• The Wall Street Journal

Südafrika will auch beim Mali-Einsatz mitreden

    Von ALEXIS FLYNN und PETER WONACOTT
Abaca Press

Flüchtlinge aus Mali sind auf dem Weg nach Mauretanien.

JOHANNESBURG – Südafrika, das politische und ökonomische Schwergewicht des Kontinents, strebt meistens nach „afrikanischen Lösungen für afrikanische Probleme". Doch im Fall des Konfliktes in Mali könnte sich Südafrika anders entscheiden und Frankreich eine zentrale Lösung bei der Bewältigung des Konflikts einräumen.

Frankreich hat als ehemalige Kolonialmacht immer noch enge Beziehungen zu Afrika. Im Oktober hat Südafrika zusammen mit Frankreich die UN-Resolution vorangebracht, die den französischen Militäreinsatz in Mali zur Folge hatte. Dort sollten mit al-Qaida verbündete Rebellen vertrieben werden, die die Regierung stürzen wollten. Vergangene Woche versprach die südafrikanische Regierung in Pretoria zudem zehn Millionen Dollar, die das Land gemeinsam mit Frankreich zur Stärkung der malischen Polizei einsetzen wolle.

Westafrikanische Truppen bereiten sich derzeit darauf vor, die Kontrolle über Städte zu übernehmen, die Frankreich von islamistischen Rebellen befreit hat, darunter auch Timbuktu. Die französische Luftwaffe hat am Wochenende weitere Angriffe auf ein Gebirge in Nordmali namens Adrar des Ifoghas ausgeführt, wohin sich einige Islamisten offenbar zurückgezogen haben, berichtet ein Vertreter des französischen Verteidigungsministeriums.

Das Militärbündnis in Mali braucht die Unterstützung von Südafrika: Es ist das reichste Land des Kontinents und hat durch die Afrikanischen Union viel Einfluss auf dem Kontinent. Ebrahim Ebrahim, einer der ranghöchsten Diplomaten in Pretoria, sagte den Medien vergangenen Monaten, dass Südafrika „weiterhin die Anstrengungen westafrikanischer Länder, der Afrikanischen Union und der UN unterstützen" werde, um in Mali wieder den Frieden herzustellen.

Die Zusammenarbeit Südafrikas mit Frankreich steht im Kontrast zum eher geteilten Vorgehen der beiden Länder nach der Präsidentschaftswahl an der Elfenbeinküste im Jahr 2010. Ursprünglich stellte sich Südafrika hinter die UN und die Afrikanische Union, die Alassane Ouattara als Gewinner der Wahlen anerkannten. Als Amtsinhaber Laurent Gbagbo sich weigerte, seinen Posten zu räumen, empfahl Südafrika eine Machtteilung zwischen den beiden Männern. Erst als Ouattaras Truppen mit Hilfe von Frankreich den Präsidentenpalast stürmten und Gbagbo festnahmen, lenkte Südafrika ein.

Mali: Ein Staat scheitert

Südafrika trägt Frankreich den diplomatischen Fauxpas immer noch nach. Der damalige französische Premier Nicolas Sarkozy sprach sich nicht mit Südafrika ab, bevor er Truppen an die Elfenbeinküste schickte. Sein Nachfolger François Hollande hat hingegen vor dem Einsatz in Mali mit Präsident Jacob Zuma gesprochen, sagt Ebrahim.

In Mali habe Frankreich Rebellen bekämpft, die auch eine Gefahr für die Nachbarstaaten Malis darstellten, während das Land an der Elfenbeinküste in einen internen politischen Konflikt eingegriffen habe, sagt Ebrahim.

Vergangenes Jahr wurde die Beziehung zwischen Frankreich und Südafrika erneut auf die Probe gestellt, als Südafrika mehrere westliche Staaten, darunter auch Frankreich, beschuldigte, die Verhandlungen für einen friedlichen Abgang des Präsidenten Muammar al-Gaddafi zu untergraben. Dieser war seit langer Zeit ein Verbündeter Südafrikas gewesen. Zum Entsetzen der Regierung in Pretoria ermordeten Rebellen den libyschen Staatschef.

Kritiker beschuldigen Südafrika, eine launische Außenpolitik zu betreiben und oft den Diktatoren in die Hände zu spielen, die ihre Macht nicht abgeben wollen. Trotzdem will das Land, dass Militäreingriffe vor allem von afrikanischen Truppen geleitet werden.

„Man kann nur hoffen, dass solche Debakel wie die in Libyen und der Elfenbeinküste nicht wiederholt werden und dass unsere Politik in Zukunft immer durchdacht ist", sagt Thomas Wheeler, ehemals südafrikanischer Botschafter in der Türkei und Analyst am Südafrikanischen Institut für Internationale Politik.

Timbuktu – eine afrikanische Schatzkiste

AFP/Getty Images

Die südafrikanische Politik, westliche Staaten von der afrikanischen Außenpolitik auszuschließen, ist keine neue Entwicklung. Der ehemalige südafrikanische Präsident Thabo Mbeki war die treibende Kraft hinter der Afrikanischen Union, die 2001 geschaffen wurde, um die Konflikte auf dem Kontinent zu schlichten.

Doch der Organisation fehlt es an den ausreichenden finanziellen Mitteln. Dadurch ist sie abhängig von der Hilfe anderer Staaten. Vergangenen Monat versprachen internationale Geldgeber 455,5 Millionen Dollar für die Lösung des Konflikts in Mali. Ein Teil des Geldes stammt zwar von Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union, darunter auch die zehn Millionen Dollar von Südafrika, doch der Großteil der Summe stammt aus Japan, den USA, der Europäischen Union und Frankreich.

„Die AU und die UNO arbeiten seit einiger Zeit in dieser Angelegenheit zusammen", sagt Takwa Zebulon Suifon, ein Experte in der Abteilung für Krisenmanagement bei der Afrikanischen Union. „Doch die Zeit arbeitet gegen uns."

—Mitarbeit: Gabriele Parussini, David Gauthier-Villars und Idil Abshir

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