominierten Handel noch weniger als 94 Yen für einen Dollar fällig.

Nach den guten wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten steigen bei den Anlegern die Hoffnungen auf ein Anziehen der US-Konjunktur und stärken damit gleichzeitig die US-Währung. „Der Dollar wird nun wegen der Wachstumsperspektive in den USA gekauft und nicht wegen eines Sicherheitsinteresses", sagt Kit Juckes von der Société Générale . Diesen Trend gebe es bereits seit der Veröffentlichung zahlreicher positiver US-Konjunkturdaten. Zusammen mit dem Wechsel an der Spitze der japanischen Notenbank und einer möglichen weiteren Lockerung der japanischen Geldpolitik durch den neuen Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda dürfte der Yen nun weiter unter Druck geraten.

Wegen der Yen-Schwäche besonders gefragt waren in Tokio die Aktien exportorientierter Unternehmen wie Bridgestone . Advantest, Mazda und Fuji Heavy Industries .

Ebenfalls im Plus notierten die Börsen in Hongkong und Sydney. Hier sorgte vor allem ein überraschender Handelsbilanzüberschuss in China für gute Stimmung. Statt des ursprünglich erwarteten Defizits in Höhe von 16 Milliarden Dollar erwirtschaftete die chinesische Wirtschaft im Februar einen Handelsüberschuss von 15,3 Milliarden Dollar. Während die Exporte um 21,8 Prozent stiegen, gingen die Importe um 15,2 Prozent zurück. Jedoch muss bei der Bewertung der Daten das Neujahrsfest berücksichtigt werden. Es fand in diesem Jahr im Februar statt und nicht im Januar wie 2012.

Hoffnungen, die anziehenden chinesischen Exporte dürften zu einer höheren Rohstoffnachfrage führen, sorgten in Sydney insbesondere bei Rohstoffaktien für Kursgewinne: Rio Tinto und die Papiere von Fortescue Metals gewannen.

Belastet von Sorgen über eine anziehende Inflation ging es in Schanghai um 0,2 Prozent bergab. Die Anleger hätten sich vor Bekanntgabe weiterer Konjunkturdaten am Wochenende zurückgehalten. Neben Daten zur Inflation stehen Kennzahlen zur Industrieproduktion und zum Einzelhandelsumsatz an. Analysten hoffen daraus abzulesen, inwieweit sich die chinesische Wirtschaft erholt hat und ihre Rolle als Lokomotive der Weltwirtschaft wahrnimmt.

Von Dow Jones Newswires befragte Analysten gehen durchschnittlich von einem Preisanstieg um 3 Prozent aus. „Ein Anstieg von über 3 Prozent dürfte die Aktienkurse in China belasten", sagte Zhou Xu von Nanjing Securities.

In Seoul bremste die neue Eskalation mit Nordkorea den Markt. Die UN hat neue Sanktionen gegen das nordkoreanische Regime verhängt. Die dortigen Machthaber drohten mit einem atomaren Erstschlag und haben die Übereinkommen über einen Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea aufgekündigt.

Kontakt zum Autor: hans.bielefeld@dowjones.com

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