• The Wall Street Journal

Steinbrück fordert strengere Spielregeln für Banken

    Von dapd

LONDON--SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat in der Finanzmetropole London eine stärkere Beteiligung der Banken an den Kosten der europäischen Finanzkrise gefordert. „Ich möchte, dass diejenigen, die die Krise maßgeblich verursacht haben, an den Kosten beteiligt werden, und nicht nur die Steuerzahler", sagte Steinbrück in einer finanzpolitischen Grundsatzrede vor rund 500 Studenten der London School of Economics.

dapd

Peer Steinbrück hat auf seiner ersten Auslandsreise als Kanzlerkandidat der SPD eine stärkere Bankenhaftung gefordert.

Steinbrück erklärte auf seiner ersten Auslandsreise als Kanzlerkandidat, die entscheidende Frage sei, „wie ist es um den Zusammenhalt der europäischen Staatengemeinschaft bestellt". Die einfachen Menschen hätten zunehmend „den Eindruck, da ist etwas aus dem Lot geraten". Gerade in den von der Krise gebeutelten Ländern zweifelten Menschen an der Demokratie.

„Not frisst Demokratie", betonte Steinbrück. Deshalb sei eine andere Politik notwendig. Er spreche sich „nicht für eine Trockenlegung der Finanzmärkte aus". Aber die Banken müssten stärker in die Verantwortung genommen werden.

Im einzelnen plädierte der frühere Bundesfinanzminister für eine Finanztransaktionssteuer, ein Trennbankensystem sowie für ein europäisches System zur Abwicklung von Banken. Haftung und Risiko müssten wieder zusammengeführt werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass Banken scheitern können", betonte Steinbrück. Ferner sei es notwendig, das „Erpressungspotenzial von Banken einzuschränken", die als systemrelevant eingestuft würden. Er verlangte einen Bankenfonds, der nicht aus Steuermitteln oder dem europäischen Rettungsschirm ESM gespeist werde, „sondern von den Banken selber".

Mit Gesprächen in mehreren europäischen Hauptstädten will sich der SPD-Kanzlerkandidat in den nächsten Tagen auf außenpolitischem Terrain profilieren. Am Abend wollte Steinbrück noch zu einem Abendessen mit dem Vorsitzenden der Labour Party, Ed Miliband, zusammenkommen.

Deutschlands größte Banken

In der irischen Hauptstadt Dublin hatte sich Steinbrück zuvor mit dem irischen Außenminister und Chef der dortigen Labour Party, Eamon Gilmore, getroffen. Im Mittelpunkt der Gespräche in Dublin standen die Schwerpunkte der irischen EU-Ratspräsidentschaft, der Euro sowie die wirtschaftliche und soziale Lage Irlands.

Am Mittwoch fliegt Steinbrück nach Athen, am Donnerstag wird er in Den Haag erwartet.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 27. Juli

    Ein Roboter will per Anhalter in ein Museum reisen, ein Kind leidet unter dem Krieg in Gaza, ein Ire schnorchelt im Schlamm und die Tour de France ist zu Ende - schauen Sie sich unsere Fotos des Tages an!

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städte die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.