• The Wall Street Journal

Vorsicht bei Brasilien-Investments

    Von BEN LEVISOHN

Anleger sind Anfang des Jahres mit großen Hoffnungen in Brasilien-Investments eingestiegen. Zu Unrecht – Brasilien könnte wieder enttäuschen.

Schon im vergangenen Jahr ist der Index MSCI Brazil dem MSCI Emerging Markets – der Schwellenmärkte weltweit abbildet – hinterhergetrottet: MSCI Brazil hat gut zehn Prozent dazugewonnen, der MSCI Emerging Markets 7,25 Prozentpunkte mehr.

Für dieses Jahr hatten sich die Anleger mehr erwartet. Das Wirtschaftswachstum – 2012 war es ein Prozent – sollte wieder Fahrt aufnehmen. Die Zinskürzungen der Zentralbank um 3,75 Prozentpunkte sollten Wirkung zeigen. Und die Investoren hofften, dass Brasilien gegenüber den anderen Schwellenmärkten aufholen würde.

Aber mit der Wirtschaft im Land ist mehr im Argen, als viele dachten. Heftige Interventionen in die Privatwirtschaft hat die Unternehmen dazu gebracht, neue Projekte auf Eis zu legen. So könnten die Zinssenkungen unter Umständen nicht den gewünschten Effekt haben. Ökonomen haben schon ihre Wachstumsprognosen für das neue Jahr gesenkt.

Der Zuckerhut in Rio de Janeiro.

So hecheln die brasilianischen Aktien dem Durchschnitt auf den Entwicklungsmärkten einmal mehr hinterher: Der MSCI Brazil hat in diesem Jahr gut einen Prozent eingebüßt, der MSCI Emerging Markets dagegen um 1,4 Prozent gewonnen.

Ein wichtiger Teil des Problems ist die Inflation. Die Preise sind Mitte Januar auf bedenkenswerte sechs Prozent gestiegen. Im Dezember waren es auch schon knapp sechs Prozent. Das ist schlecht für die Aktienmärkte – die Anleger trauen sich weniger, wenn sie mit Inflation rechnen.

Die Papiere von Rohstoffproduzenten und anderen Unternehmen, die stark von der Weltwirtschaft abhängen, könnten eigentlich von einem erstarkenden China und einem Europa, das sich langsam aus der Krise windet, profitieren. Das Problem: Diese Aktien leiden am meisten unter den Eingriffen der Regierung in die Privatwirtschaft. Das sagt etwa Michael Hood, Aktienstratege bei J.P. Morgan .

Ein Beispiel dafür ist der Öl- und Gasriese Petroleo Brasileiro . Die Aktien des Konzerns sind am Mittwoch um 4,7 Prozent gefallen. Die Regierung hatte dem Unternehmen geringere Preisaufschläge gewährt, als die Investoren erwartet hatten.

Edward Kuczma, Investmentstratege beim auf Lateinamerika spezialisierten Vermögensverwalter Van Eck Global, sagt: Es lohnt sich trotzdem, in Aktien im Bildungssektor zu investieren. Wegen des schwierigen Arbeitsmarktes kann Weiterbildung beim Gehalt einen großen Unterschied machen, und Bildung dürfte ein Wahlkampfthema für 2014 werden. Er empfiehlt vor allem die Aktien von Estacio wegen seiner starken Führung und guten Kapitalpolsters – zum Kauf von Anhanguera Educacional und Kroton Educacional rät er weniger. Der einzige Nachteil: Die Aktien von Estacio haben ihren Wert im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

Eine andere Möglichkeit ist, einen guten geschlossenen Fonds zu kaufen, der Brasilien nur schwach gewichtet – so wie Thornburg Developing World und Calamos Evolving World Growth, die beide zu rund zehn Prozent in brasilianische Aktien investiert sind, also rund drei Prozent weniger als der MSCI Emerging Markets Index ETF.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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