• The Wall Street Journal

Europas Anleger flüchten aus Aktien in Anleihen und Euro

    Von THOMAS LEPPERT

Zum Wochenausklang haben sich die Anleger in Europa vorsichtiger positioniert. Zum einen ist die Situation in Nordkorea schwer einzuschätzen. Sollte sie am Wochenende eskalieren, könnten die Börsen erst am Montag darauf reagieren. Daneben drängte erneut die Vogelgrippe in Asien in den Vordergrund und belastete vor allem den Luftfahrtsektor. Nicht zuletzt wurde in den USA ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht vorgelegt. Der Dax verlor 2,0 Prozent auf 7.659 Punkte und gehört damit zu den größten Verlierern in Europa. Seit Jahresbeginn liegt der Index nur noch knapp im Plus.

Der Euro-Stoxx-50 verlor 1,4 Prozent auf 2.585 Punkte. Nicht ganz so schwach präsentierten sich die Aktienmärkte in Südeuropa. So legte die Börse in Mailand sogar um 0,6 Prozent zu, Madrid verlor 0,6 Prozent. „Möglicherweise kaufen die Investoren die Euro-Peripherie und verkaufen Kerneuropa", meint ein Händler. Dies wäre ein positives Zeichen, denn es könnte bedeuten, dass die Wirtschaft in den Mittelmeerstaaten schon ihren Tiefpunkt erreicht hat.

Eine Enttäuschung lieferte der US-Arbeitsmarktbericht. Mit 88.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen wurde die Markterwartung von 200.000 klar verfehlt. „Das ist die höchste Abweichung seit Dezember 2009", kommentierte ein Händler. Zudem handelt sich um den niedrigsten Stellenzuwachs seit neun Monaten.

„Der aktuelle Arbeitsmarktbericht bietet nicht das, was die USA und speziell die US-Notenbank sehen möchten", lautet das Fazit von Heinrich Bayer von der Postbank. Einer Abkehr von der ultraexpansiven Geldpolitik sei die USA mit den Daten sicherlich nicht näher gerückt. Der Dollar gab prompt nach, der Euro stieg auf über 1,30 Dollar.

Dagegen verzeichneten die Anleihen kräftige Kursgewinne. Die Renditen der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren fielen um vier Basispunkte auf 1,20 Prozent - und damit auf den niedrigsten Stand seit Juli 2012. „Wir werden noch sehr, sehr lange niedrige Zinsen sehen", meinte ein Marktteilnehmer. Er schließt nicht aus, dass die Renditen bis auf ein Prozent fallen, sollte die Euro-Krise nochmals aufflammen.

An den Börsen ging es mit den Aktien der Fluggesellschaften kräftig abwärts. Berichte, dass es in Asien bei einem neuerlichen Ausbruch der Vogelgrippe Todesfälle gab, lasteten auf der Branche. Die Papiere von Air France-KLM, Lufthansa und British Airways gaben kräftig nach. Auch die Aktien des Touristikkonzerns TUI litten unter der Angst, dass das Interesse an Asienreisen nachlassen könnte. Der europäische Sub-Index des Sektors Reise und Freizeit war mit einem Minus von 3,3 Prozent der mit Abstand größte Verlierer in Europa.

Autowerte wie VW, BMW und Daimler gaben ebenfalls kräftig nach. „Finger weg vom Autosektor" laute eine Konsequenz der Yen-Schwäche, hieß es. Der freie Fall gegen US-Dollar und Euro erleichtere den japanischen Herstellern das Geschäft enorm, sagt Heino Ruland von Ruland Research. „International kämpfen Japaner und Deutsche auf Augenhöhe um Marktanteile." Die Japaner nutzten den immer größeren Währungsvorteil besonders effizient und könnten die Preise für ihre Modelle stärker senken.

Ein Blick auf die Sektoren zeigt, dass allein die Versorger zulegen konnten. Der Sektor-Index schloss mit 0,3 Prozent leicht im Plus.

Kontakt zum Autor: thomas.leppert@dowjones.com

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